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Musikalisches Skandinavienhoch

Draußen am Bodensee Regen, Gewitter und Tiefdruck - drinnen im Festspielhaus ein musikalisches Skandinavienhoch der Extraklasse: So lässt sich das erste Orchesterkonzert der Bregenzer Festspiele meteorologisch umschreiben.

Unter dem Dirigat des Dänen Michael Schönwandt interpretierten die blendend disponierten Wiener Symphoniker Werke von Robert Schumann, Jean Sibelius und Carl Nielsen.

Das Oeuvre des in Mitteleuropa kaum bekannten dänischen Komponisten Nielsen (1865-1931) bildet einen Schwerpunkt der diesjährigen 60. Festspiele. Neben der erfolgreichen Hausoper „Maskerade“ werden im Konzertprogramm eine Reihe von symphonischen Werken Nielsens aufgeführt. Den Anfang der Serie bildete die 1912 uraufgeführte Symphonie Nr. 3, die so genannte „Sinfonia espansiva“ op. 27, die nach der Pause auf dem Programm stand.

Mit wuchtigem Tutti-Auftakt entfacht Nielsen gleich zu Beginn einen orchestralen Sturm. Nielsens durchaus eigenständige Tonsprache scheint auch Anklänge an Wagner oder Brahms zu haben. Im zweiten Satz, dem Andante pastorale, setzt Nielsen auch die menschliche Singstimme ein: Sopran (Jennifer O’Loughlin) und Bariton (Adrian Eröd) begleiten die orchestralen Melodien mit geschmeidigen Vokalise-Bögen. Sowohl bei pompösen Orchesterschlägen als auch dem folgenden linden Säuseln folgten die Symphoniker der tänzerisch beschwingten Zeichengebung von Schönwandt. Nach hymnischen Ausbrüchen mit viel Blech und einem Finale mit Pauken und Trompeten ernteten Schönwandt und die Symphoniker nach zwei Stunden großen Beifall für einen Konzertabend mit nicht alltäglichem Programm.

Einleitend spielte das Orchester die „Manfred“-Ouvertüre von Robert Schumann. Das romantisch-kraftvolle Stück bildete jedoch gewissermaßen nur einen Appetithappen für das vor 100 Jahren entstandene Violinkonzert op. 47 von Jean Sibelius (1865-1957). Der Salzburger Violinist Benjamin Schmid wurde für seine exemplarische Interpretation des berühmten Werkes mit enthusiastischem Jubel gefeiert. Der Solist schien – fern aller grifftechnischen Schwierigkeiten – mit der Musik zu atmen und hielt innige Zwiesprache mit dem Orchester. Mimik und Gestik nach dem finalen Allegro, ma non tanto signalisierten, dass Benjamin Schmid auch selbst mit dem Bregenzer Festspiel-Konzertabend nicht unzufrieden war. Durch Beifall und anhaltende Bravo-Rufe animiert, spielte der Künstler als Zugabe die Sarabande aus der Bach Solo-Suite 1004 d-moll.

Im zweiten Festspiel-Orchesterkonzert am 1. August dirigiert Fabio Luisi Werke von Schumann und Nielsen. Auch im dritten Konzert der Symphoniker am 8. August unter Mark Elder stehen Werke von Schumann und Nielsen auf dem Programm.

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