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Neapel: Bereits 108 Tote bei Mafiakrieg

Ein Opfer des Mafiakrieges in Neapel saß in der Pizzeria „Pellone“ in der Via Nazionale, mitten in der Stadt. Der 51-Jährige hatte sich gerade eine Margherita und ein Bier bestellt, da trat der Killer auf ihn zu.

Blitzschnell und professionell tötete er den Vorbestraften mit einem Genickschuss, eiskalt und unerkannt machte er sich davon. „Blutige Abrechnung der Camorra-Clans“, werden solche Morde in Neapel genannt.

Seit Monaten tobt in der Stadt am Vesuv ein Bandenkrieg wie seit Jahrzehnten nicht mehr. 108 Menschen starben seit Jahresbeginn eines „gewaltsamen Todes“, Polizei und Stadtverwaltung sind machtlos, die Bürger verängstigt, die Regierung in Rom ratlos. „Krieg wie in Bagdad und Beirut“, meinte der Sprecher im italienischen Fernsehen am Montagmorgen – nachdem in der Nacht eine Gruppe von Mafiosi wieder mal Schüsse auf einen Carabiniere abgegeben hat. Schon wird der Ruf nach Einsatz des Militärs laut.

Kaum einen Tag nach dem Mord in der Pizzeria schlägt die Camorra, die Mafia in Neapel, erneut zu, diesmal in Torre Annunziata auf halbem Wege nach Pompeji. Hier setzen die „Paten“ eine andere Strategie ein: Die Opfer fahren ahnungslos im Auto, als sich die Killer per Motorrad nähern. Mit Maschinenpistolen eröffnen sie das Feuer, die beiden 25 und 39 Jahre alten Insassen werden von Schüssen durchsiebt. Das Auto rast führungslos knapp 100 Meter weiter, bevor es gegen eine Mauer prallt. Wieder heißt es: Machtkampf der Clans.

„Wir müssen diesen absurden Krieg beenden“, sagt Neapels Bürgermeisterin Rosa Russo Jervolino fast flehentlich. Aber wie? Schon heute sind 13.000 Polizisten in Neapel stationiert, mehr als in jeder anderen italienischen Stadt. Genutzt hat das wenig. Jüngst regte sich ein Neapolitaner darüber auf, warum die Behörden denn das Gebäude des gefürchteten Camorra-Clans Di Lauro nicht beschlagnahmen – obwohl es in Sichtweite einer Polizeistation steht. „Die Camorra gehört zum DNA-Erbgut der Stadt“, empört sich der Mann.

Regelrechte „staatsfreie Zonen“ entwickelten sich, in denen die Camorra das Sagen hat und Polizisten unter Feuer geraten. Vor ein paar Tagen wurden vier Carabinieri in einen Hinterhalt gelockt und beschossen. Später meldete sich ein 19-Jähriger bei der Polizei. Er sei ein „Soldat“ des Bosses Paolo Di Lauro, genannt „der Millionär“, und er habe gedacht, die Carabinieri gehörten zu einer verfeindeten Gang. Ob er denn immer mit einer Maschinenpistole herumlaufe, wollten die Beamten wissen. „In unserem Viertel gibt’s ’ne Menge schlimmer Leute, da muss man sich verteidigen.“

Experten meinen, der wahre Grund des Tötens sei das „Machtvakuum“ in der Stadt. Irgendwie sei die Hierarchie unter den rund 20 verschiedenen Camorra-Gangs ins Rutschen geraten. Angeblich hat einer der großen „Paten“ die Führung zu früh an seinen Sohn abgeben wollen, da hätten die Rivalen die Gunst der Stunde zum Angriff genutzt. „Es handelt sich hier nicht um Vendetta, es geht nicht um Ehre, sondern einzig und allein um Machtgewinn“, sagt der Experte Erri De Luca. Die Spirale der Gewalt wird „enden, sobald die Vorherrschaft einer neuen Macht anerkannt ist“. Mit neuer Macht ist nicht der Staat gemeint, sondern ein Mafia-Clan.

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