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Neuer Staatspräsident Iraks: Jalal Talabani

Die konstituierende Nationalversammlung hat am Mittwoch in Bagdad den Kurden-Führer Jalal Talabani zum irakischen Staatspräsidenten gewählt. Seine Gruppierung wird von den USA unterstützt.

Der bisherige Chef der von den USA unterstützten Patriotischen Union Kurdistans (PUK) wird Vorsitzender eines dreiköpfigen Präsidialrates, das den künftigen Regierungschef ernennen soll.

Nach wochenlangem Tauziehen hat das irakische Parlament in der Person von Jalal Talabani einen Vertreter der kurdischen Minderheit zum Staatsoberhaupt gewählt. Der glühende kurdische Nationalist und Chef der Patriotischen Union Kurdistans (PUK) wird damit Präsident ausgerechnet jenes Landes, das er über Jahrzehnte hinweg bekämpft hatte. Talabani übernimmt das Amt seines Todfeindes Saddam Hussein. Gemeinsam mit seinen Stellvertretern, dem Sunniten Ghazi al-Yawar und dem Schiiten Adil Abdul Mahdi, soll der ehemalige kurdische Rebellenführer an der Spitze des dreiköpfigen Präsidialrats eine Regierung ernennen.

Talabanis Nominierung ist das Ergebnis eines Deals der bisher benachteiligten Volksgruppen der Kurden und Schiiten, die bei der Wahl der konstituierenden Nationalversammlung Ende Jänner als große Sieger hervorgegangen waren. Als Präsident wird Talabani mehr Ehre zukommen als wirkliche politische Macht, denn die Verfassung bestimmt den Ministerpräsidenten und die Regierung als eigentliches Machtzentrum. Im Gegenzug für Talabanis Nominierung sicherten die Kurden der konservativen Schiitenallianz die Unterstützung bei der Wahl des Ministerpräsidenten zu.

Ein politischer Profi

Niemand im Irak zweifelt daran, dass der 1933 geborene Talabani ein politischer Profi ist. Seit Jahrzehnten ist er eine der bestimmenden Figuren in der Politik des Landes. Schon in jungen Jahren schloss er sich der Bewegung des legendären Kurdenführers Mustafa Barzani an, der als Vater des kurdischen Nationalismus gilt. Barzani wollte für die Kurden, die gegen ihren Willen von der britischen Mandatsmacht dem am Reißbrett entworfenen Vielvölkerstaat Irak zugeschlagen worden waren, eine Autonomieregelung aushandeln. Dies wurde von den jeweiligen Regierungen in Bagdad immer wieder abgelehnt.

1961 rief Barzani seine Anhänger zu den Waffen: Der kurdische Aufstand begann. Drei Jahre später überwarf sich der charismatische Talabani mit Barzani und gründete seine eigene Bewegung – die jahrzehntelange tragische Geschichte interner kurdischer Querelen begann. Mit seiner sozialistisch eingefärbten Rhetorik fand Talabani vor allem im städtischen Milieu Zulauf. Mit dem Chef der rivalisierenden Demokratischen Partei Kurdistans (KDP), Barzanis Sohn Massud, verband ihn eine innige Feindschaft. Diese überdauerte auch die Zeit größter Not: 1988 startete die Regierung von Saddam Hussein ihre berüchtigte „Operation Anfal“, bei der ganze Dörfer in Kurdistan dem Erdboden gleichgemacht wurden. Allein bei dem verheerenden Giftgasangriff auf die kurdische Ortschaft Halabja starben tausende Menschen.

Nach dem Golfkrieg 1991 konnte sich Talabani im Regieren üben: Mit Billigung der USA entstand im Norden des Irak eine de facto autonome kurdische Zone, in der die Bagdader Zentralregierung nichts zu sagen hatte. Bis heute kontrolliert die PUK die Provinz Suleimaniyah, die Barzani-Partei die Provinzen Dohuk und Arbil. Vor der Parlamentswahl schlossen sich die beiden Kontrahenten aus strategischen Gründen zusammen, weil eine gemeinsame Liste ihre Chancen verbesserte. Die Kurdenallianz zog als zweitstärkste Fraktion ins Parlament ein.

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