Neue Saison im Museum Liaunig startet mit "alten Freunden"

Ein Privatmuseum schließt demnächst, ein anderes öffnet in Kürze wieder: Während das Essl Museum in Klosterneuburg ab 1. Juli nur noch als Depot fungieren soll, startet das Museum Liaunig im Südkärntner Ort Neuhaus/Suha am 1. Mai die Saison 2016. Es locken nicht nur einige neue Ausstellungen, sondern erstmals auch ein Skulpturengarten.


Rund 1,5 Millionen Euro jährlich gibt die das 2008 eröffnete und mittlerweile dank seiner markanten querkraft-Architektur unter Denkmalschutz stehende Museum Liaunig betreibende Stiftung für Neuankäufe aus. An die 3.500 Objekte erfasst die Sammlung Liaunig bereits. “Man kann das Sammeln auch als Veranlagung sehen”, meinte der Sammler und Unternehmer Herbert Liaunig heute, Mittwoch, bei einem Pressegespräch in Wien.

Selbst wenn sich die wirtschaftliche Lage für sein Unternehmen wenden sollte, wofür er keine Anzeichen sieht (“Wir sind breiter aufgestellt als Essl und haben vor allem keine Schulden. Uns können die Banken keinen Hahn abdrehen.”), sähe Liaunig den Betrieb seines Museum nicht gefährdet: Das Museum benötige derzeit rund 250.000 Euro Betriebszuschuss jährlich (laut Liaunig benötigte das Essl Museum das Zehnfache), “es kann sich aber auch selbst erhalten”.

Das Essl Museum sei “ein sehr ehrgeizig geführtes Museum” gewesen, mit einem deutlich größeren Ausstellungsprogramm und rund viermal so viel Personal als das Museum Liaunig. Dass Karlheinz Essl nun vor den Trümmern seiner Laufbahn stehe, “finde ich ganz besonders schrecklich. Ich bin aber optimistisch, dass das Werk überlebt. Die vielen Ausstellungen und ihre Kataloge werden jedenfalls nicht vergehen”, sagte Liaunig.

Die Hauptausstellung im Museum Liaunig, das im Vorjahr in den sechs Monaten zwischen Anfang Mai und Ende Oktober von knapp 11.000 Kunstinteressierten besucht wurde (“davon 10.400 zahlende”) gilt unter dem Titel “Augen-Blicke” Neuerwerbungen vor allem der vergangenen drei Jahre. Peter Baum, der schon die beiden 2008 und 2015 erschienenen Sammlungs-Kataloge geschrieben hat, hat dafür 180 Werke aus Malerei, Plastik, Objektkunst und Grafik von 64 Künstlern zusammengestellt.

“Aus dem Sammlungsfundus kann man unendlich viele Ausstellungen machen”, schwärmte Baum, der langjährige Leiter der Neuen Galerie der Stadt Linz. Der Schwerpunkt liegt auf jüngerer österreichischer Kunst, die Künstlerliste reicht von Marc Adrian und Christian Ludwig Attersee bis zu Max Weiler, Fritz Wotruba und Erwin Wurm. “In der Sammlung Essl waren viele Arbeiten von wenigen Künstlern, bei uns gibt es sehr viele Künstler mit wenigen Arbeiten”, zog Liauinig einen Vergleich.

In dem im Vorjahr hinzugekommenen Sonderausstellungsraum zeigt Liaunig “Alte Freunde”, denen er seit Beginn seiner Sammlungstätigkeit vor über 50 Jahren verbunden ist – zunächst beginnend mit Drago j. Prelog, den er bereits beim Studium kennenlernte. Im Juli und August folgt Hans Staudacher, ehe ab September Josef Mikl die Saison beschließt.

Neu ist ein Skulpturenpark, dessen Errichtung “mit unglaublichen Schwierigkeiten verbunden” sei, wie Liaunig stöhnte. Hier sollen rund 20 wetterfeste Skulpturen gezeigt werden, da das runde Skulpturendepot sich für größere Ausstellungen als zu klein erwiesen habe.

Während im Untergeschoß die Präsentationen “Gläser von 1500-1850” und “Portraitminiaturen von 1590-1890” unverändert bleiben, wurde die Gold-Ausstellung abgebaut und eingelagert. Nun zeigt Liaunigs Sohn Peter hier einen Teil seiner Sammlung afrikanischer Glasperlenkunst. “Lange Zeit ist diese Art afrikanische Kunst nicht geschätzt worden”, erzählte Peter Liaunig von seiner Spezialisierung auf eine Nische, in der dennoch kaum mehr in Afrika vor Ort, sondern hauptsächlich über europäische und amerikanische Händler gekauft werden kann. Die zum Großteil aus den Niederlanden und Portugal nach Afrika verschifften Perlen seien zunächst zwar hoch geschätzte Wertgegenstände gewesen, im Laufe der Zeit jedoch einer Inflation unterlegen: “Anfangs bekam man für 40 Perlen einen Sklaven, später dann waren es vielleicht 300.000 Perlen.”

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