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NHM erhält Nachlass seines ersten Intendanten

NHM zeigt sich überglücklich
NHM zeigt sich überglücklich
Das Naturhistorische Museum (NHM) Wien erhält den Nachlass seines ersten Intendanten, Ferdinand von Hochstetter (1829-1884). Dazu zählen u.a. Tagebücher, Briefe und Handschriften sowie Bilder und Zeichnungen des deutsch-österreichischen Geologen, Naturforschers und Entdeckers. Der Nachlass sei in seiner Bedeutung für das NHM kaum zu überschätzen, hieß es am Donnerstag seitens des Museums.


Ein großer Bestand von Hochstetters privatem Nachlass befand sich im Besitz seiner Urenkelin Inge von Hochstetter in Basel, die Stücke waren laut NHM noch nie öffentlich zu sehen. Der Schenkungsvertrag für die “Hochstetter Collection Basel” wird am 30. April in Wien, einem Datum, das gleich mehrfache Bedeutung im Leben des Wissenschafters hatte.

Ferdinand von Hochstetter wurde am 30. April 1829 in Esslingen in Deutschland geboren. Am 30. April 1857 lief die österreichische Fregatte “Novara” zu ihrer Weltumsegelung aus, mit an Bord war Hochstetter, der auf dieser Reise Neuseeland erforschte. Und schließlich wurde Hochstetter, der als einer der Ersten bereits 1861 öffentlich für den Darwinismus eintrat, am 30. April 1876 von Kaiser Franz Joseph I. zum ersten Intendanten des damals im Bau befindlichen Naturhistorischen Museums ernannt.

Das NHM erhält nun Hochstetters Tagebücher, Briefe und Handschriften sowie Bilder, Pläne, Zeichnungen und Fotos aus dessen privatem Besitz. Darunter sind auch zahlreiche Aquarelle und Zeichnungen, unter anderem vom Maler und Entdecker Charles Heaphy mit Ansichten von Neuseeland und den Maoris, sowie eigenhändige Zeichnungen Hochstetters.

Dessen internationale Wertschätzung belegen nicht nur zahlreiche Orden, Dekrete und Medaillen, sondern auch Briefe von Wissenschaftern wie Alexander von Humboldt und Charles Darwin, mit denen Hochstetter in Kontakt stand. “Reisetagebücher und Notizen von seinen Reisen – vor allem von der Novara-Reise – ermöglichen neue Einblicke in das Leben des Forschers und Museumsintendanten”, erklärte NHM-Generaldirektor Christian Köberl.

Als Dank verleiht das Museum den Nachfahren die “Ferdinand von Hochstetter-Medaille”, die höchste Auszeichnung des Museums und seines Freunde-Vereins. Die Medaille wird seit 1976 für besondere Verdienste um das NHM verliehen, bisher 13 Mal.

Ferdinand von Hochstetter war eine schillernde Wissenschafter-Persönlichkeit des 19. Jahrhunderts. Nachdem er sich 1856 an der Universität Wien habilitiert hatte, nahm er von 1857 bis 1859 als Physiker und Geologe an der “Novara”-Weltumsegelung teil. In Neuseeland verließ er die Expedition für acht Monate, um das Land geologisch zu erforschen.

Wieder in Wien, wurde er 1860 zum Professor der Mineralogie und Geologie am k. k. polytechnischen Institut, der heutigen Technischen Universität Wien, und 1876 schließlich zum Intendanten des Naturhistorischen Hofmuseums ernannt. Unter seiner Leitung entstand in Zusammenarbeit mit den beiden Architekten Gottfried Semper und Carl Hasenauer “das erste konsequente Evolutionsmuseum des 19. Jahrhunderts”, wie es in der Aussendung heißt.

Hochstetter habe durch die Integration der damals neuen Wissenschaftsdisziplinen Anthropologie, Ethnographie und Prähistorie den Menschen in die naturwissenschaftliche Betrachtung des Museums mit einbezogen und damit “ein einzigartiges und mutiges Zeichen gegen die bis dahin vorherrschende anthropozentrische Weltsicht und für eine neue wissenschaftliche Betrachtungsweise der Natur gesetzt”.

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