AA

NATO beginnt "Frühjahrsoffensive"

Die NATO-geführte Internationale Schutztruppe ISAF hat am Dienstag ihre Frühjahrsoffensive gegen die radikal-islamischen Taliban im umkämpften Süden Afghanistans begonnen.

Die ISAF teilte mit, die ersten Kräfte der „Operation Achilles“ hätten gegen 05.00 Uhr in der Provinz Helmand Stellung bezogen. Die Taliban hatten ihrerseits eine Frühjahrsoffensive gegen die ausländischen Truppen im Land und eine Welle von Selbstmordanschlägen angekündigt. In der an der Grenze zu Pakistan gelegenen Stadt Jalalabad protestierten unterdessen hunderte Menschen wegen der Tötung mehrerer Zivilisten durch US-Soldaten am vergangenen Sonntag.

Auf dem Höhepunkt der NATO-Offensive werde die zeitlich unbefristete Operation mehr als 4.500 ISAF-Soldaten und knapp 1.000 afghanische Sicherheitskräfte umfassen, hieß es. Schon kurz nach dem Auftakt forderte sie ein erstes Opfer. Zur Nationalität des toten Soldaten und zum Ort der Kämpfe machte die NATO keine Angaben.

ISAF-Regionalkommandant Generalmajor Ton van Loon sagte, die „Operation Achilles“ sei auf Bitten der afghanischen Regierung begonnen worden und solle zunächst Sicherheit in den Norden von Helmand bringen. Man werde sich zwar zunächst auf eine Verbesserung der Sicherheitslage konzentrieren. Übergeordnetes Ziel sei aber, die afghanischen Regierung dazu zu befähigen, mit dem Wiederaufbau und der wirtschaftlichen Entwicklung in der Region zu beginnen. Bisher kontrollieren die Taliban und Drogenhändler die meisten Gebiete in Nordhelmand.

Taliban-Seite gesperrt

Die Internetseite der Taliban wurde mit Beginn der NATO-Offensive vom Internetprovider der Rebellen in Pakistan gesperrt. Besucher der Seite „Stimme des Jihad“ wurden am Dienstag auf eine Internetseite umgeleitet, die mitteilte, dass das Kundenkonto ausgesetzt worden sei. Einer der möglichen Gründe für die Sperre sei die Verbreitung illegaler Inhalte, hieß es. Auf www.alemarah.org hatten die Rebellen ihre Propaganda verbreitet und sich zu Anschlägen bekannt.

Nach dem Tod mehrerer Zivilisten in Kämpfen der US-geführten Koalitionstruppen (Operation Enduring Freedom) in Afghanistan demonstrierten rund tausend Menschen gegen die ausländische Militärpräsenz. Vor einem Universitätsgebäude der ostafghanischen Stadt Jalalabad versammelten sich vornehmlich Studenten mit Transparenten wie „Tod den Koalitionstruppen“. In der Nähe von Jalalabad waren am Sonntag nach Angaben der Regierung in Kabul zehn Zivilisten ums Leben gekommen, als es nach einem Selbstmordanschlag auf einen Konvoi von US-Soldaten zu einem Schusswechsel kam. Die US-Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) forderte eine rückhaltlose Aufklärung des Hergangs der Ereignisse. Reporter ohne Grenzen forderte in einer Aussendung von der Armee der Vereinigten Staaten eine Erklärung „zur Zensur und Bedrohung von afghanischen Journalisten“, die über die Schießereien berichten wollten. Ausrüstung sei von einem Soldaten konfisziert und Aufnahmen gelöscht worden.

Wie das afghanische Innenministerium am Dienstag unter Berufung auf die Koalitionstruppen mitteilte, starben in der nordafghanischen Provinz Kapisa bei einem Bombenangriff der Koalitionstruppen am Sonntag neun Zivilisten, zumeist Frauen und Kinder, sowie drei mutmaßliche Aufständische. Präsident Hamid Karzai kündigte eine Untersuchung der Vorfälle an. Der stellvertretende Gouverneur von Kapisa, Sayed Mohammad Dawood Hashimi, rechtfertigte den NATO-Angriff: In dem Haus habe ein bekannter Taliban-Kämpfer gewohnt, der für Raketenangriffe verantwortlich sei.

Die 2001 gestürzten radikal-islamischen Taliban haben laut eigenen Angaben einen Briten und zwei Einheimische in Helmand entführt. Einige Medien berichteten, bei den am Montag Entführten handle es sich um Journalisten.

Derzeit sind rund 35.000 ISAF-Soldaten und 14.000 Soldaten der US-geführten Koalitionstruppen in Afghanistan. Im Süden sind vor allem Amerikaner, Briten, Kanadier und Niederländer stationiert. Im vergangenen Jahr kamen die meisten Menschen seit dem Sturz der Taliban bei Gewalttaten vor allem im Süden des Landes um Leben – mehr als 4.000 Menschen wurden getötet.

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Welt
  • NATO beginnt "Frühjahrsoffensive"
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen