Neue Herausforderung für Jauch

Günther Jauchs geplante ARD-Nachfolgesendung von "Sabine Christiansen" ab September 2007 ist für ihn eine neue journalistische Herausforderung.

Günther Jauch erscheint wie ein lebender Widerspruch als unauffälligster und zugleich größter derzeitiger TV-Star des deutschen Fernsehens. Doch nach Einschätzung des Medienpsychologen Jo Groebel folgt das eine aus dem anderen: Gerade weil sich Jauch nicht besonders heraushebe, biete er Zuschauern Raum für ihre Vorstellungen von ihm als liebem Bruder, Freund, Schwiegersohn, Vater oder auch erotischem Gefährten. Am Donnerstag, 13. Juli, wird Jauch 50 Jahre alt.

Kurz zuvor hat er privat mit seiner Heirat und beruflich grundlegende Entscheidungen getroffen. Seine geplante ARD-Nachfolgesendung von „Sabine Christiansen“ ab September 2007 ist für ihn eine neue journalistische Herausforderung. Eine Sendung zum politischen Tagesgeschehen hat er noch nicht moderiert.

Das erste Interesse des in Berlin aufgewachsenen Journalistensohns galt dem Fußball. Mit seiner Bildersammlung von Fußballspielern gewann der Zwölfjährige einen Wettbewerb und durfte bei der Funkausstellung in Berlin bei Dieter Kürten im ZDF ein Fußballspiel aus dem Stegreif kommentieren. Auf die Frage des Moderators, ob er Sportreporter werden möchte, antwortete Günther Jauch mit einem klaren Nein. 18 Jahre später, 1986, sagte er Ja, als Kürten ihm die Moderation des „Aktuellen Sportstudios“ anbot. Harry Valérien riet ihm: „Schauen Sie bloß nicht auf mich. Gehen Sie Ihren eigenen Weg.“

Die ersten Sportberichte lieferte Jauch nach dem Abitur als freier Radiomitarbeiter in Berlin. An der Deutschen Journalistenschule in München offenbarten sich bereits seine Unterhaltungsqualitäten: „Er hat beim Abschlussfilm seiner Klasse die Moderation übernommen“, erzählte Schulleiterin Mercedes Riederer später. „Das war nicht bierernst, das ging schon in Richtung Infotainment.“ Nebenher arbeitete er für die Sportredaktion des Bayerischen Rundfunks. Sein Studium – Jus, Politik und Neuere Geschichte – brach er ab und arbeitete als Hörfunk-Korrespondent des BR in Bonn.

Der Münchner Sender spannte ihn im Juli 1985 mit dem sechs Jahre älteren populären Musikmoderator Thomas Gottschalk für die „B-3-Radioshow“ zusammen. Als Moderator der Jugendsendung „Live aus dem Alabama“ wurde Jauch im BR-Fernsehen bekannt.

Danach ging es mit seiner Karriere zweigleisig und gleichzeitig steil bergauf – er wurde Moderator und 1988 Leiter des „Aktuellen Sportstudios“ und wurde als Unterhaltungsstar mit seiner Show „Na siehste“ gefeiert. Das ZDF behielt ihn bis 1996 als Moderator der Jahresrückblick-Sendung „Menschen“ und bis 1998 beim „Aktuellen Sportstudio“.

Jauch hatte sich später ganz für RTL entschieden, bei dem er sich erstmals 1989 als Leiter von „stern tv“ verpflichtet hatte. Er präsentierte beim Privatsender die Champions League und den Jahresrückblick. Sein größter Erfolg wurde mit bis zu 13,5 Millionen Zuschauern die am 3. September 1999 gestartete Quiz-Show „Wer wird Millionär?“. Rudi Carrell lobte: „Das ist für mich das schönste Fernsehen, das es gibt. Jauch macht das einfach brillant.“

Die Zuschauer wählten Jauch bei repräsentativen Umfragen seit 2000 zum beliebtesten TV-Star, zum glaubwürdigsten, sympathischsten und sogar schönsten und erotischsten Moderator. Er siegte auch als Favorit für die Nachfolge von Thomas Gottschalk bei „Wetten, dass…?“ und würde bei einer Kandidatur für ein hohes politisches Amt an erster Stelle der deutschen Prominenz gewählt.

Der Medienwissenschaftler Groebel erklärt diese Begeisterung damit, dass die Dauerpräsenz im Fernsehen eine Eigendynamik entwickele. Der Moderator wirke „wie ein Onkel, der immer da ist“, in Zeiten von „Puzzle-Familien“ ein Anker. „Anders als ein realer Verwandter kann er nie enttäuschen.“ Bei Jauch komme hinzu, dass er ein „zweifellos sehr starkes integratives Moderationstalent“ habe. Er habe bewiesen, dass er auch ein kompetenter politischer Moderator sei, sagte Groebel. Und so werde Jauch die neue Sendung im Ersten Programm „sicherlich gut hinkriegen.“

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