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NASA im Aufwind

In der neu eröffneten riesigen Zweigstelle des Raumfahrtmuseums von Washington, dem „Udvar-Hazy Center“, können Besucher seit kurzem das Shuttle „Enterprise“ bestaunen.

Wenn es nach den Plänen von US- Präsident George W. Bush geht, sollen die nach dem Absturz der „Columbia“ vor einem Jahr verbliebenen drei Fähren bald folgen.

Doch die Raumfahrtbehörde NASA, die nach dem Unglück unter Schock stand, steht der für 2010 angepeilten Pensionierung ihrer ehemaligen Paradestücke plötzlich erstaunlich gelassen gegenüber. Grund dafür ist die neue Initiative von Präsident Bush, der zu Beginn seiner Amtszeit eher Einsparungen im Raumfahrtbereich favorisierte und nun ein ehrgeiziges Programm verkündete, das die Amerikaner in den kommenden Jahrzehnten zum Mond und von dort sogar zum Mars bringen soll.

Sollte der Kongress das bisher auf mindestens 170 Milliarden Dollar (134 Milliarden Euro) geschätzte Programm bewilligen, wäre die Zukunft der NASA gesichert. Dann hätte die Behörde auf Jahrzehnte mit der Entwicklung neuer Raumschiffe, Mondstationen oder der Marserkundung zu tun und könnte den Verlust ihrer drei Shuttles „Endeavour“, „Atlantis“ und „Discovery“ gut verschmerzen.

In den nächsten Jahren wird die NASA zweigleisig fahren. Zunächst geht es darum, die über ein Vierteljahrhundert alten Fähren wieder zum Fliegen zu bringen. Nach der „Columbia“-Katastrophe, bei der am 1. Februar 2003 alle sieben Astronauten an Bord über Texas verglühten, hatte die NASA alle anderen Fähren nicht mehr starten lassen.

Vor einer Rückkehr in den Orbit, sollte zunächst genau geklärt werden, was den Schaden damals verursachte, und wie solche Unglücke künftig verhindert werden können. Inzwischen ist klar, dass die Katastrophe schon beim Start programmiert war: Ein koffergroßes Stück Isolierschaum von einem der Außentanks hatte sich gelöst und ein Loch in den Hitzeschild der „Columbia“ geschlagen. Durch dieses Loch drang dann beim Wiedereintritt in die Atmosphäre 2000 Grad heißes Gas ein und führte zu der Explosion.

Doch die eigentliche Verantwortung für die Katastrophe schob die Untersuchungskommission der NASA-Kultur und dem Management zu, das keine Widersprüche und abweichenden Meinungen dulde und den möglichen Schaden nicht ernst genommen habe. So wurden wiederholt Warnungen von Ingenieuren ignoriert. Zudem versäumte es die NASA, nach Wegen zur Rettung der Astronauten zu suchen oder wenigstens Satellitenaufnahmen von der betroffenen Stelle zu machen, um das Ausmaß des Schadens festzustellen.

Nach Bekanntwerden des für die NASA verheerenden Untersuchungsberichts gelobte die Raumfahrtbehörde Besserung. Zugleich verordnete sie ihrer Shuttleflotte eine millionenteure Renovierung. Diese soll demnächst so weit gediehen sein, dass als erster Starttermin seit dem Unglück der September angepeilt wird.

Parallel dazu muss die NASA mit Hochdruck an der Entwicklung der von Präsident Bush angesprochenen Raumschiffe arbeiten, von denen bisher niemand weiß – auch NASA-Chef Sean O’Keefe nicht -, wie sie einmal aussehen sollen. Klar ist nicht einmal, ob es eine Art Superfähre wird, die eigenständig starten und landen kann, oder eher eine Variation der Apollokapseln, die mit Raketen in den Orbit geschossen wurden und mit Hilfe von Fallschirmen im Meer gelandet sind. „Ich denke, wir sollten es vermeiden, uns in ein (bestimmtes) Design zu verschauen“, antwortete O’Keefe ausweichend auf die Frage nach dem Konzept der neuen Raumschiffe.

Experten verwiesen darauf, dass die NASA in den vergangenen zehn Jahren erfolglos an drei Konzepten für neue Raumschiffe gearbeitet hatte. Die Entwicklung wurde in jedem Fall wegen technischer Probleme oder horrender Kosten nach einigen Jahren eingestellt. Für das neue Raumschiff mit dem wenig ansprechendem Namen „Crew Exploration Vehicle“ hat die NASA nach Bushs Zeitplan noch knapp fünf Jahre Zeit – dann soll es flugbereit sein. Die Zeitung „USA Today“ zitiert John Rogacki, der die NASA-Abteilung für Raumfahrttechnologien leitet, mit den Worten, der Zeitplan sei sehr gedrängt, aber es sei „machbar“.

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