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Neujahrskonzert mit französischem Charme

Das 50. Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker brachte dank Georges Pretre am Pult eine musikalische Überraschung. Klassisch, nicht aufdringlich und mit einer Eleganz, die ältere Herren auszeichnet.

Es war eine gehörige Schlankheitskur, die Pretre den Philharmonikern verordnet hatte. Dass man etwa zu einem Marsch die Lust zum Tanzen verspürt, ist keine alltägliche Leistung. Und auch im Ton hat der Franzose die Ur-Österreicher geformt, dass sie kaum wiederzuerkennen waren. Nicht die schwebende Transzendenz, wie sie etwa Seiji Ozawa aus den Stücken von Strauß und Co. herausgeholt hatte, stellte sich ein, es war eine alte Schule, die Ruppigkeit als Unanständigkeit tadelt, die jedem im Publikum die Hand küsst. Das Orchester selbst schien seinen Dirigenten zu lieben, kaum Widerspenstigkeit setzte ein.

Den eigentlichen Höhepunkt neben den obligatorischen Zugaben gab es bereits vor der Pause: In der “Orpheus-Quadrille” zollte Johann Strauß Sohn seinem französischen Operetten-Gegenüber Jacques Offenbach Tribut, aus dem Kopf soll er die Themen nach einer Aufführung zu Papier gebracht haben und daraus diese Suite aus den bekanntesten Gassenhauern zusammengezimmert haben. Pretre warf die ganze Dekadenz mit Samthandschuhen ins Publikum, unwiderstehlich, verführerisch und tänzerisch. Französisch ging es auch beim Walzer “Paris” und beim “Versailler Galopp” zu. Ob die Philharmoniker beim kommenden Gastdirigenten Daniel Barenboim mit derart vielem Reverenzen an sein Heimatland aufwarten können, ist eher unwahrscheinlich.

Aber auch zutiefst österreichisch ging es zu, etwa als das Gespann Pretre-Philharmoniker die “Dorfschwalben aus Österreich” von Josef Strauß fliegen ließ oder sich bei der Laxenburger Polka vor Kaiserin Elisabeth von Österreich musikalisch verbeugte – oder das Fußballfieber angesichts der bevorstehenden EURO 2008 beschwor und zur Zugabe pfiff. Alles Ehrensache. Sollte der Musikverein übrigens doch noch Opfer einer freundlichen Übernahme durch einen russischen Oligarchen werden, könnte man auf den “Russischen Marsch” verweisen, dem aber direkt die Polka francaise “Die Pariserin” folgte.

Beim diesjährigen Ballett wurde viel dem Zufall überlassen, wie auch bei der Live-Regie durch Brian Large. Mitglieder der Ballettkompanie der Wiener Staatsoper und Volksoper tanzten durch die Wiener Albertina, “Freut Euch des Lebens” lautete die Huldigung an die Bildende Kunst. Für die “Tritsch Tratsch Polka” ging es dann auf dem Karlsplatz. Wer bei dieser Einlage schmerzlich die Damen vermisste, darf an die Besetzung der Philharmoniker selbst erinnert werden: Ein paar Frauen mehr als sonst hatten diesmal auf der Bühne Platz genommen. Gut Ding braucht hierorts eben noch mehr Weile.

Keine Frage, Pretre hat mit altem Charme frischen Wind in das Neujahrskonzert gebracht. “An der schönen blauen Donau” und der “Radetzky Marsch” konnten aber wieder beruhigen, noch dreht sich die Philharmoniker-Welt in dieselbe Richtung wie immer. Und auch der Ball wird wohl trotz des EM-Werbefilms “Austrian Kickoff”, der in der Pause zu sehen war, eher nicht die Richtung zugunsten der Österreicher ändern.

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