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Neue Vorstöße der israelischen Armee

Neue Vorstöße der israelischen Armee haben den mit den Palästinensern vereinbarten Teilrückzugsplan aus wiederbesetzten Autonomiegebieten gänzlich in Frage gestellt.

Beim israelischen Einmarsch in Khan Yunis im Gaza-Streifen wurde am Mittwoch ein Palästinenser getötet. Vier weitere Menschen wurden bei der Sprengung eines Gebäudes durch die israelische Armee verletzt. Der jüdische Siedlerrat von Hebron warnte die Regierung vor einem Abzug der Armee. Auch im israelischen Sicherheitskabinett wurde Kritik an dem Plan von Verteidigungsminister Benjamin Ben-Eliezer laut.

Infanterieeinheiten rückten unterstützt von mehr als zwanzig Panzern und Kampfhubschraubern am Morgen in Khan Yunis ein. Am Dienstag war die Armee bereits in die Flüchtlingslager von Tulkarem und Jenin einmarschiert. Neben Bethlehem, das am Dienstag unter palästinensische Sicherheitskontrolle gestellt worden war, sollten die Soldaten ursprünglich auch aus dem Gaza-Streifen abgezogen werden. Dort hätten die Palästinenser allerdings noch nicht ihre Verantwortung übernommen, erklärte eine israelische Armeesprecherin. Bedingung für den schrittweisen israelischen Rückzug aus den im Juni wieder besetzten Städten ist, dass antiisraelische Gewalt unterbunden wird.

Das israelische Sicherheitskabinett beriet unter Vorsitz von Ministerpräsident Ariel Sharon über den Rückzugsplan, den Verteidigungsminister Ben-Eliezer am Sonntag mit dem palästinensischen Innenminister Abdel Razzek Yahia vereinbart hatte. Sharon relativierte mittlerweile die getroffenen Vereinbarungen:
Israel habe bisher lediglich „ein paar Jeeps aus Bethlehem abgezogen“, wurde er im Rundfunk zitiert. Die Soldaten sind weiter an der Stadtgrenze stationiert. Die Nationalreligiöse Partei drohte mit ihrem Rückzug aus der Regierung und kritisierte die „Fortsetzung des Terrorismus“.

Der israelische General Moshe Klapinsky und der palästinensische Sicherheitschef General Abdel Razzek Majaida wollten laut israelischem Militärrundfunk dennoch über einen israelischen Abzug aus Hebron beraten. Die jüdischen Siedler warnten vor einer Übergabe der Stadt an die Palästinenser. Die 600 Siedler, die unter 120.000 Palästinensern in der Stadt leben, wären dann „den Terroristen ausgeliefert“.

Im Norden des Westjordanlandes nahm die israelische Armee zwei Palästinenser fest, die in mit Sprengstoff beladenen Autos unterwegs waren. Die Männer hätten Anschläge in Israel geplant, teilte die Armee mit. Außerdem seien drei Brüder von gesuchten Palästinensern festgenommen worden. Nach dem Tod des Bruders von PFLP-Chef Ahmed Saadat kündigte die radikale „Volksfront für die Befreiung Palästinas“ am Dienstagabend Vergeltung an. Israelische Elitesoldaten hatten Mohammed Saadat vor seinem Haus in Ramallah erschossen.

Das Sicherheitskabinett beschloss die Impfung von 15.000 Rettungskräften, Medizinern und Polizisten gegen Pocken. Für den Fall eines irakischen Raketenangriffs sollten die Impfungen demnächst auf weitere Bevölkerungskreise ausgedehnt werden, berichtete der Militärrundfunk. Ben-Eliezer bot den USA in einem Zeitungsinterview die Nutzung israelischer Militärstützpunkte für einen Angriff auf Irak an.

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