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Moskau: Keine Hoffnung auf Überlebende

Die Zahl der Todesopfer ist nach dem Einsturz einer schneebeladenen Markthalle in Moskau auf 65 gestiegen. Von den 65 Leichen seien bereits 64 identifiziert.

Unter den Toten seien 45 Aserbaidschaner.

Auch die meisten anderen Opfer stammten aus ehemaligen Sowjetrepubliken. Sie hatten in der Markthalle ihre Stände. Da die Halle am Donnerstag sehr früh am Morgen eingestürzt war, hatten sich darin nach Ministeriumsangaben nur 98 Personen aufgehalten. 33 Menschen seien bei dem Einsturz verletzt worden.

Der aserbaidschanische Botschafter in Moskau, Polad Byul-Byul Ogly, kündigte an, die Leichen seiner Landsleute würden mit dem Flugzeug in ihre Heimat überführt. Der aserbaidschanische Gesundheitsminister Ogtai Schiraljew reiste nach Moskau, um sich ein Bild von der Katastrophe zu machen.

Nach dem Einsturz der großen Markthalle im Osten Moskaus haben Ermittler der Staatsanwaltschaft weiter nach den genauen Ursachen für die Tragödie gesucht. Das Dach aus Stahlbeton sei unter der tonnenschweren Schneelast eingebrochen, betonte Moskaus Bürgermeister Juri Luschkow am Freitag in der russischen Hauptstadt.

Die Einsatzleitung beendete die Suche nach Opfern in dem eingestürzten Gebäude.

Es gebe „praktisch keine Chance“ mehr, noch Überlebende zu finden, teilte der Zivilschutz mit. Man habe mittlerweile alle möglichen Aufenthaltsorte von Menschen in dem Trümmerberg durchsucht. „Bisher hat sich niemand bei uns gemeldet, der einen Bekannten oder Verwandten in der eingestürzten Markthalle vermisst“, sagte ein Behördensprecher der Nachrichtenagentur Interfax.

Am Donnerstagabend waren Kräne und schweres Räumgerät hinzugezogen worden, um die Trümmerteile abzutransportieren. Am Ort der Tragödie solle so schnell wie möglich ein modernes Einkaufszentrum errichtet werden, kündigte die Stadtverwaltung an.

In mehreren Moskauer Krankenhäusern wurden am Freitag noch 15 Männer und sechs Frauen behandelt, die beim Einsturz des Gebäudes verletzt worden waren, einige von ihnen schwer. Fast alle Opfer sind Gastarbeiter aus den ehemals sowjetischen Republiken im Kaukasus und in Zentralasien. Die Toten seien von Verwandten und Arbeitskollegen identifiziert worden.

Die russischen Ermittler hielten sich am Freitag, einem nationalen Feiertag, mit Stellungnahmen zu den Ursachen der Tragödie zurück. Der Architekt der 1977 gebauten Markthalle, Nodar Kantscheli, hatte betont, die Marktleitung habe gegen die Nutzungsbestimmungen für das Gebäude verstoßen, indem in einer Zwischenetage Dutzende Marktstände eingerichtet worden seien. Als Hauptgrund für den Einsturz nannte Kantscheli ebenfalls die Schneelast.

Der landesweit bekannte Architekt hatte auch das vor zwei Jahren eingestürzte Erlebnisbad „Transvaal“ im Süden Moskaus entworfen. Eine Kommission prüft bis heute die Umstände des Unfalls im Februar 2004, bei dem 28 Badegäste ums Leben kamen.

Das Dach der Markthalle an der Bauman-Straße war am frühen Donnerstagmorgen nach starkem Schneefall und einsetzendem Tauwetter auf einer Fläche von 2.000 Quadratmetern eingestürzt. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich nach Schätzungen der Marktleitung 100 bis 150 Menschen in der Halle aufgehalten. Einigen Händlern war es gelungen, unversehrt aus dem nicht vollständig zerstörten Gebäude zu fliehen.

Bürgermeister Luschkow kündigte schnelle Entschädigungszahlungen für die Überlebenden sowie die Angehörigen der Toten an. Auch die Familien von getöteten Ausländern hätten Anspruch auf die Entschädigungssumme von 100.000 Rubeln (etwa 3.000 Euro). Wer nach dem Einsturz der Markthalle im Krankenhaus behandelt werden musste, bekomme 50.000 Rubel. (Schluss) pwi

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