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Nach Erdbeben: Fünf Millionen Obdachlose

©AP
Eine Woche nach dem verheerenden Erdbeben in China werden die Ausmaße der Katastrophe immer deutlicher. Bis zu fünf Millionen Menschen, deren Häuser durch das Beben zerstört wurden, brauchen dringend Notunterkünfte.

Dies erklärte die Regierung in Peking am Dienstag in einem dramatischen Appell. Es fehle immer noch an Zelten. Die offizielle Opferzahl ist mittlerweile auf mehr als 70.000 Toten nach oben korrigiert worden.

“Das Ausmaß der Katastrophe ist so groß, dass die Menschen trotz großzügiger Spenden immer noch Schwierigkeiten haben, eine Unterkunft zu finden”, sagte die stellvertretende Innenministerin Liang Ji. Rund 280.000 Zelte seien bereits nach Sichuan gebracht worden, weitere 700.000 seien bestellt. Die Lieferanten arbeiten rund um die Uhr, kommen aber kaum mit der Produktion nach. Die Behörden teilten unterdessen mit, dass die Zahl der Opfer nach dem Beben der Stärke 7,9 vom 12. Mai auf 39.577 gestiegen sei. Mehr als 236.000 Menschen seien verletzt worden.

Radio und Fernsehen verbreiteten Warnungen von Seismologen vor einem starken Nachbeben noch am Montag oder Dienstag. Die Bergungsmannschaften und Bewohner in der Region sollten sich auf die Gefahr einstellen. Es sei wahrscheinlich, dass das Beben eine Stärke von 6 bis 7 erreichen könnte. Es bestehe Gefahr, dass neue Erdrutsche ausgelöst werden oder beschädigte Häuser einstürzen. Als Vorsichtsmaßnahme brachten Krankenhäuser ihre Patienten auf die Straße. Mit dem Auto versuchten Bewohner von Chengdu noch am Abend in Panik die Stadt zu verlassen, blieben aber im Stau stecken. In Chongqing übernachteten viele in Parks. In der Nacht folgte dann ein Nachbeben der Stärke 5 und versetzte die Menschen in Angst.

Aus Furcht vor einer Flutwelle wurde erneut die schwer zerstörte Stadt Beichuan evakuiert, wie Augenzeugen berichteten. Die Behörden schätzten, dass die Nachbeben und erwartete heftige Regenfälle dazu führen könnten, dass ein natürlicher Damm oberhalb der Stadt brechen und eine gewaltige Flutwelle verursachen könnte. Ein durch das Beben ausgelöster Erdrutsch hatte einen Fluss blockiert. Die Größe des Sees war am Wochenende mit neun Kilometern Länge und 200 bis 250 Metern Breite angegeben worden. Straßensperren kurz vor Beichuan verhinderten, dass Besucher in die Stadt fahren konnten.

Insgesamt sind in der Unglücksregion auf diese Weise 18 neue Seen entstanden, die laut Vereinten Nationen eine zusätzliche Gefahr darstellen. Wenn das Wasser mit einem Mal durchbricht, würde dies für die Bevölkerung flussabwärts enorme Gefahr bedeuten, sagte die Sprecherin des UN-Büros zur Koordinierung der humanitären Hilfe.

Noch immer finden Rettungsmannschaften Überlebende. Nach einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua wurde ein 31-jähriger Mann aus den Trümmern eines Kraftwerkes befreit. Er überlebte 179 Stunden, konnte sprechen und schon erste Bissen zu sich nehmen, erklärten die Rettungskräfte.

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