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Mutmaßlicher Kriegsverbrecher festgenommen

Die Belgrader Polizei hat am Freitag mit dem ehemaligen jugoslawischen Offizier Veselin Sljivancanin das letzte Mitglied der sogenannten „Vukovar-Trojka“ festgenommen.

Nach einer fast elfstündigen Belagerung wurde die Wohnung des mutmaßlichen serbischen Kriegsverbrechers im Belgrader Stadtviertel Kosutnjak kurz nach Mitternacht gestürmt.

Die Aktion wurde von dramatischen Szenen begleitet. Mehrere hundert Anhänger des Offiziers lieferten der Polizei heftige Gefechte. Die Beamten wurden mit Steinen und Flaschen beworfen. Autos wurden demoliert. Die Polizei setzte Tränengas ein.

Sljivancanin ist vom UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag zusammen mit zwei weiteren Offizieren wegen Kriegsverbrechen in Kroatien angeklagt. Mile Mrksic und Miroslav Radic hatten sich dem UNO-Tribunal im Mai des Vorjahres bzw. dieses Jahres gestellt. Die sogenannte Vukovar-Troika wird für ein Massakers an etwa 250 kroatischen Gefangenen in der Nähe von Vukovar im November 1991 verantwortlich gemacht.

Laut Medienberichten hatten sich rund 1.000 Anhänger und Nachbarn des Angeklagten vor dem fünfstöckige Wohnhaus versammelt. Mitglieder des „Komitees zur Verteidigung von Sljivancanin“ forderten am Abend den Innenminister Dusan Mihajlovic, Außenminister Goran Svilanovic und Verteidigungsminister Boris Tadic auf, Verhandlungen mit dem Komitee über die Bedingungen über die Übergabe von Sljivancanin aufzunehmen. In den Tagen zuvor hatte das „Komitee“ behauptet, der Gesuchte habe sich bereits ins Ausland abgesetzt.

Der frühere Offizier hatte im Vorjahr mit Selbstmord gedroht, sollte versucht werden, ihn festzunehmen. Auch während der Polizeiaktion berichtete der Sender B 92 von Gerüchten, wonach sich Sljivancanin einen Gürtel mit Sprengstoff umgebunden habe, um sich bei einem Zugriff in die Luft zu sprengen.

Die vom US-Kongress gestellte Frist für die Festnahme von Sljivancanin läuft am kommenden Sonntag ab. Der Kongress hatte die Belgrader Behörden aufgefordert, Sljivancanin bis zum 15. Juni festzunehmen. Die Auslieferung des Offiziers an das UNO-Tribunal ist Voraussetzung für die US-Finanzhilfe in Höhe von 110 Mio. Dollar (93,7 Mill. Euro).

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