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Moslemischer Geistlicher kritisiert Gewalt

Der einflussreiche moslemische Religionsgelehrte Scheich Youssef al-Qaradawi hat die gewaltsamen Proteste gegen Mohammed-Karikaturen verurteilt.

Stattdessen sollten die Gläubigen Produkte aus Ländern boykottieren, in denen die Zeichnungen gedruckt wurden, sagte der Ägypter am Sonntag dem Fernsehsender „Al Jazeera“.

„Wir rufen Moslems auf, ihre Wut in einer sinnvollen und kontrollierten Art zu zeigen“, erklärte der dank seiner TV-Auftritte in der arabischen Welt sehr populäre Geistliche. „Wir haben die Leute nicht dazu aufgerufen, Botschaften anzuzünden, wie es einige in Damaskus und Beirut getan haben.“ Zerstörung und Brandstiftung ließen sich nicht mit der moslemischen Moral vereinbaren.

Tausende Moslems hatten wenige Stunden zuvor das dänische Konsulat in der libanesischen Hauptstadt Beirut in Brand gesteckt. Am Samstag spielten sich ähnliche Szenen in den Botschaften von Dänemark und Norwegen im syrischen Damaskus ab. Die schwedische Vertretung wurde ebenfalls beschädigt.

Die Demonstranten protestierten gegen Karikaturen, die Mohammed unter anderem mit einem Turban in Form einer Bombe zeigen. Eine dänische Zeitung veröffentlichte die Zeichnungen zuerst, später druckten sie andere Blätter etwa in Österreich nach.

Großscheich für Dänemark-Boykott

Der Großscheich der Kairoer Al-Azhar-Universität und -Moschee, Mohammed Sayed al-Tantawi hat sich für den Boykott dänischer Waren ausgesprochen. Er ist die höchste theologische Autorität im sunnitischen Islam.

Tantawi führte am Montag eine Demonstration von rund zehntausend Studenten und Lehrkräften auf dem Gelände der Al-Azhar-Universität in Kairo an, bei der zu einer „Fortsetzung des Boykotts“ aufgerufen wurde.

Mit ihren Fatwas (religiösen Rechtsgutachten) bestimmt Al-Azhar maßgeblich soziale und ethische Belange von 900 Millionen Moslems der sunnitischen Glaubensrichtung. Tantawi, der 43. Großscheich von Al-Azhar, hatte 2002 gemeinsam mit dem damaligen anglikanischen Primas und Erzbischof von Canterbury, George Carey, eine islamisch-christlich-jüdische Dialogkonferenz in Alexandria organisiert. In der damaligen „Alexandria-Erklärung“, die auch von dem israelischen Rabbiner und früheren Vizeminister Michael Melchior unterzeichnet wurde, war zu einer Verständigung zwischen den drei monotheistischen Weltreligionen und zu einem Ende der Gewalt im Nahen Osten aufgerufen worden.

In der ägyptischen Hauptstadt kam es am Montag auch in der Kairo-Universität und in der Universität Helwan zu Protesten gegen die Veröffentlichung der Karikaturen in europäischen Zeitungen. Daran nahmen rund 5000 Studenten teil.

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