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"Mumie" aus Diepholz sorgt für Verwirrung

Eine Mumie von einem Dachboden in Diepholz hat sich als Fälschung entpuppt, doch die Figur gibt den Ermittlern weiter Rätsel auf.
Eine Mumie von einem Dachboden in Diepholz hat sich als Fälschung entpuppt, doch die Figur gibt den Ermittlern weiter Rätsel auf. ©EPA/Lutz Wolfgang Kettler
Sensationsfund, mysteriöses Verbrechen, schlechter Scherz oder raffinierte Fälschung? Eine vermeintliche Mumie im niedersächsischen Diepholz sorgt seit Wochen für Spekulationen. Jetzt steht fest: Die Mumie ist eine Fälschung. Damit tauchen neue Fragen auf.
Die "Mumie" aus Diepholz

Der Fall roch nach Krimi, fast wie in einer alten “Tatort”-Folge: Auf einem Dachboden wird eine Mumie gefunden, und der vermeintliche Sensationsfund entpuppt sich dann auch noch als aktuelles Verbrechen. So ähnlich bahnte es sich im August im niedersächsischen Diepholz an, als ein zehnjähriger Junge auf dem Dachboden seines Großvaters stöberte. Dieser war in den 50er Jahren in Nordafrika und hatte einige Andenken von seinen Reisen mitgebracht.

Erste Untersuchungen: Mumie 2000 Jahre alt

Der Nachwuchsforscher entdeckte in einer Ecke eine Totenmaske sowie einen Sarkophag mit einer Mumie. Nach ersten Untersuchungen sollte sie 2000 Jahre alt sein. Als eine Computertomographie (CT) noch einen Pfeil in der Augenhöhle des Skeletts sichtbar machte, wurde die Justiz hellwach und ermittelte wie in einem Kriminalfall. Doch jetzt hat sich fast alles als Fälschung erwiesen.

Mumie entpuppt sich Plastikskelett

“Die mit Bandagen umhüllte Mumie entpuppte sich als Plastikskelett”, sagt der Verdener Staatsanwalt Lutz Gaebel am Mittwoch nach Untersuchungen in der Hamburger Gerichtsmedizin. Dort sollten Experten prüfen, ob der Leichnam aus jüngerer Zeit stammt und der einbalsamierte Mensch möglicherweise Opfer eines Verbrechens wurde.

Substanz führte zu falscher CT-Analyse

Doch beim Auspacken der Mumie kam die Fälschung aus Plastikknochen und Füllmaterial wie Papier-Küchentüchern ans Tageslicht. Das Ganze war mit einer unbekannten Substanz besprüht und hatte zu einer falschen CT-Analyse geführt. Auch der Pfeil und die Bandagen sollen neueren Ursprungs sein.

Falsche Mumie gibt Ermittlern weiter Rätsel auf

Für Justizsprecher Gaebel in Verden ist der Fall kein peinlicher Expertenirrtum. “Es ist bewusst so manipuliert worden, dass es ohne ein Lösen und Beschädigen der Bandagen zu einer falschen Diagnose kommen konnte”, sagt der Justizsprecher. Wer oder was hinter dieser Täuschung stecken könnte? “Keine Ahnung, wir beteiligen uns nicht an Spekulationen.”

Falsche Mumie mit echtem Schädel

Immerhin hat sich gezeigt, dass an der falschen Mumie tatsächlich ein echter Schädel war. Der soll allerdings fachgerecht präpariert worden sein, wie es etwa bei Übungsmodellen für die medizinische Ausbildung üblich ist. “Der Schädel wird nun noch genauer untersucht, dann kann das Todesfallermittlungsverfahren abgeschlossen werden”, sagt Gaebel.

Der Vater des Jungen, der die Mumie gefunden hat, versteht inzwischen die Welt nicht mehr. “Erst sollte es ein historisches Fundstück sein, dann kam der Verdacht eines Verbrechens auf”, sagt Lutz Wolfgang Kettler der Nachrichtenagentur dpa. “Vielleicht ist es wirklich nur eine billige Fälschung mit einem Karnevalsskelett und einem Kinderpfeil. Jedenfalls ist die Mumie jetzt ausgepackt und damit zerstört worden – schade, denn sonst hätte man sie nochmal öffentlich ausstellen können.” (dpa)

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