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Nach G-20-Video: Polizist suspendiert

Die Londoner Polizei hat aus der Affäre um den Tod eines Mannes bei den G-20-Protesten erste Konsequenzen gezogen. Ein Polizist, der bei seiner Attacke auf den Mann gefilmt worden war, wurde vom Dienst suspendiert. Vorbericht | Der Vorfall auf Video | G20-Proteste in London eskalieren | Video

Scotland Yard habe ihn “im Interesse der Öffentlichkeit” mit sofortiger Wirkung freigestellt, teilte die unabhängige Polizeiaufsichtsbehörde am Donnerstagabend mit. Auf einem Amateurvideo war zu sehen, wie der Polizist den 47-jährigen Ian Tomlinson schlägt und zu Boden stößt. Wenige Minuten später brach der Zeitungsverkäufer zusammen und erlitt einen Herzinfarkt.

Der Fall hatte Scotland Yard in Erklärungsnot gebracht. Die Polizei hatte zunächst behauptet, keinen Kontakt mit Tomlinson gehabt zu haben. Kritiker forderten auch eine strafrechtliche Verfolgung. “Das Video zeigt deutlich einen nicht provozierten Angriff eines Polizisten auf einen Passanten. Das ist widerlich”, sagte David Howarth von der Liberaldemokratischen Partei. Ein Sprecher der Konservativen Partei sprach von “extrem alarmierenden” Neuigkeiten. Am Samstag wollen auch Protestierende an dem Ort nahe der Bank of England Blumen niederlegen, an dem Tomlinson am Mittwoch vor einer Woche starb.

Innenministerin Jacqui Smith hatte eine rasche Aufklärung des Falls gefordert. Polizeichef Paul Stephenson sagte, dass das Video “Bedenken” hervorrufe und versprach eine eingehende Untersuchung. Stephenson hatte das Amt im Jänner von Ian Blair übernommen, der nach einer Reihe von Skandalen, unter anderem der irrtümlichen Tötung des fälschlich unter Terrorverdachts geratenen Brasilianers Jean Charles de Menezes, zurückgetreten war.

Derweil kamen weitere Details ans Licht. Eine Fotografin gab an, dass die Polizei bereits vor der Schubserei mit Tomlinson aneinandergeraten war und ihn dabei zweimal mit einem Schlagstock schlug. Dagegen schrieb die Zeitung “The Sun”, Tomlinson habe wiederum die Polizei provoziert, indem er betrunken vor einem Polizeiwagen stand und trotz Aufforderung nicht aus dem Weg ging. Nach Angaben der Zeitung war Tomlinson, der an einem Zeitungsstand im Bankenviertel arbeitete, alkoholabhängig und lebte in einem Heim für Obdachlose.

Tomlinson war zusammengebrochen, als er von dem Zeitungsstand in der Londoner City nach Hause ging. Gleichzeitig demonstrierten im Bankenviertel tausende Menschen gegen den G-20-Gipfel. An den Protesten hatte der Mann sich nach Angaben seiner Familie nicht beteiligt. Eine erste Obduktion hatte ergeben, dass Tomlinson an einem Herzinfarkt gestorben war. Mittlerweile hat die Polizeiaufsichtsbehörde eine zweite Obduktion angeordnet. Der Fall werde mit der Staatsanwaltschaft besprochen, teilte die Behörde mit.

Bei den Protesten gegen den Weltfinanzgipfel war es zu Krawallen und Ausschreitungen gekommen. Dabei wurden auch Polizisten verletzt. Randalierer hatten unter anderem eine Bankfiliale gestürmt, etwa 100 Demonstranten waren festgenommen worden.

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