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Neun Kinder bei US-Luftangriff getötet

Bei einem US-Luftangriff in Afghanistan sind am Samstag zehn Menschen ums Leben gekommen, davon neun Kinder. Der Angriff sei in der Provinz Ghasni geflogen worden, teilte die US-Armee mit.

Am Samstagmorgen (Ortszeit) habe ein Kampfflugzeug in der südostafghanischen Provinz Ghasni einen „mutmaßlichen Terroristen” angegriffen, der für den Tod von zwei Arbeitern an einer Straßenbaustelle verantwortlich gemacht werde, teilte die US-Armee im Luftwaffenstützpunkt Bagram mit. Nach dem Angriff südlich der Stadt Ghasni, rund 130 Kilometer südwestlich von Kabul, hätten Bodentruppen am Ort des Angriffs die Leichen des „anvisierten Ziels” sowie von neun Kindern gefunden.

Die US-geführten Streitkräfte hätten den Angriff auf Grundlage von Geheimdienstmaterial von langer Hand vorbereitet und dafür Sorge getragen, dass sich „der Terrorist” zum Zeitpunkt des Angriffs in einer abgelegenen ländlichen Gegend befand. „Die Streitkräfte der Koalition bedauern jeglichen Verlust von unschuldigem Leben”, hieß es in der Erklärung weiter. Sie folgten strengen Richtlinien, um derartige Vorfälle zu vermeiden, würden aber weiterhin „die Terroristen verfolgen, die Afghanistans Zukunft bedrohen”. Zur Untersuchung des Vorfalls sei eine Kommission gebildet worden, die sich an den Ort des Angriffs begeben werde.

Bei der Explosion eines Sprengsatzes im Zentrum der südafghanischen Stadt Kandahar wurden am Samstag mindestens 15 Menschen zum Teil schwer verletzt. Der an einem Fahrrad befestigte Sprengsatz explodierte nach Polizeiangaben in der Nähe einer stark befahrenen Kreuzung. Kandahar ist die einstige Hochburg der radikalislamischen Taliban, die gegen die Regierung von Präsident Hamid Karsai kämpfen. Die Taliban und andere regierungsfeindliche Kräfte drohten, die am Mittwoch in der Hauptstadt Kabul beginnenden Beratungen der Loja Dschirga über eine neue Verfassung zu behindern. Die traditionelle Stammesversammlung befasst sich bereits seit dem 1. Dezember mit den Vorbereitungen der für Juni geplanten Präsidentschaftswahl. In Kabul gelten zum Schutz vor möglichen Anschlägen erhöhte Sicherheitsmaßnahmen.

Am Samstagnachmittag verschleppten bewaffnete Männer auf der Straße zwischen Kabul und Kandahar drei am Wiederaufbau der Strecke beteiligte indische Techniker. Der Vorfall ereignete sich nach Angaben westlicher Sicherheitskreise in der Nähe der Ortschaft Schah Joy in der südöstlichen Provinz Sabul.

Im November waren mindestens acht afghanische Zivilisten bei einem fünfstündigen Angriff der US-Luftwaffe auf ein Bergdorf in der nordöstlichen Provinz Nuristan getötet worden. Bei einem US-Bombenangriff auf mutmaßliche Taliban in der Provinz Sabul waren im September nach Angaben des afghanischen Gouverneuers außer zwei Taliban auch acht Nomaden ums Leben gekommen. Die US-Armee, die dies zunächst bestritt, hat mittlerweile eine Untersuchung eingeleitet.

Hingegen gab die US-Armee zu, bei einem Luftangriff mit einer lasergesteuerten 450-Kilogramm-Bombe in der östlichen Provinz Paktika im April statt feindlicher Kämpfer irrtümlich ein Haus getroffen und dabei elf Zivilisten getötet zu haben. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hatte die US-Armee daraufhin aufgefordert, „dringende Maßnahmen zu ergreifen, um die Wiederholung derartiger Tragödien in Afghanistan und in Irak zu vermeiden”. Im Juni 2002 waren bei einem irrtümlichen Bombardement einer Hochzeitsfeier in der zentralafghanischen Provinz Urusgan 48 Menschen getötet worden. Die Ergebnisse der von der US-Armee zu diesen und anderen Vorfällen eingeleiteten Untersuchungen sind der Öffentlichkeit bislang nicht zugänglich gemacht worden.

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