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Neue Streikwelle in Italien

Eine neue Streikwelle im Flug- und Nahverkehr löst Sorge in Italien aus, wo Arbeitskämpfe im öffentlichen Verkehrsbereich fast an der Tagesordnung sind.

Wegen eines achtstündigen Ausstandes des Personals der Fluggesellschaft Alitalia wird es am Montag zu erheblichen Problemen im italienischen Flugverkehr kommen. Alitalia bekundete die Streichung von über 300 Flügen, was rund 22.000 Passagiere betreffen wird. Der Streik ist von 10.00 bis 18.00 Uhr geplant.

Österreich ist von dem Ausstand ebenfalls betroffen. Zwei Flüge der Alitalia – aus Mailand mit ursprünglich geplanter Ankunft um 15.40 Uhr und aus Rom mit geplanter Ankunft um 14.45 Uhr in Schwechat – mussten für Montag gestrichen werden.

Verhandlungen über den Sanierungsplan der noch staatlichen Airline, die die Streichung von 2.700 Arbeitsplätzen angekündigt hat, sind in Rom ins Stocken geraten. Gegen den Sanierungsplan hatte es im vergangenen Monat mehrere Protestaktionen gegeben. Das römische Schatzministerium – und damit der Staat – ist noch Mehrheitsaktionär an der Fluggesellschaft, die in den kommenden Monaten privatisiert werden sollte. Bereits vor zehn Tagen hatte Alitalia wegen eines Fluglotsenstreiks über 300 Flüge streichen müssen.

Ein weiterer Protest im Flugbereich ist am 9. Februar zu erwarten. Die Alitalia-Piloten wollen 24 Stunden lang die Arbeit niederlegen. Am 20. Februar ist ein vierstündiger Streik der Fluglotsen von 12.00 bis 16.00 Uhr vorgesehen.

Die Italiener bangen auch um den neuen Streik im Nahverkehr am 26. Jänner. Der Arbeitskampf wurde von den autonomen Gewerkschaften Cobas ausgerufen. Rund 100.000 Angestellte lokaler Verkehrsbetriebe wollen in ganz Italien die Arbeit niederlegen, um gegen eine als unzulänglich bezeichnete Gehaltserhöhung zu protestieren. Die konföderierten Gewerkschaften und die Regierung Berlusconi hatten sich vor Weihnachten nach monatelangem Streit auf Gehaltserhöhungen von 81 Euro pro Monat und eine Einmalzahlung von knapp 970 Euro geeinigt, was von den Arbeitnehmern als unannehmbar bezeichnet wurde.

Die Arbeitnehmer der Verkehrsbetriebe beschlossen daher, den Protest fortzusetzen. Anfang dieser Woche hatte ein „wilder” Streik im Nahverkehr Mailand zwei Tage lang lahm gelegt. Die Bediensteten klagen über „miserable Löhne”. „Mit 900 Euro im Monat kann man nicht leben”, betonte ein Sprecher der autonomen Gewerkschaftsorganisation Cobas. Arbeitsminister Roberto Maroni rief die Gewerkschaften der „Rebellen” zu einem Treffen am kommenden Dienstag in Rom auf. Er hofft, den Streik am 26. Jänner abzuwenden, der chaotische Auswirkungen in den italienischen Städten hätte.

Der Präsident der italienischen Abgeordnetenkammer, Pier Ferdinando Casini, protestierte wegen der unangemeldeten Streikaktionen im Nahverkehr, die seit Anfang Dezember Italien schwer unter Druck gesetzt haben . „Die wilden Streiks, die Millionen von Italienern das Leben schwer machen, sind nicht mehr annehmbar. Das Streikgesetz muss respektiert werden”, sagte Casini. Die Schäden der wilden Streiks seien für Italien, seine Bürger und sein Image enorm, warnte der Kammerpräsident.

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