Neue Elternrolle in der Corona-Krise

Eltern sind mehr denn je gefordert
Eltern sind mehr denn je gefordert ©Unsplash
Die Corona-Krise stellt die gesamte Gesellschaft vor Herausforderungen – politisch, wirtschaftlich, gesundheitlich, organisatorisch und psychisch.

Von Veronika Burtscher-Kiene (EFZ - Lebens-& Sozialberatung)

Die Herausforderungen sind dabei so vielschichtig, dass man sich als einzelne Person immer nur Schritt für Schritt den einzelnen Punkten widmen kann. Das gilt auch für unsere Rolle als Eltern. Eines gleich vorweg: kein Mensch ist perfekt und wir tun alle gut daran, uns selbst nicht allzu sehr unter Druck zu setzen. Es geht vielmehr darum, jetzt immer weiter dazu zu lernen und uns langsam an unsere neuen Aufgaben heranzutasten. Besonders passend ist in diesem Zusammenhang ein bekanntes Zitat des im vergangenen Jahr verstorbenen dänischen Familientherapeuten Jesper Juul, der meinte: „Die besten Eltern, die ich kenne, machen 20 Fehler pro Tag.“

Doch wie verändert sich die Eltern-Rolle in solchen Krisenzeiten?

Mit der notwendigen Schließung von Schulen und Kindergärten und dem Aussprechen der Bitte, die Kinder möglichst zu Hause zu betreuen, wurde der Alltag von Familien völlig durcheinandergewirbelt. Eingespielte Rhythmen, Dinge, die zuvor genau durchgeplant und organisiert wurden, gelten derzeit nicht mehr.

Kinder verdienen Antworten

„Als Erwachsene können wir miteinander sprechen und den Dingen auf den Grund gehen. Kinder sind auf unsere Empathie und unsere Bereitschaft angewiesen, wirklich verstehen zu wollen, was in ihnen vorgeht“. Genau diese Aussage – ebenfalls von Juul – kann uns leiten, wenn wir uns in der Kommunikation mit unserem Nachwuchs Schritt für Schritt an das aktuelle Weltgeschehen herantasten. Zunächst gilt es, den Kindern möglichst verständlich zu erklären, was in der Welt gerade passiert. Das ist nicht einfach, da wir trotz unserer Möglichkeit, die richtigen Fragen zu stellen, selbst nicht so ganz verstehen, was passiert. Dennoch brauchen Kinder eine Erklärung, die altersentsprechend, vor allem auch in der Sprache, auf mögliche Fragen eingeht und diese vielleicht schon vorwegnimmt. Die zitierte Empathie hilft uns dabei zu erkennen, ob die Kinder noch mehr
Informationen aufnehmen können/wollen oder ob ein Erklärungsstopp notwendig ist und dann vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt weitergemacht wird.

Warum ist die Schule geschlossen? Warum darf ich meine Freunde nicht besuchen? Warum gehen wir am Wochenende nicht in den Zoo? Die Veränderungen der kindlichen Lebenswelt ist genauso immens wie die unsere – aber wir haben die Chance, aus dieser Veränderung etwas Gutes zu machen.

Schulschließungen machen Eltern zu Lehrern

In Krisen weiß niemand, was auf die Betroffenen zukommt. Das kann sich von Tag zu Tag verändern. So hat auch niemand die Eltern darauf vorbereiten können, welche Konsequenzen Schulschließungen für sie haben werden: nämlich in erster Linie jene, dass sich deren Erziehungsauftrag schlagartig um eine ganz wesentliche Aufgabe erweitert:

Anfang März kamen die Kinder, deren Unterricht noch nicht auf e-Learning umgestellt wurde – also hauptsächlich die Volkschulkinder – mit einem großen Sack voller Lernunterlagen und einem Lehrplan nach Hause. Das ist für alle Beteiligten eine neue Situation. Denn es ist tatsächlich ein Unterschied, ob man bei seinem Kind die Hausaufgaben begleitet oder tatsächlich mehrere Stunden Lehrplanstoff erarbeiten muss.

Als hilfreich stellt sich dabei heraus, mit den Kindern gleich zu Beginn zu besprechen, wann „Schule“ gemacht wird. Günstig ist hier der Vormittag, da dies gewohnt ist und dann der restliche Tag zur freien Verfügung steht. Der Unterricht beinhaltet natürlich ein gewisses Konfliktpotential und beide Seiten sollten sich davor auf diese Situation einstellen. Auch Kinder dürfen wissen, dass momentan zwar eine Ausnahmesituation herrscht, aber dass nicht im eigentlichen Sinn Ferien sind. Auch hier ist offene Kommunikation und Empathie ein zentraler Punkt, sodass bereits die Grundeinstellung passt.

Struktur hält den Laden am Laufen

Auch wenn die Herausforderung sicher da ist, so birgt das „Home-Schooling“ für die Kinder eben auch die Chance, dass der Tag eine gewisse Struktur und Fülle erhält. So verlockend es anfangs klingen mag, dass die Schule ausfällt, so wichtig ist es dennoch, einen Tagesrhythmus zu schaffen.

Wir leisten Großartiges!

Mein Appell an uns Eltern: Seien wir uns bewusst, dass wir in einer außergewöhnlichen Zeit leben, die das gewohnte Leben auf den Kopf stellt. Dass es aber gerade in dieser Zeit für unsere Kinder wichtig ist, Stabilität zu Hause zu erleben.

Gleichzeitig dürfen wir uns vor Augen führen, dass wir derzeit Großartiges leisten. Wir alle meistern eine Aufgabe, die uns immer wieder auch an unsere Grenzen führen wird und daher ist es wichtig, je nach Möglichkeit, Auszeiten zu ermöglichen, um dann wieder positiv aufeinander zugehen zu können. Wie bei allem Neuen können wir uns auch hier ruhig die Zeit nehmen, das Neue kennen zu lernen und uns darauf einzustellen. Auch wenn das bedeutet, dass wir hie und da noch ein wenig nachjustieren müssen. Denn wie heißt es so schön: es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen!

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