Niederländerin soll Tochter zur Flucht aus Rakka verholfen haben

Tochter wurde auf dem Amsterdamer Flughafen festgenommen.
Tochter wurde auf dem Amsterdamer Flughafen festgenommen. ©youtube
Eine niederländische Mutter hat nach Medienberichten ihrer Tochter zur Flucht aus der Hochburg der IS-Terrormiliz in Syrien verholfen. Wie die Zeitung "Algemeen Dagblad" berichtete, soll sich die Frau mit einer Burka verschleiert in die für Ausländer äußerst gefährliche Stadt Rakka begeben haben, um die 19-Jährige zu befreien.
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Am Mittwoch trafen die beiden Frauen aus der Türkei kommend wieder in der Heimat ein. Aicha – der Familienname wurde nicht bekanntgemacht – wurde bei der Ankunft auf dem Amsterdamer Flughafen Shiphol festgenommen, wie die Staatsanwaltschaft bestätigte. Sie werde verdächtigt, “strafbare Handlungen im Zusammenhang mit terroristischen Verbrechen” begangen zu haben.

Nach Angaben des Nachrichtenportals 1Limburg.nl sitzt Aicha seitdem in ihrer Heimatstadt Maastricht in Untersuchungshaft. Die Mutter sei bisher nicht belangt worden. Die Tochter war laut 1Limburg.nl im Februar ohne Pass ausgereist, um sich in Syrien mit einem türkisch-niederländischen Jihadisten namens Yilmaz zu vermählen.

“Manchmal muss man tun, was man tun muss”

Wenige Monate zuvor sei sie zum Islam konvertiert und habe sich den Namen Aicha zugelegt. Sie soll zunächst mit verschiedenen Zügen in die Türkei gereist und von dort aus auf bisher nicht bekannte Weise nach Syrien gelangt sein.

Laut “De Telegraaf” schickte die junge Frau im April an die Anwältin der Familie, Francoise Landerloo, über den Chat-Dienst WhatsApp ein vorerst letztes Lebenszeichen: “Lieb von Euch, dass Ihr besorgt seid. Manchmal muss man tun, was man tun muss. Ich denke, dies ist das Richtige.”

“Es war eine schwierige Zeit”

Im Oktober reiste die Mutter der Anwältin zufolge entgegen allen Ratschlägen, auch der Polizei, zur syrischen Grenze. Sie sei aber zunächst unverrichteter Dinge zurückgekehrt. Dann aber sei ein Hilferuf der Tochter gekommen. Die Mutter habe sich eine Burka besorgt und erneut auf den Weg gemacht.

“Es war eine schwierige Zeit”, zitierte das “Algemeen Dagblad” die Anwältin. “Es ist etwas sehr besonderes, dass es der Mutter gelang, ihre Tochter wiederzufinden und mitzubringen.” Auf welche Weise und auf welchen Wegen dies genau verlaufen ist, wollte die Anwältin nicht sagen. Die Mutter selbst hat sich bisher ebenfalls nicht dazu geäußert.

Ein Beweis dafür, dass sich die Mutter bis in die IS-Hochburg Rakka vorgewagt hat oder dass die Tochter sich dort aufhielt, wurde bisher nicht veröffentlicht. Das niederländische Außenministerium bestätigte lediglich, dass es bei der Rückkehr der beiden Frauen aus der Türkei konsularische Hilfe geleistet habe. Dies sei nötig gewesen, weil die Tochter keinen Pass gehabt habe. Die Ausstellung eines Reisedokuments war ihr von der Heimatgemeinde Maastricht verweigert worden, um zu verhindern, dass sie in das Krisengebiet fährt.

Massive Zweifel: Mutter niemals in Syrien?

An der ganzen Geschichte werden mittlerweile aber massive Zweifel laut: Die Mutter sei nie in Syrien gewesen, erklärte der zuständige Oberstaatsanwalt Roger Bos am Donnerstagabend im niederländischen Fernsehsender L1.

Er widersprach damit Medienberichten, wonach die Frau ihrer 19-jährigen Tochter Aicha in die von den Terroristen des “Islamischen Staates” (IS) beherrschte syrische Stadt Rakka nachgereist sei und sie von dort nach Hause gebracht habe. Diese Darstellung niederländischer Zeitungen hatten in den vergangenen Tagen auch internationale Medien übernommen.

“Nur” an Grenze abgeholt?

Möglicherweise habe die Mutter ihre Tochter in der Türkei an der Grenze zu Syrien abgeholt, sagte der Staatsanwalt nach Angaben der niederländischen Nachrichtenagentur ANP.

(APA)

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