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"Nirgendwo in Afrika" großer Filmpreis-Sieger

Die Regisseurin Caroline Link und ihre Familiensaga „Nirgendwo in Afrika“ sind die großen Sieger des 52. Deutschen Filmpreises. Der Film spielt in den 30-Jahren.

Das Drama einer in den 1930er Jahren nach Kenia emigrierten deutsch-jüdischen Familie nach dem Bestseller-Roman von Stefanie Zweig wurde in Berlin mit fünf goldenen Lolas gekrönt. „Ich bin sehr stolz und geehrt“, sagte die hochschwangere Regisseurin auf der Filmgala im Zirkusbau Tempodrom am Freitagabend. Michael Hanekes „Die Klavierspielerin“ erhielt die undotierte Auszeichnung als bester ausländischer Film. Der Vorarlberger Hans Weingartner, der mit „Das weiße Rauschen“ als bester Film nominiert war, ging leer aus.

Neben dem mit 500.000 Euro dotierten Preis für den besten Film bekam Link auch die goldenen Lola (10.000 Euro) für die beste Regie. Gold ging außerdem an Matthias Habich (Bester Nebendarsteller) sowie Niki Reiser (Musik) und Gernot Roll (Kamera). Link hatte 1997 einen Preis in Silber für „Jenseits der Stille“ bekommen, der auch für einen Oscar ins Rennen ging.

Mit Silbernen Lolas (je 400.000 Euro) wurden die ostdeutsche Milieu-Studie „Halbe Treppe“ von Andreas Dresen („Nachtgestalten“) sowie „Heaven“ von Tom Tykwer („Lola rennt“) bedacht. Der von der Bundesregierung mit 2,8 Millionen Euro dotierte Filmpreis ist die üppigste Kulturauszeichnung in Deutschland. Insgesamt wurden 14 goldene und zwei silberne Lolas vergeben.

Bester Hauptdarsteller wurde Daniel Brühl, der an diesem Tag seinen 24. Geburtstag feierte. „Es ist das schönste Geschenk, das ich mir vorstellen konnte“, sagte das Naturtalent Brühl, der nie eine Schauspielschule besucht hat und für seine Rollen unter anderem in der Komödie „Vaya con Dios“ und in „Das weiße Rauschen“ geehrt wurde. Beste Schauspielerin wurde Martina Gedeck für ihre Rolle als resolute Köchin in „Bella Martha“.

Präsentiert wurde die von zahlreichen Pannen begleitete Show des Privatsenders SAT.1 vom gut aufgelegten Comedy-Star Dirk Bach und der fahrig wirkenden „Blitz“-Moderatorin Caroline Beil. Auch die nominierten Ehrengäste auf den roten Plüschsofas mitten in der riesigen Zirkusarena muteten etwas verloren und zusammengewürfelt an. Humor bewies indes Gerhard Schröder. Als Entschädigung für seinen Schnitzer bei der Gala 2001, als er die Vornamen des Regisseurs Rainer Werner Fassbinder mit denen seines Lieblingsdichters Rainer Maria Rilke verwechselte, rezitierte der Kanzler auswendig das Rilke-Gedicht „Der Panter“. Das Publikum honorierte die Einlage lautstark. Schröder sprach der Kinoindustrie auch Mut zu. Der deutsche Film sei „auf der Erfolgsspur“. Der Kanzler wies darauf hin, dass deutsche Filme im vergangenen Jahr ihren Marktanteil im einheimischen Kino auf 19 Prozent gesteigert hätten, so viel wie seit Mitte der 70er Jahre nicht mehr.

Den großen Applaus des Abends erntete Michael „Bully“ Herbig, der für seinen „Schuh des Manitu“ den Sonderpreis und den Publikumspreis mit nach Hause tragen konnte. Herbig verteidigte den von der Kritik skeptisch beäugten Kassenknüller. „Es ist auch eine Kunst, Filme für das Publikum zu drehen“, sagte er. Mit „Der Sams“ von Ben Verbon wurde erstmals der beste Kinder- und Jugendfilm ausgezeichnet. Der Preis für ein Lebenswerk ging an den Filmproduzenten Ottokar Runze.

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