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Mythos Lauberhorn: Legende lebt und überlebt Angriffe

Wer auf dem Lauberhorn gewonnen hat, der zählt zu den ganz Großen des alpinen Skirennsports. Das galt in der Geschichte, das gilt auch in der Gegenwart. Der Mythos der Rennen im Berner Oberland vor der Kulisse von Eiger, Mönch und Jungfrau ist ungebrochen - die Legende lebt und überlebt Angriffe, denn manche ehemalige Rennfahrer wollen feststellen, dass alles nicht mehr so spektakulär ist wie früher.

Und legen sich damit vor allem mit den Eidgenossen an, doch Didier Cuche und Co. kontern.

Der Franzose Luc Alphand bezeichnete Wengen einst als “Jurassic Park”, viel geändert hat sich im kleinen, auf 1.274 m gelegenen idyllischen Bergdorf nicht. Zu erreichen ist Wengen nach wie vor nur mit der Alpbahn (oder dem Helikopter), die wenigen Elektroautos stören das Gesamtbild nicht, die Kinder düsen wie eh und je mit dem Schlitten zur Schule. Und zum Zielgelände der Lauberhornabfahrt ist es für die Zuschauer und Medienvertreter gleichermaßen ein gut zwanzigminütiger Fußweg.

Hundschopf, Minschkante, Brüggli-S (zu dem trotz Umbenennung kaum jemand Kernen-S sagt), Hanegg-Schuss und Ziel-S schrieben in der 80-jährigen Historie viele legendäre und auch traurige Geschichten, unvergessen ist der Österreicher Gernot Reinstadler, der 1991 in Wengen tödlich verunglückte. Die in jüngsten Jahren latent geführten Sicherheitsdiskussionen im Weltcup haben im Sommer 2008 zu einer Entschärfung des Ziel-S geführt – worüber sich im Vorjahr von den Rennläufern auch niemand beklagte.

In einer Fernseh-Diskussion am Montagabend (SF-Sportlounge) sprachen Franz Klammer (mit drei Abfahrtssiegen nach wie vor Rekordgewinner in Wengen), der Luxemburger Marc Girardelli und der frühere Schweizer Abfahrtsweltmeister Bruno Kernen über die Lauberhornabfahrt, kritisierten u.a. die Abtragung des Zielsprunges, damit habe man der Strecke das Herz rausgerissen, forderten Pisten mit mehr Wellen und weniger von der Pistenraupe platt gewalzten Passagen und dass die Zuschauer entlang der Strecke enger am Geschehen dran sind.

In seiner Kolumne in der Tageszeitung “Österreich” schrieb Klammer zwar, dass “die Lauberhorn-Abfahrt nichts an Attraktivität eingebüßt”, habe, sprach aber auch sein Bedauern aus. “Leider müssen die jungen Abfahrer jetzt nicht mehr die Ski quer stellen und gefährliche Passagen wie Hundschopf andriften. Mit dem heutigen Material und der Präparierung können sie alle Kurven auf Zug fahren.”

Didier Cuche hat die TV-Sendung nicht gesehen, aber davon gehört und darauf angesprochen am Mittwochabend auf einem Medientermin sehr ungehalten reagiert. “Da ist viel Quatsch geredet worden. Die Piste hat sich in den letzten zwei Jahren sicher nicht so geändert, dass man sagen kann, dass sie überall entschärft worden ist.” Außerdem sei das Material nicht mehr das Gleiche wie früher und das Durchschnittstempo von oben bis unten sei auch viel höher. “Da bin ich mathematisch, glaube ich, gut genug, dass ich weiß, wenn man mehr Meter fährt und die Endzeit gleich ist, dass man immer schneller unterwegs ist.”

Zum Glück habe er die Sendung nicht gesehen. “Da bin ich froh, sonst hätte ich schon ein paar laute Worte gesagt. Ich finde es immer schade, wenn Ehemalige die jetzige Zeit fertigmachen. Wenn mich einer so hört in 2 oder 15 oder 20 Jahren, kann er mir sagen, was ich für ein A L bin, ins Gesicht kann er mir das sagen”, meinte der 35-Jährige aufgebracht. “Was Kernen da von sich gegeben hat, ist absoluter Blödsinn”, wird Silvan Zurbriggen am Donnerstag in Schweizer Medien zitiert. “Leider hat er das Ganze so verkauft, als müssten wir jetzt weniger leisten wie zu seiner Zeit.”

Was den Zielsprung betreffe, meinte Cuche, Super-G-Weltmeister von Val d’Isere 2009, habe man das früher oder später sowieso machen müssen. Doch abgesehen von Bode Miller, der sich 2007 ins Ziel und zum Sieg gestürzt habe, sei in den letzten Jahren nichts passiert. “Aber natürlich, wenn man etwas Falsches macht, können die Konsequenzen gravierend sein. Wenn jemand stürzt, gibt es jetzt mehr Spielraum. Und das ist gut so, wir haben genug Verletzte gehabt bis jetzt.”

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