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"Nijinskys Tagebuch" im Kornmarkttheater

"Nijinskys Tagebuch" wurde von den Zusehern gefeiert.
"Nijinskys Tagebuch" wurde von den Zusehern gefeiert. ©VN/Bardel
Bregenz - Nach der Uraufführung der Auftragsoper "Solaris" als Eröffnungspremiere (18.7.) haben die 67. Bregenzer Festspiele ein weiteres Bühnenwerk des deutschen Komponisten Detlev Glanert (52) herausgebracht.

Im Theater am Kornmarkt wurde Samstagabend als Koproduktion mit dem Landestheater Linz “Nijinskys Tagebuch” (UA 2008 in Aachen) aufgeführt. Die Premierengäste erlebten quasi Gehirnblitze und Psychogewitter des in jungen Jahren in die Schizophrenie versunkenen polnisch-russischen Tanzgenies Waslaw Nijinsky (1889/1890 -1950). Nach 90 Minuten intensiven und fordernden Musiktheaters gab es viel anerkennenden Beifall und Bravo-Rufe für alle Mitwirkenden und den Komponisten. Das Stück wird am 7. August wiederholt.

Symphonieorchester im Einsatz

Das bei den Aufführungen in Linz (Mai 2012) engagierte Team unter der musikalischen Leitung von Ingo Ingensand sowie in der Regie von Rosamund Gilmore setzte den beklemmenden Verfall des Ballett-Stars Nijinsky auch in Bregenz eindrucksvoll um. Die Instrumentalmusiker stellte hier allerdings nicht das Bruckner Orchester, sondern das Symphonieorchester Vorarlberg (SOV). Entsprechend der Persönlichkeitsspaltung und geistigen Zerrissenheit wird der geradezu zwanghaft Tagebuch schreibende Nijinsky synchron von sechs Personen dargestellt. Den inneren Monolog der oft verwirrend bruchstückhaften Tagebuch-Eintragungen setzt das Sextett überzeugend um.

Basis und Katalysator des Werkes ist das Tagebuch von Waslaw Nijinsky, das er 1919 bis zur Einweisung in ein Sanatorium verfasst hat. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Nijinsky insbesondere für seine phänomenale Sprungtechnik weltweit berühmt. Seine einzigartige Karriere im Bannkreis des russischen Impresarios Sergei Pawlowitsch Djagilew dauerte jedoch nur kurz, nach einem Nervenzusammenbruch im Alter von 29 Jahren musste er den Rest des Lebens (bis zum Tod 1950) in verschiedenen Heilanstalten verbringen.

Darsteller verdientermaßen gefeiert

Glanerts Partitur verleiht Nijinsky musikalische Differenzierung und Tiefe. Die schizophrenen Reflexionen “beruhigt” der Komponist durch instrumentale “Schlaf”-Phasen, in denen Erinnerungen an die Zeit als Choreograph und Ballettstar aufflackern. Für ihre jeweils fachüberschreitende Leistung zwischen Schauspiel, Tanz und Gesang wurden Belinda Loukota (Sopran), Martin Achrainer (Bariton), Barbara Novotny (Schauspielerin), Karl. M. Sibelius (Schauspieler), Ilja van den Bosch (Tänzerin) und Daniel Morales Perez (Tänzer) verdientermaßen gefeiert, ebenso die zuletzt auf die Bühne geholten SOV-Musiker.

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