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Mutmaßlicher Fälscher-Boss fünf Jahre nach Flucht vor Gericht

Fast fünf Jahre nach seiner spektakulären Flucht aus der Justizanstalt Wien-Josefstadt ist am Dienstag im Straflandesgericht der Prozess gegen Dimitr K. (48) eröffnet worden.

Der gebürtige Ukrainer soll in führender Position in einer internationalen Geldfälscherbande tätig gewesen sein, die auf Euro-Blüten spezialisiert war. In Wien soll er ein 18-köpfiges Team befehligt haben. Die Verhandlung wurde auf unbestimmte Zeit vertagt.

“Berühmt” wurde der Mann, indem er nach seiner Festnahme am 13. April 2005 seelenruhig aus dem Gefängnis spazierte, nachdem sich ein Mithelfer in der Justizanstalt mit einem gefälschten Bestellungsdekret als Anwalt ausgegeben hatte und den Häftling in die Vorführzone bringen ließ.

Dort wechselte Dimitr K. seine Kleidung, indem er sich einen in einem Pilotenkoffer mitgebrachten Anzug überstreifte und eine Brille aufsetzte. An der Seite des vermeintlichen Anwalts verließ er dann Wien Richtung Bratislava, um kurz danach in Bulgarien wieder seine Fälscher-Geschäfte aufzunehmen.

Obwohl er ein halbes Jahr danach auf Basis eines Europäischen Haftbefehls gefasst werden konnte, schien das Auslieferungsverfahren kein Ende nehmen zu wollen: Zunächst musste Dimitr K. in Bulgarien eine dreieinhalbjährige Haftstrafe absitzen, weil er 1.472 Waschmaschinen bestellt, aber nicht bezahlt haben soll.

Im Oktober 2009 wurde der angebliche Chef einer 200 Personen umfassenden Bande doch den österreichischen Behörden übergeben. Vor einem Wiener Schöffensenat (Vorsitz: Peter Liebetreu) legte nun der 49-Jährige zu sämtlichen Anklagepunkten – Geldfälschung, schwere gewerbsmäßige Hehlerei, Fälschung besonders geschützter Urkunden und Beteiligung an einer kriminellen Organisation – ein überraschendes Geständnis ab: “Meinerseits werden Sie keine Schwierigkeiten bekommen. Ich hab’ genug Schaden angerichtet. Ich hab’ auch mich ruiniert.”

Er war darauf bedacht, den Prozess möglichst rasch hinter sich zu bringen: “Ich weiß ohnehin, was ich angerichtet habe. Ich schlage vor, wir machen das kurz”, meinte er zum vorsitzenden Richter. Die Polizei habe ihm “vier Jahre vorgeschlagen, wenn ich mich schuldig bekenne”, behauptete der 48-Jährige. Das Gericht ging darauf jedoch nicht ein.

Auf seine seinerzeitige Flucht sei er “nicht stolz”, betonte der Angeklagte. Diese habe ihn 15. 000 Euro gekostet. “Jemand” sei an ihn herangetreten, um damit “Geld aus mir rauszupressen”. Man habe ihm vorgeschlagen, aus dem Gefängnis zu fliehen: “Ich habe eingewilligt.”

Dimitr K. war im Juli 2003 nach Wien gekommen, wo er seiner Aussage zufolge zunächst in den Holzhandel einsteigen wollte. Das funktionierte nicht, “und wenn eines nicht funktioniert, schaltet man auf das andere um. Das ist Logik”, gab er zu Protokoll.

“Geschäftsfähige Leute” wären an ihn herangetreten und hätten ihn mit dem Handel von in Bulgarien hergestellten 50-, 200- und 500-Euro-Blüten betraut. Ein falscher 200-er kostete laut K. 46 Euro, fand er dafür einen Abnehmer, streifte er seinen Berechnungen zufolge dafür einen Gewinn von fünf bis acht Euro ein.

Lkw-weise sollen die Euro-Fälschungen durch Europa transportiert worden sein. Dimitr K. bot eines Tages einem verdeckten Ermittler der Polizei ein “Blüten”-Bündel im Nominalwert von 40.000 Euro ein, worauf die Handschellen klickten, nachdem die Exekutive hinreichende Aufschlüsse über Erzeugung, Beschaffung, Vertrieb und Transport des Falschgelds gewonnen hatte.

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