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Neue Qualität der Anschläge in Afghanistan

Die deutsche Bundeswehr geht nach den jüngsten Anschlägen in Afghanistan von einer neuen Qualität der Taliban-Angriffe aus. Der Angriff vom Mittwoch, bei dem ein deutscher Soldat getötet worden war, sei militärisch geplant gewesen.

Bei Anschlägen auf zwei Patrouillen nahe des Bundeswehrcamps in Kunduz waren am Mittwoch auch neun Soldaten verletzt worden. Verteidigungsminister Franz Josef Jung verurteilte die Angriffe, die die Gefährlichkeit des Afghanistan-Einsatzes deutlich machten. Nach Angaben des Ministeriums sind seit dem Beginn des Einsatzes 32 deutsche Soldaten ums Leben gekommen.

Deutschland ist nach den USA und Großbritannien drittgrößter Truppensteller in Afghanistan und mit rund 3700 Soldaten an der NATO-geführten ISAF-Truppe beteiligt. Das deutsche Afghanistan-Mandat erlaubt bis zu 4500 Soldaten. Von den 600 zusätzlich für die Sicherung der afghanischen Präsidentenwahl im August vorgesehenen Soldaten sollen etwa 400 längerfristig in Afghanistan bleiben. Die Sicherheitslage im Raum Kunduz, wo die Deutschen ihren Schwerpunkt haben, hat sich seit Beginn des Einsatzes kontinuierlich verschlechtert. Der frühere deutsche ISAF-Stabschef General Bruno Kasdorf hatte erklärt, es bestehe “ganz konkret” die Gefahr, dass die afghanische Bevölkerung zu den Taliban überlaufe, deren fundamentalistisches Regime 2001 durch eine US-geführte Militärinvasion gestürzt worden war.

Die Anschläge hatten einen nicht angekündigten Besuch von Außenminister und Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier in Afghanistan überschattet. Es gebe keine Erkenntnisse, dass ein Zusammenhang zwischen dem Anschlag und dem Besuch des SPD-Kanzlerkandidaten bestehe, sagten General Schneiderhan und Jung. Auch bei einem unangekündigten Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel vor drei Wochen in Kunduz war das Bundeswehr-Feldlager mit Raketen beschossen worden. Verletzt wurde dabei niemand.

Jung nannte die Anschläge “hinterhältig und verbrecherisch”; der Einsatz werde aber unverändert fortgesetzt. Dies wäre man “auch unseren gefallenen und verwundeten Soldaten schuldig.” Die Taliban seien ein “vernetzter intelligenter Gegner”, der jede Möglichkeit zur medialen Selbstdarstellung nutze. Die insgesamt neun verletzten Soldaten sind nach Auskunft von Generalinspekteur Schneiderhan alle nur leicht verwundet worden. Es handle sich zumeist um Brandverletzungen und Schockzustände.

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