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Nachbar Geier

Ulrich Gabriel
Ulrich Gabriel ©.

Nachbar Geier ist ein zuvorkommender Vogel. Er ist gesprächig, gibt sich verständig, hat eine Familie, zwei Kinder, seine Frau ist als sozial engagiert bekannt. Am Stammtisch macht sich Nachbar Geier Sorgen um den Fortbestand der Welt, um das Klima, die Flüchtlingsbewegungen, die Digitalisierung, die Macht der Konzerne und alle diese nervigen Themen, die, sagt er in die Runde, doch jeden denkenden Menschen beschäftigen müssen. Er macht kein Hehl aus seiner grünen Einstellung. Nur beim Islam verstehe er keinen Spaß.

Ich treffe Nachbar Geier hin und wieder in einer kleinen Bar in der Stadt oder beim gemeinsamen monatlichen Rotary-Club-Mittagessen zum „Lusty Beg“ (zum Lustigen Betteln). Meistens holt er mich dann mit seinem SUV ab. Der SUV ist sein Drittauto. „Man muss ja auch was vom Leben haben“ zwinkert er. Er ist darum auch ein begeisterter Traktor-Fahrer, sein Drittgefährt neben dem „neuen Gesicht der Familie“, dem Audi q8. Vor kurzem hat Geier einen grünen Lindner S14/15 Baujahr 1951, 14 PS mit originaler eingebauter Seilwinde erstanden, allerdings ohne Seil. Der habe ihn richtig glücklich gemacht. Die Jungfernfahrt sei dann auch recht üppig ausgefallen. Als ausgewiesener Naturliebhaber habe er mit den Oldtimerfreunden Bad Staffelstein an der 10. Fränkischen Traktorenwallfahrt nach Vierzehnheiligen teilgenommen. Er sei überglücklich, dass die Taufe seines Traktors im oberfränkischen „Gottesgarten am Obermain“ stattgefunden habe: „Um 10 Uhr sind wir geschlossen hoch zu Kirche gerattert. Um 11 Uhr fand der Wallfahrtsgottesdienst statt und danach wurden die 100 Traktoren und ihrer Benutzer gesegnet. Mein Traktor und ich haben uns Gottes Schutz, die Klimarettung und ein erfolgreiches Börsejahr erbeten!“ Nachbar Geier ist nämlich auch ein begeisterter Marktteilnehmer. Mit seinem Finanzengagement bleibe er, sagt er, natürlich in der näheren Heimat am Bodensee und drückt mir ein Auge. Seine Aktien gehören „Gottseidank“, sagt er, zu den Dividendenkönigen, besonders Liebherr Aerospace, Diehl BGT Defense, MTU Friedrichshafen mit seinen Panzergetrieben und Rheinmetall Soldier. „Mit jedem Todesschuss steigen die Aktien, so ist eben die Welt“ flüsterte Geyer kürzlich beim Cognac nach dem Rotary- Mittagessen und wischte sich den leicht verschmierten Schnabel. Zum Ausgleich spende er seit Jahren ständig an Greenpeace. Diese edle humane Einstellung habe er bei den uneigennützigen Rotariern gelernt. Demnächst fliege er mit naturbewussten Alpenvereinskollegen zum Studium der Natur nach Tromsö: „Dort warten wildromantische Fjorde, Touren im feinsten Pulverschnee, mystische Nordlichter und ein Haus am Meer auf uns“, erzählt er. Nachbar Geier ist ein vielgestaltiger Mensch, eben ein „Polyfig“.

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