Nach Benko-Einstieg viele Fragen zu Karstadt

Der Warenhaus-Konzern hat 17.000 Mitarbeiter
Der Warenhaus-Konzern hat 17.000 Mitarbeiter
Die angeschlagene deutsche Warenhauskette Karstadt steht nach dem Eigentümerwechsel an den Tiroler Immobilien-Investor Rene Benko vorerst weiterhin vor einer ungewissen Zukunft. Rund 17.000 Mitarbeiter müssen sich auf Einschnitte gefasst machen. Bereits am kommenden Donnerstag will der Aufsichtsrat nach bisherigen Planungen über ein Sanierungskonzept beraten.
Signa übernimmt Karstadt
Tiroler wird Karstadt-Eigner

Der 37 Jahre alte Benko übernimmt nun die Kontrolle beim kriselnden Konzern vom bisherigen Eigentümer Nicolas Berggruen. Die deutsche Gewerkschaft Verdi bekräftigte am Wochenende ihre Forderung an den Tiroler, ein Konzept zu präsentieren, das die Zukunft von Karstadt und den Beschäftigten sichere. Benko sei auch bereit weiterzuinvestieren, berichtete die “Bild”-Zeitung am Sonntag – als “Karstadt-Retter” wolle der Tiroler aber nicht gelten. Es werde zu einem Stellenabbau und Standortschließungen kommen, unberührt dürften die wirtschaftlich besser laufenden Spezialhäuser für Sport und Luxus bleiben.

Karstadt steckt in Krise

Viel Zeit dürfte Benko bei den anstehenden Entscheidungen nicht haben. Denn Karstadt steckt seit langem in einer Krise. Das Unternehmen kämpft mit roten Zahlen und rückläufigen Umsätzen. Mittelfristig könnten 15 bis 20 Häuser geschlossen werden, schrieb die “Süddeutsche Zeitung” (“SZ”) unter Berufung auf das Umfeld Benkos. Bevor dies geschehe, wolle der Österreicher aber Haus für Haus auf Rentabilität prüfen.

Ein Sprecher von Benkos Signa-Holding kommentierte den Bericht nicht, wollte nicht einmal bestätigen, dass ein Euro an Berggruen fließt, der vor Jahren ebenso viel für die Kette bezahlt hatte, als er diese nach der Insolvenz des Arcandor-Konzerns übernommen hatte.

Benko will investieren

Den “SZ”-Informationen zufolge will Benko zehn Jahre oder mehr bleiben und in das Unternehmen investieren. Er plane, Markenhändler als zusätzliche Mieter in die meisten Karstadt-Häuser zu holen und sie zu größeren Einkaufszentren umzubauen. Die “Bild” berichtete weiters, dass Benko Karstadt in den kommenden zwölf Monaten sanieren wolle, mit Einschnitten in allen Bereichen.

Aufsichtsratschef Stephan Fanderl hatte schon vor einem Monat einen harten Sanierungskurs angekündigt: Alles müsse bei Karstadt auf den Prüfstand gestellt werden. Das Unternehmen mache sich “berechtigte Sorgen um die Profitabilität” von mehr als 20 Warenhäusern, hatte Fanderl der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” gesagt. Konkrete Schließungsbeschlüsse gebe es aber noch nicht.

Kontrolle über 83 Filialen

Am Freitag war bekannt gegeben worden, dass der bisherige Eigentümer Nicolas Berggruen die Kette für einen Euro an Benkos Signa abgibt. Anfang der Woche soll der Tiroler die Kontrolle über die 83 Filialen übernehmen. Auch Berggruens verbliebene Anteile an den Karstadt-Premium-Kaufhäusern und Karstadt Sports sowie die Markenrechte gehen an Signa. Das deutsche Bundeskartellamt muss dem Deal noch zustimmen.

Der Geschäftsführer der Signa Retail GmbH, Wolfram Keil, hatte am Freitag mitgeteilt: Wichtigstes Ziel sei es jetzt, dass im Warenhauskonzern Ruhe einkehre und die nächsten Schritte einer tragfähigen Sanierungsstrategie zügig beraten, verabschiedet und umgesetzt würden.

Zukunftsfähige Strategie

Die Gewerkschaft Verdi unterstrich ihre Forderung nach einer zukunftsfähigen Strategie für Karstadt: “Wir werden sehr genau anschauen, was für ein Konzept der neue Eigentümer präsentiert”, kündigte Verdi-Sprecherin Eva Völpel am Sonntag an. Karstadt-Gesamtbetriebsrat und Verdi hatten den neuen Eigentümer am Freitag dazu aufgefordert, das Zukunftskonzept zu präsentieren und zu zeigen, dass er gewillt sei, ausreichend in das Unternehmen zu investieren.

Von der deutschen Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) war Benko am Freitag umgehend aufgefordert worden, die Interessen der 17.000 Beschäftigten bei der Sanierung angemessen zu berücksichtigen. “Unser Appell an den neuen Investor kann im Moment nur zu sein, die Arbeitnehmerseite intensiv zu beteiligen”, sagte ein Sprecher der Politikerin. Die Mitarbeiter hätten schon sehr lange ihren Beitrag geleistet, um Karstadt voranzubringen, und bräuchten Sicherheit und Perspektiven. “Das Unternehmen muss jetzt in sicheres, ruhigeres Fahrwasser. Äußerungen von Herrn Benko ist zu entnehmen, dass das auch sein Ziel ist.”

(APA)

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