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Neues Ärzteteam für Mladic und Aussagen des Sohns

Ratko Mladics Sohn sagt nach einem Besuch im Gefängnis, dass sein Vater nichts mit den Massakern in Srebrenica zu tun hätte. Sein Anwalt fordert inzwischen ein neues Ärzteteam.

Der ehemalige Militärchef der bosnischen Serben, Ratko Mladic, hat seiner Familie versichert, dass er “mit Srebrenica nichts zu tun gehabt hat”. Das gab sein 41-jähriger Sohn Darko nach einem Besuch im Gefängnis des Belgrader Sondergerichts für Kriegsverbrechen am Wochenende bekannt. Ratko Mladic war am Donnerstag festgenommen worden; seine Überstellung an das Haager UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien (ICTY) soll diese Woche erfolgen. In Srebrenica wurde von bosnisch-serbischen Truppen im Juli 1995 das schwerste Kriegsverbrechen nach dem Zweiten Weltkrieg verübt. Nach der Einnahme der UNO-Schutzzone am 11. Juli wurden von serbischen Truppen vor den Augen niederländischer Blauhelme etwa 8.000 muslimische Männer und Knaben aussortiert und später ermordet. Von vielen Leichen fehlt weiterhin jede Spur. Andere waren in den vergangenen Jahren in zahlreichen Massengräbern in der weiteren Umgebung der Kleinstadt entdeckt worden.

“Er hat Frauen und Kinder gerettet”

“Er (Mladic) hat Frauen und Kinder gerettet. Sein Befehl war es, die Verwundeten, Frauen und Kinder zu evakuieren”, überbrachte Darko Mladic den Inhalt des Gesprächs mit seinem Vater den Medien. Keinen Aufschluss über die Geschehnisse in Srebrenica bieten auch die Tagebücher von Mladic, die im Februar des Vorjahres im Haus seiner Familie in Belgrad sichergestellt wurden. Nur neun Seiten sind den Ereignissen im Juli 1995 gewidmet. Mladic beschrieb lediglich die Treffen, welche er am 14. und 15. Juli mit dem damaligen serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic und Vertretern der internationalen Staatengemeinschaft in Bosnien, darunter auch der Vereinten Nationen, hatte. Zitiert wurden die Worte des UNPROFOR-Befehlshabers, General Rupert Smith, dass es Berichte über das “brutale Verhalten, Morde und Vergewaltigungen” in Srebrenica gebe. Mladic notierte auch sein Anliegen, “möglichst schnell dem UNHCR (UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge) und dem Internationalen Roten Kreuz den Zugang zu genehmigen”. Damit enden die Mladic-Notizen zu Srebrenica. Der Haager Angeklagte, der sich wegen Genozids in der ehemaligen UNO-Schutzzone und weiterer acht Gemeinden zu verteidigen haben wird, verlor kein weiteres Wort über das angerichtete Massaker. Srebrenica kam allerdings in seinen mehr als 3.000 Seiten umfassenden Notizen wiederholt ab Juni 1992 vor. Spekulationen, dass Aufzeichnungen zum Massaker vernichtet worden seien, haben sich bisher nicht erhärtet. Eine Antwort darauf wird womöglich Mladic selbst vor dem Haager Tribunal geben.

Sieben Offiziere verurteilt

Sieben bosnisch-serbische Offiziere, die an der Srebrenica-Operation direkt beteiligt waren, wurden im Juni 2010 vor dem UNO-Tribunal zu langen Haftstrafen verurteilt, zwei von ihnen erhielten lebenslang. Das Berufungsverfahren ist noch im Gange. Zuvor war der ehemalige Befehlshaber des bosnisch-serbischen Drina-Korps, Radislav Krstic, rechtskräftig zu 35 Jahren Haft verurteilt worden.

“Unabhängiges Ärzteteam”

Der Anwalt des Haager Angeklagten Ratko Mladic hat am Montag beim Belgrader Sondergericht für Kriegsverbrechen den Antrag auf Bildung eines “unabhängigen Ärzteteams” gestellt. Dieses solle den “wahren Gesundheitszustand” des Ex-Militärchefs der bosnischen Serben feststellen, erläuterte Milos Saljic seine Initiative. “Sein Gesundheitszustand ist alarmierend”, erklärte der Jurist. Auch glaube er nicht, dass Mladic den Prozessbeginn vor dem UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien (ICTY) erleben werde. Bisher hatte es geheißen, Mladic sei aus ärztlicher Sicht gesundheitlich prozessfähig. Die Berufung gegen die Gerichtsentscheidung, mit welcher die Überstellung Mladics an das UNO-Tribunal am Freitag genehmigt wurde, will der Anwalt am Nachmittag per Post zustellen. Vor drei Jahren hatten die Anwälte des ehemaligen bosnisch-serbischen Präsidenten Radovan Karadzic eine ähnliche Taktik angekündigt. Nach dem Ablauf der Berufungsfrist hatte sich herausgestellt, dass sie gegen die Gerichtsentscheidung gar nicht berufen hatten.

Mladic  “kommunikationsfähig”

Der Vize-Sonderstaatsanwalt Bruno Vekaric wiederholte am Montag, dass der am Donnerstag festgenommene Mladic bei der Anhörung am Freitag kommunikationsfähig gewirkt habe. Sein Zustand sei besser als einen Tag zuvor gewesen. Ein Ärzteteam hatte bestätigt, dass Mladic zwar an chronischen Erkrankungen leidet, dies aber seiner Auslieferung an das UNO-Kriegsverbrechertribunal nicht im Wege stehen würde. Er verstehe vollkommen, dass sich die Familie und der Anwalt zu einer Hinauszögerungstaktik entschlossen hätten, versicherte am Montag der Generaldirektor des Justizministeriums, Slobodan Homen. Die Belgrader Behörden hatten am Wochenende angedeutet, dass die Untersuchung von Mladic durch ein internationales Team von Ärzten auch im Gefängnis des Haager Tribunals erfolgen dürfte.

(Quelle: APA)

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