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"Nazi-Kriegsverbrecher" in Klagenfurter Fanzone

Einer der meistgesuchten mutmaßlichen Nazi-Kriegsverbrecher soll die Fanzone in Klagenfurt besucht haben, um gemeinsam mit den kroatischen Fans zu feiern.

Der 95-jährige Milivoj Asner lebt seit Jahren in der Kärntner Hauptstadt, seine Wohnung befindet sich nur wenige Schritte von der Fanzone entfernt. Eine Auslieferung an Kroatien ist bisher aus gesundheitlichen Gründen abgelehnt worden.

Manfred Herrnhofer, Sprecher des Landesgerichts Klagenfurt, sagte gegenüber der APA, dass Asner nicht abgeschoben werden kann, da er “schwerst dement” und weder vernehmungs- noch prozessfähig sei. Ein etwaiger Besuch in der Fanzone sei aber nicht ausgeschlossen. Auch der Sprecher des Justizministeriums, Thomas Geiblinger, sagte der APA, dass Asner zwei psychiatrische Gutachten vorgelegt habe, die ihm Verhandlungs- und Vernehmungsunfähigkeit bescheinigten. “Uns sind die Hände gebunden”, sagte Geiblinger.

Die Klagenfurter Polizei konnte auf APA-Anfrage nicht bestätigen, dass Asner tatsächlich feiernd mit den kroatischen Fans gesehen worden ist. “Wir haben diese Information nur aus den Medien”, so ein Sprecher. Die britische Boulevardzeitung “The Sun” berichtete unter dem Titel “Wir fanden einen gesuchten Nazi beim Fußball” ausführlich über den Stadtspaziergang Asners. Der 95-Jährige sei rund eine Meile (1,61 km) ohne Stock seelenruhig durch die Innenstadt spaziert, heißt es in dem Artikel. Auf Fotos, auf denen er einen rüstigen Eindruck macht, ist Asner Arm in Arm mit einer Frau gehend und in einem Cafe sitzend zu sehen.

Auf der vom Simon-Wiesenthal-Zentrum veröffentlichten aktuellen Liste der meistgesuchten mutmaßlichen Nazi-Kriegsverbrecher nimmt Asner den vierten Platz ein. Er soll als Polizist des faschistischen Ustascha-Regimes in Kroatien für Verbrechen an der Zivilbevölkerung, Deportationen in Konzentrationslager sowie Raub und Vertreibung während des Zweiten Weltkriegs verantwortlich gewesen sein. Opfer damals waren vor allem Juden, Serben und Roma. Asner war damals Polizeichef von Pozega. Nach der kommunistischen Machtübernahme in Jugoslawien flüchtete Asner nach Österreich und wurde 1946 eingebürgert. 1991 kehrte er wieder nach Kroatien zurück, nachdem das Land die Unabhängigkeit erlangt hatte. Als die Staatsanwaltschaft in Pozega Ermittlungen gegen ihn aufnahm, floh der mutmaßliche Kriegsverbrecher erneut nach Österreich und lebt seither in Klagenfurt.

Befragt von der “Sun”, habe Asner alle Vorwürfe abgestritten, heißt es in dem Artikel. “Das ist doch lächerlich. Ich war nur ein Beamter im Justizministerium, ein Rechtsanwalt. Ich habe niemals jemandem etwas Böses angetan”, wurde Asner zitiert. Die Zeitung hörte sich auch bei den Nachbarn Asners in Klagenfurt um. Einer habe “geprahlt”, dass ihm gegenüber ein “SS-Mann” wohne.

“Österreich hatte lange den Ruf, ein Paradies für Kriegsverbrecher zu sein, und jetzt wurden sie auf frischer Tat ertappt”, wird der Chef des Wiesenthal-Zentrums, Ephraim Zuroff von der britischen Zeitung zitiert. Wenn jemand gesund genug sei, ohne Hilfe herumzuspazieren, “dann sollte er auch gesund genug sein, sich für seine Vergangenheit zu verantworten”, forderte Zuroff eine Auslieferung Asners an Kroatien.

Der “Sun”-Artikel erregte auch in Kroatien Aufsehen. “Die Fotos von den Klagenfurter Straßen werfen ein neues Licht auf die Entscheidung der österreichischen Behörden, dass Asner wegen seines angeschlagenen Gesundheitszustands nicht verhandlungsfähig ist”, schrieb die Zeitung “Jutarnji list”.

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