Nordkorea testet weitere Rakete

Nordkorea hat von Japan mit Nachdruck die Aufhebung der Sanktionen gefordert, die das Land wegen der nordkoreanischen Raketentests verhängt hat.

Andernfalls sehe sich sein Land gezwungen, schärfere Gegenmaßnahmen zu ergreifen, sagte Botschafter Song Il Ho am Freitag in Tokio laut der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo. Südkorea setzte seine Wirtschaftshilfe für den verarmten Staat aus und unterbrach den Militärdialog mit dem Norden. In Peking berieten China, Japan und USA über Auswege aus der Krise.

Song sagte auf die Frage, was mit schärferen Gegenmaßnahmen gemeint sei: „Das überlasse ich ihrer Vorstellungskraft.“ Japan hat wegen der jüngsten Tests seine Häfen sechs Monate lang für Fähren aus Nordkorea gesperrt und weitere Strafmaßnahmen in Aussicht gestellt. Tokio brachte zudem im UNO-Sicherheitsrat einen Resolutionsentwurf mit möglichen Strafmaßnahmen gegen Nordkorea ein. Die UNO-Vetomächte China und Russland lehnen Strafen jedoch ab.

Der Chef der nordkoreanischen UNO-Vertretung in Genf, Choe Myong Nam, rechtfertigte die Raketentests. Sie stellten keinen Angriff auf irgendjemand dar. „Von einem internationalen Standpunkt aus gesehen, ist es nicht fair festzulegen, wer etwas darf und wer nicht.“ Das gelte auch für den Besitz von Atomwaffen, fügte der Diplomat der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap zufolge hinzu.

Die südkoreanische Regierung stoppte eine Lieferung von 500.000 Tonnen Reis und 100.000 Tonnen Düngemittel an das nördliche Nachbarland, wie ein Regierungsbeamter in Seoul mitteilte. Die Hilfen würden ausgesetzt, „bis es in der Raketenangelegenheit einen Durchbruch gibt“. Ein für Dienstag angesetztes Ministertreffen der beiden Staaten im südkoreanischen Pusan soll wie geplant stattfinden. Nordkorea ist nach einer Hungersnot in den 1990er Jahren auf Nahrungslieferungen aus dem Süden angewiesen, um seine Bevölkerung zu ernähren.

Nordkorea hatte am Mittwoch trotz internationaler Warnungen sieben Raketen abgefeuert – darunter eine Langstreckenrakete, die Experten zufolge auch Alaska und damit die USA erreichen könnte. Trotz eines internationalen Proteststurms kündigte Nordkorea weitere Raketentests an. Sollte jemand versuchen, diese zu stoppen, werde Gewalt angewendet, drohte das Land.

Der südkoreanische Verteidigungsminister Yoon Kwang Ung sagte, dass Nordkorea eine weitere Langstrecken-Rakete des Typs Taepodong-2 zur Abschussrampe an seine Ostküste gebracht hat. Von einem unmittelbar bevorstehenden Abschuss sei aber nicht auszugehen. Die erste wurde am Mittwoch abgefeuert, landete aber offenbar nach wenigen Sekunden direkt vor der Küste im Meer. Einem Bericht der japanischen Zeitung „Sankei“ war die Rakete auf hawaiianische Gewässer gerichtet.

Indes gingen die diplomatischen Bemühungen in der Krise weiter. Das als Verbündeter Nordkoreas geltende China erarbeitete Kyodo zufolge eine eigene – schwächere – Erklärung für den UNO-Sicherheitsrat. Der Nordkorea-Unterhändler der USA, Christopher Hill, beriet in Peking mit hochrangigen chinesischen Vertretern. Japan schickte seinen Verhandlungsführer Kenichiro Sasae zu Beratungen. Man wolle Nordkorea „eine deutliche Botschaft“ übermitteln und ihm klarmachen, „dass das, was es tut, selbstmörderisch ist“, so Sasae. Der chinesische Außenminister Wu Dawei sagte nach den Beratungen, er wolle am Montag mit einer „Delegation des guten Willens“ nach Nordkorea reisen.

US-Präsident George W. Bush lehnte es ab, auf Nordkorea zuzugehen. Die USA wollten alle Probleme auf diplomatischem Wege lösen, sagte er am Donnerstag (Ortszeit) dem US-Nachrichtensender CNN. Es gebe aber auch „andere Möglichkeiten“ jenseits der Diplomatie, um die Krise um die Raketentests und Nordkoreas Atomprogramm zu beenden. Direkte Gespräche mit Pjöngjang schloss Bush entschieden aus. Die USA bemühen sich in Sechser-Gesprächen – gemeinsam mit China, Japan, Russland und Südkorea – Nordkorea von seinem Atomprogramm abzubringen. Diese Verhandlungen sind jedoch seit vergangenem Jahr festgefahren. Im Februar 2005 hatte Pjöngjang erklärt, über Atomwaffen zu verfügen.

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