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New Orleans: Gewalt hält weiter an

Angesichts anhaltender Gewalt hat die vom Hurrikan "Katrina" zerstörte Stadt New Orleans die Hilfe der US-Nationalgarde angefordert. Bürgermeister will an jeder Ecke Polizisten postieren.

Der Tod von fünf Jugendlichen bei einer Schießerei am Wochenende sei „schockierend“, erklärte die Gouverneurin des Bundesstaates Louisiana, Kathleen Blanco, am Montag (Ortszeit). Es müsse dringend etwas geschehen. Bürgermeister Ray Nagin forderte die Unterstützung von mindestens 250 Soldaten an. Die Kräfte sollten so aufgestockt werden, dass „wir an jeder Ecke einen Polizisten postieren können“.

Seit dem Hurrikan vom August vergangenen Jahres sind zahlreiche Stadtviertel von New Orleans verlassen. Heuer starben 53 Menschen durch Gewalttaten.

Die Gouverneurin zeigte sich sowohl gegenüber Eltern von Jugendlichen als auch gegenüber der Justiz entschlossen. „Haltet Eure Teenager von der Straße und sorgt dafür, dass sie nicht in Ärger verwickelt werden“, appellierte sie. Die Justiz solle dafür sorgen, dass Kriminelle hinter Gitter blieben und nicht auf die Straße kämen. „Wir müssen unsere Bürger schützen.“ Die fünf Jugendlichen im Alter zwischen 16 und 19 Jahren waren am Samstag bei einer Schießerei in einem Armenviertel von New Orleans getötet worden. Die Nationalgarde hatte sich nach dem Hurrikan an den Aufräumarbeiten beteiligt, war aber im Jänner wieder abgezogen worden.

Nagin äußerte sich umringt von Müttern, deren Kinder am Wochenende getötet worden waren. Die Nationalgarde soll nach dem Willen des Bürgermeisters in weiten Teilen der Stadt präsent sein. Er wolle alles in seiner Macht stehende tun, um die anhaltende Gewalt zu beenden. Die Ausgangssperre für Jugendliche werde verschärft, Programme sollen helfen, Jugendliche aus Konflikten herauszuhalten. Außerdem solle die Rekrutierung von Sicherheitskräften verbessert werden.

Nagin und der Stadtrat kündigten einen „Kriminalitätsgipfel“ an, bei dem die Öffentlichkeit Vorschläge zur Verbesserung der Lage beisteuern soll. Seit dem Hurrikan „Katrina“ zählt die Stadt mit früher 465.000 Bewohnern weniger als die Hälfte der früheren Einwohnerzahl.

Vor kurzem hatte Polizeichef Warren Riley noch versichert, seine knapp 1.500 Beamten seien in der Lage, die Stadt zu sichern. Als Plünderer die verlassene und verwüstete Stadt nach dem Wirbelsturm vom August vergangenen Jahres durchzogen, desertierten Dutzende von Beamten. Zahlreichen Polizisten wurden nach den Einsätzen auch Vorwürfe wegen ihrer Brutalität oder eigener Delikte gemacht.

Der Kriminologe Peter Scharf kritisierte, dass die Strategie der Stadt unklar bleibe. Eine starke Polizeipräsenz allein reiche nicht aus. Auch bessere Schulen und Drogenbekämpfung seien notwendig. Norris Henderson, dessen Schwester bei einer Parade zum Marthin-Luther-King-Tag ins Bein geschossen worden war, kritisierte, dass die Wurzeln der Probleme nicht angepackt würden. Niemand frage sich beispielsweise, wie die Kinder überhaupt an die Schusswaffen kämen.

Bis Ende August sollen noch rund 100.000 verlassene Autos und Boote in New Orleans und Süd-Louisiana abtransportiert werden. Den Auftrag erhielt nach Angaben von Regierungsvertretern ein privates Unternehmen aus Alabama, das örtliche Subunternehmen zum Abschleppen anheuern will. Die Abschlepp-Aktion findet erst jetzt statt, weil die Verhandlungen für den Großauftrags schwierig waren. Zudem sollten die Bewohner genug Zeit haben, sich zu melden.

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