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Mutmaßlicher Attentäter war Tunesier

Der mutmaßliche Attentäter von der tunesischen Ferieninsel Djerba ist ein Tunesier gewesen. Der Anschlag vor der Synagoge war offenbar von langer Hand geplant.

Der Fahrer des vor der Synagoge explodierten Gas-Lastwagens und der Autor des von einer arabischen Zeitung veröffentlichten Bekennerschreibens sind ein und dieselbe Person. Das Innenministerium in Paris bestätigte, dass die französischen Behörden den Namen des 24-jährigen Nizar Ben Mohamed Nawar von den tunesischen Behörden erhalten haben. Die arabische Zeitung „Al-Hayat“ ging von einem Anschlag vor der Synagoge auf Djerba aus, der offenbar von langer Hand geplant wurde.

Das Blatt berichtete unter Berufung auf Informationen aus Tunis, der benutzte Kleinlaster sei erst kürzlich einem jüdischen Einwohner Djerbas abgekauft worden. Der Käufer habe seinen Namen aber noch nicht unter den Kaufvertrag gesetzt, was nach tunesischem Recht möglich ist, da Käufer und Verkäufer nicht gleichzeitig unterschreiben müssen. Der Fahrer füllte den ursprünglich für den Wassertransport gedachten Tankwagen nach Angaben der Zeitung mit Benzin, welches er bei Schmugglern aus Libyen gekauft habe. In und vor der Synagoge habe es insgesamt vier Explosionen gegeben.

Nizar Ben Mohamed Nawar soll nach Informationen der Pariser Zeitung „Le Parisien“ die meiste Zeit seines Lebens in Tunesien verbracht haben. Die Regierung in Tunis war am Dienstag von der Darstellung abgewichen, die Explosion mit 15 Toten könne nur ein Unfall gewesen sein, und hatte den Fahrer als „verdächtig“ eingestuft. Unter den 15 Opfern der Explosion sind 10 deutsche Touristen. Seine in der Nähe von Lyon lebende Familie glaube aber nicht an die Schuld von Nizar, sagte der Bruder des bei der Explosion vor der Synagoge Getöteten, Walid Nawar. Den Angaben zufolge arbeitete Nizar auch für ein kanadisches Reisebüro. Nizar habe in Kanda studiert, in Frankreich sei er nie gewesen, sagte der Bruder. Nizar sei Moslem gewesen, habe die Religion aber nicht praktiziert.

Bei der Londoner „Al Hayat“ ging nach eigenen Angaben ein Bekennerschreiben aus dem Umfeld des El-Kaida-Netzwerks ein. Das Briefpapier des Faxes entspreche dem, „wie es normalerweise von der ägyptischen Organisation El Dschihad benutzt wird“. Die ägyptische El Dschihad wurde lange von Aiman el Sawahiri geführt, dem mutmaßlichen Stellvertreter von El-Kaida-Führer Osama bin Laden. Laut dem Schreiben der „Islamischen Armee zur Befreiung der Heiligen Stätten“ handelte Nizar Nawar als Einzeltäter. Seine „herausragende“ Aktion außerhalb der Palästinensergebiete sei „gegen die Juden“ gerichtet gewesen. Dem Bekennerschreiben war demnach ein Testament Nawars vom 5. Juli 2000 beigefügt.

In Deutschland wies unterdessen das Innenministerium einen Zeitungsbericht zurück, wonach das Bundeskriminalamt Hinweise auf einen Anschlag in Tunesien gehabt soll. Ein Sprecher des Ministeriums bezeichnete eine entsprechende Meldung der „Bild“-Zeitung (Mittwochausgabe) als „völligen Unsinn“. Das Blatt hatte sich auf auf Informationen aus Sicherheitskreisen berufen. Das Bundeskriminalamt schickte fünf weitere Ermittler zur Aufklärung der Explosion nach Tunesien. Auch Innenminister Otto Schily will in den nächsten Tagen nach Tunesien reisen, um sich über den Stand der Ermittlungen zu informieren.

Der Zustand eines 16 Jahre alten deutschen Buben, der bei der Explosion schwer verletzt worden war, ist laut Krankenhaus besser. Der Zustand eines 16 Monate alten Opfers im Hamburger Kinderkrankenhaus ist nach Angaben der Ärzte stabil. Auch bei erfolgreichen Hauttransplantationen werden die Verbrennungsopfer von Djerba jedoch nach Ansicht von Medizinern für immer entstellt bleiben. „Sie werden im wahrsten Sinne des Wortes ein Leben lang gebrandmarkt sein“, sagte der Verbrennungsexperte Johannes Bruck.

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