Noch einmal Großbaustelle

In den Eingeweiden des Festspielhauses rumort’s und hämmert’s. Drinnen im großen Saal werden die roten Sessel montiert. Draußen imprägnieren Arbeiter die neuen Türen. Andere lassen die Böden ein.

Und unten, im Ticketcenter, ach Gott, da stehen die Möbel noch kreuz und quer, und die Türen liegen stapelweise im Weg.

„Bin gespannt, ob wir fertig werden.“ Das murmeln viele. Nur Walter Liendl sagt das nicht. Am 7. Juli wird eröffnet, komme, was wolle. Liendl war dabei, als sie das neue Festspielhaus bauten. Er hat 1998 die großen Zubauten mit der Werkstattbühne überstanden. Und zum Abschluss jetzt eben die Umgestaltung.

43. und letzte Spielsaison

„Klar werden wir fertig.“ Das sagt er bestimmt, und auch erleichtert. Denn seine zweite große Gewissheit flüstert ihm, dass er Ende des Jahres in Pension gehen wird. Dies ist Walter Liendls 43. Spielsaison. Dann ist Schluss.

Angefangen hat alles wenig hoffnungsfroh. Liendl stammt aus Friesach in Kärnten. Das hört man heute noch. Doch damalsgingesdemLandschlecht. Zum Abschluss seiner Bäckerlehre nahm er gleich die Kündigung in Empfang. „So war das halt damals.“

Nach dem Bundesheer kam Liendl nach Vorarlberg. Er wurde Fernfahrer, und sattelte auf Elektrotechnik um. Die zweite Lehre führte ihn 1964 ins alte Festspielhaus, „wo wir die ganzen Elektroinstallationen erneuert haben“. Und Liendl blieb.

So eine Hausführung gestaltet sich derzeit zum Hindernisparcours. Überall hängen rot-weiße Absperrbänder. Grad am Wochenende ist einer mit seinem Hund nächtens durch eine offene Tür ins Foyer geschlüpft und über den frisch versiegelten Boden spaziert. „Aber sie bringen die Abdrücke wieder raus.“ Die Firma war sofort zur Stelle.

Das betont Liendl alle nase- lang. „Man kann nur den Hut ziehen vor allen Beteiligten an diesem Bau.“ Endlich stehen wir draußen am Vorplatz, wo 373 frisch eingepflanzte Bäume wachsen. „Unglaublich“, sagt Liendl, „was in zehn Monaten geschehen ist.“ Auf der Tribüne reinigen Mitarbeiter die Sessel mit Hochdruck. Am Bühneneingang laden andere Kleiderkästen aus. „Das sind die neuen für die Garderoben“, sagt Liendl und klopft einem der Arbeiter anerkennend auf die Schulter. Was wird er wohl anfangen ohne all das hier? Da hält er kurz inne. Und dann sagt er: „Das hab ich mich auch schon gefragt.“

ZUR PERSON

Walter Liendl

  • Beruf: Hausmeister
  • Geboren: 11. 11. 1941 in Friesach Familie: verheiratet, ein Sohn
  • Ausbildung: Bäcker- und Elektrikerlehre
  • Laufbahn: Sechs Monate Fernfahrer, dann Elektriker, heute Hausmeister der Festspiele.
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