Nach "Skandal-Mail" von Fenninger: So reagiert der ÖSV

Stimmung zwischen Fenninger und Schröcksnadel steht auf Eiszeit
Stimmung zwischen Fenninger und Schröcksnadel steht auf Eiszeit ©APA
Mit einer schriftlichen Aussendung an die Redaktionen hat der Österreichische Skiverband am Dienstag auf eine an die Öffentlichkeit gelangte Email der zweifachen Gesamtweltcupsiegerin Anna Fenninger reagiert, die an ÖSV-Funktionäre gerichtet war.
Fenninger droht mit Rücktritt

Auf Fenningers Rücktrittsdrohungen geht der ÖSV nicht ein, merkte aber an, von der Salzburgerin nie verlangt zu haben, sich von ihrem Berater zu trennen.

Wie berichtet, droht Skistar Anna Fenninger im Konflikt um ihren Manager und ihre sportliche Betreuung mit sofortigem Rücktritt aus dem Österreichischen Ski-Verband (ÖSV). Das ging aus einer Email der Salzburgerin vom Montag an führende ÖSV-Funktionäre hervor. Fenninger kritisiert darin den ÖSV aufgrund seiner ablehnenden Haltung gegenüber ihrem deutschen Manager Klaus Kärcher scharf. Eskaliert könnte das schon lange schwierige Verhältnis zwischen dem ÖSV und dem Fenninger-Management nun sein, weil bei der Athletin die Kopfsponsor-Frage noch nicht geklärt ist. Der Vertrag mit Raiffeisen läuft aus und wurde noch nicht verlängert, der schon seit Monaten in Medien kolportierte Interessent Mercedes wäre aber wegen einer Konkurrenzklausel nicht mit dem ÖSV vereinbar, weil Audi einer der wichtigsten Partner des Alpinteams ist.

Nun hat sich der Österreichische Skiverband mit einer Presseaussendung zu Wort gemeldet und zu den Vorwürfen von Anna Fenninger Stellung genommen.

Thema “Management von Fenninger”

Anna Fenninger: “Ich arbeite nun seit drei Jahren mit meinem Management sehr erfolgreich zusammen, meine größten Erfolge konnte ich in dieser Zeit erzielen. Vor diesem Hintergrund empfinde ich das Verlangen nach einer Trennung als hochgradig unangemessen, um nicht von Nötigung zu sprechen. Ich will nun ausdrücklich klarstellen, dass das vom Verband mit der nunmehr auch sportlichen Druckausübung verfolgte Ziel mit Sicherheit nicht zu erreichen ist. Bevor ich diesem Wunsch entspreche, werde ich meine aktive Karriere beim ÖSV mit sofortiger Wirkung beenden.”

Antwort ÖSV: “Anna Fenninger kann sich so wie jeder Aktive des Österreichischen Skiverbandes selbstverständlich von Personen ihrer Wahl beraten lassen. Demzufolge hat der ÖSV auch nicht von Anna Fenninger verlangt sich von ihrem Berater zu trennen. Im Gegenteil: Der ÖSV hat sogar eine Zusammenarbeit im Rahmen der Reglements und unter Berücksichtigung bestehender Vereinbarungen angeboten. Leider ist das Management von Anna diesem Angebot nicht gefolgt, womit für eine Zusammenarbeit derzeit die Gesprächsbasis fehlt.”

Thema “Sportliche Betreuung”

Anna Fenninger: “Die Unklarheiten im Hinblick auf meine sportliche Betreuung, insbesondere die Beschäftigung von Peter Meliessnig (Konditionstrainer), sind für mich unerträglich. Das ist nicht die Art Unterstützung, die ich von meinem Verband erwarte, den ich in sportlicher Hinsicht nach Kräften unterstütze. Ich fordere Euch daher auf, in den nächsten drei Tagen eine klare Aussage zu machen, ob und wie Peter vom Verband für mich eingesetzt wird. Abschließend will ich klarstellen, dass ich mir eine (weitere) Beschneidung in sportlicher Hinsicht nicht gefallen lassen werde.”

Antwort ÖSV: “Die Leistungen von Anna Fenninger haben im Verband höchste Anerkennung. Nicht verständlich sind dem ÖSV daher ihre Anmerkungen hinsichtlich der sportlichen Betreuung. Anna konnte ihr Talent über lange Jahre im Rahmen der Verbandsbetreuung entwickeln und hat vor allem in den letzten Jahren von einem hochwertigen Betreuungsangebot profitiert, das wohl erheblich zu den von ihr erreichten schönen Erfolgen beigetragen hat. So hat Anna bereits in den letzten Jahren über einen Individualtrainer verfügt. Erweiterte Individualbetreuung obliegt der Beurteilung der sportlichen Leitung, kann aber nicht zu Lasten des gesamten Teams gehen. Ultimative Aufforderungen über die Öffentlichkeit sind zudem nicht der richtige Weg. Aufwendungen, welche die Möglichkeiten des Verbandes übersteigen, sind grundsätzlich vom jeweiligen Aktiven, in diesem Fall also von Anna Fenninger oder ihrem Management, zu finanzieren.”

Thema “Geld vor Sport”

Anna Fenninger: “Seit Jahren lebe ich damit, dass beim ÖSV nach sachfremden Kriterien differenziert wird, die mit sportlichen Leistungen rein gar nichts zu tun haben. Aber es war immer eine gerade noch hinreichende, wenngleich keinesfalls optimale Unterstützung gewährleistet. Auch mit der Ausübung von Druck wegen Vorgängen, die sich im nicht sportlichen Bereichen abspielen und den Verband damit rein gar nichts angehen, habe ich mich abgefunden. Womit ich mich nicht abfinden werde, ist eine Einflussnahme auf meine sportliche Förderung, weil dies letztlich in absehbarer Zeit dazu führt, dass ich hinter meinen Möglichkeiten zurückbleibe. Da ich nicht dafür gemacht bin, halbherzige Dinge zu tun – schon gar nicht im Skisport – werde ich in diesem Fall zu drastischen Maßnahmen greifen.”

Antwort ÖSV: Der Österreichische Skiverband betreut zahlreiche verschiedene Sparten und muss daher Gesamtinteressen vor Einzelinteressen stellen, da der Großteil der benötigten Mittel für den Spitzensport über Partner, Sponsoren und Verkauf von Rechten, und nicht durch die öffentliche Hand, finanziert wird.

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