Mutige Uraufführung von "1984durchgestrichen" am Vorarlberger Landestheater

Stück über absolute Transparenz der Menschen im Internet.
Stück über absolute Transparenz der Menschen im Internet. ©anja koehler | andereart.de
Am Ende sind alle nass und somit mehr oder weniger freiwillig eingetaucht in die Welt des Überwachtwerdens. Die Uraufführung des Theaterprojekts "1984durchgestrichen" am Vorarlberger Landestheater ging am Freitagabend auf den veränderten und sich ändernden Freiheitsbegriff ein. Das Publikum zollte dem neuen Werk von Bernd Liepold-Mosser große Anerkennung und lang anhaltenden Schlussapplaus.

Der Titel des Projekts schließt nahtlos an das George Orwell-Werk “1984” an, das von einem totalitären Präventions- und Überwachungsstaat handelt. Nicht bedacht – weil wohl nicht vorstellbar – wurde damals, mit welcher Freude die Menschen im 21. Jahrhundert transparent sind. Überwachung – lustvoll zelebriert über die Neuen Medien – verspricht heute Selbsterkenntnis und Selbstoptimierung. Aus “Big Brother” wird “Big Sister”, und was in “1984” noch mit Zwang passiert, wird beim Theaterprojekt “1984durchgestrichen” mit viel Freude erlebt. Zumindest wenn man die Wasserspiele der Protagonisten beobachtet.

Angriff auf die Freiheit hinterfragt

Der mehrfach preisgekrönte Autor und Regisseur Bernd Liepold-Mosser hinterfragt mit “1984durchgestrichen” den Angriff auf die Freiheit und die Privatsphäre. Sein Text ist einfach und voller Klarheit, die Aussagen sind deutlich und ohne viel Schnörkel. Liepold-Mossers Basis lässt den Darstellern zudem ausreichend Platz, eigene Ansichten einzubringen und in das Stück einzuarbeiten.

Die Uraufführung am Freitag brachte den Zuschauern eine Inszenierung mit mutigen Akteuren – auch im Spiel. Die vier Darsteller Hanna Binder, Jele Brückner, Stefan Maaß und Roman Schmelzer trotzten den Elementen auf der Bühne nicht nur, sondern führten diese geschickt und mit viel Spielfreude zusammen.

Darsteller in wenig schmeichelhaften Outfits

Die beiden Ausstatter Karla Fehlenberg und Aurel Lenfert steckten ihre Darsteller in wenig schmeichelhafte Outfits – unter anderem in grün-blaue Overalls. Sie schufen aber eine perfekte Harmonie zu dem umgebenden Raum. Die Bühne selbst ist ein “eiskalter” karger Raum. Die Wände dienen als Projektionsflächen für die ausgezeichneten Video-Einspielungen von Philip Kandler, und der Bühnenboden wird zum Planschbecken.

Herwig Zamernik war verantwortlich für den musikalischen Rahmen. Zamernik ist seit 1992 Mitglied der Band Naked Lunch und in diesem Zusammenhang schon bei der Produktion “Alcin@” am Vorarlberger Landestheater im vergangenen Jahr sehr positiv aufgefallen.

Regisseur Bernd Liepold-Mosser bedankte sich auch bei der Premierenfeier beim Haus für den Mut zu diesem Theaterprojekt: “Es ist nicht selbstverständlich, dass sich ein Theater an so ein Werk herantraut. Danke für die Möglichkeiten, neue Dimensionen, neue Sichtweisen zu zeigen und trotz der Risiken dieses Zusammenwachsen zuzulassen.”

“1984durchgestrichen”
Theaterprojekt von Bernd Liepold-Mosser. Weitere Vorstellungen am Vorarlberger Landestheater in Bregenz: 1., 11., 16. und 21. April sowie 3. und 8. Mai, jeweils 19:30 Uhr. Karten: 05574 / 42 870-600, www.landestheater.org

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