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New Yorker Bürgermeister verlässt Republikaner

New York - Mit seinem Austritt aus der Republikanischen Partei hat New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg Spekulationen über eine Präsidentschaftskandidatur genährt.

Er habe beim Wahlamt einen Antrag auf Änderung seines Status beantragt, erklärte Bloomberg am Dienstag überraschend. Künftig sei er als Parteiloser registriert. Zu einer möglichen Kandidatur bei den Präsidentschaftswahlen 2008 äußerte sich Bloomberg nicht. Seine Pläne für die Zukunft hätten sich nicht geändert, erklärte er lediglich. Beobachter vermuten dennoch, dass der milliardenschwere Medienmogul als Unabhängiger ins Rennen um das Weiße Haus gehen könnte.

In seiner Erklärung pries Bloomberg die Vorzüge der Parteilosigkeit. Sein „unparteiischer Ansatz“ habe in New York Wunder bewirkt: der Haushalt sei ausgeglichen, die Wirtschaft wachse und die Stadt sei sicherer denn je, erklärte der 65-Jährige. Mit seinem Entschluss setze er daher den Kurs fort, mit dem „ich unsere Stadt geführt habe und weiter führen werde“. „Auch wenn sich meine Pläne für die Zukunft nicht geändert haben, bin ich überzeugt, dass dieser Schritt meine politische Zugehörigkeit in Übereinstimmung mit der Haltung bringt, in der ich die Stadt führe und weiter führen will“, erklärte Bloomberg.

Seine Ankündigung machte Bloomberg ausgerechnet während eines Besuchs im bevölkerungsreichen und daher stimmstarken Bundesstaat Kalifornien. Anschließend verbrachte er das Wochenende in New Hampshire, einem Wahl-Schlüsselstaat mit einem traditionell hohen Anteil unabhängiger Wähler. Seine zweite Amtszeit in New York endet 2010.

Sollte Bloomberg tatsächlich ins Rennen um das Präsidentenamt einsteigen, wäre der Bewerberkreis um einen illustren Aspiranten reicher. Insbesondere New York würde bereits vor der eigentlichen Wahl einen regelrechten Showdown erleben. In der Millionenmetropole kämpfen zwei der prominentesten Schlachtrösser der beiden Großparteien um das Ticket: Hillary Clinton, Ehefrau von Ex-Präsident Bill Clinton für die Demokraten und New Yorks Ex-Bürgermeister Rudolph Giuliani.

Zwar müsste es ein politisches Erdbeben geben, um Bloomberg ins Weiße Haus zu bringen, aber traditionell haben unabhängige Kandidaten in den USA gute Aussichten auf Achtungserfolge, die dann zu Lasten einer der beiden Großparteien gehen. So werfen die Demokraten US-Verbraucheranwalt Ralph Nader vor, Al Gore 2000 im Kampf gegen George W. Bush um wichtige Stimmen gebracht zu haben. Aus Sicht der Republikaner geht Bill Clintons Sieg gegen Georg Bush senior 1992 zum Teil auf das Konto des Geschäftsmannes Ross Perot. Bloombergs Chancen stünden auch deshalb nicht schlecht, weil Umfragen zufolge die US-Bürger weder mit der Politik ihres republikanischen Präsidenten noch mit der des demokratisch dominierten Kongresses derzeit zufrieden sind.

Der ehemalige Börsenhändler Bloomberg verdiente als Begründer der gleichnamigen Finanznachrichtenagentur ein Vermögen und gehört heute zu den reichsten Männern weltweit. Nach der Liste der Wirtschaftsblatts „Forbes“ rangiert er mit einem geschätzten Privatvermögen von 5,5 Milliarden Dollar (4,1 Milliarden Euro) an 142. Stelle der Superreichen. Für seine Wahl 2001 und seine Wiederwahl 2005 soll Bloomberg insgesamt mehr als 150 Millionen Dollar aufgewendet haben.

Seit 2001 ist Bloomberg Bürgermeister von New York, seine zweite Amtszeit dauert noch bis 2009. Bloomberg ist wie sein Vorgänger Giuliani bei den Bürgern vor allem wegen seines besonnenen Krisenmanagements nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 beliebt. In jüngster Zeit profilierte sich Bloomberg unter anderem mit Vorschlägen zu einer modernen Energie- und Klimapolitik und als Vorreiter strengerer Waffengesetze. Das brachte ihm Aufmerksamkeit: Das „Time“-Magazine hob ihn kürzlich mit dem kalifornischen Gouverneur und Querdenker der Republikaner aus der Steiermark, Arnold Schwarzenegger, auf den Titel. Schwarzenegger ließ verlauten, Bloomberg wäre ein „exzellenter Kandidat“.

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