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Mordprozess in St. Pölten fortgesetzt

Am Landesgericht St. Pölten ist am Dienstag der Prozess gegen einen 65-Jährigen fortgesetzt worden. Der Pensionist musste sich seit Montag wegen Mordes an seiner von ihm getrennt lebenden Ehefrau und versuchten Widerstandes gegen die Staatsgewalt verantworten.

Am Dienstag waren noch die vier erwachsenen Kinder des Angeklagten geladen, dann sollte es ein Urteil geben.

Der Mann hatte laut Anklage am 15. Juni 2008 seine Frau an ihre neue Wohnadresse in Artstetten (Bezirk Melk) verfolgt und die 57-Jährige, die vom sonntäglichen Kirchgang heimkehrte, in ihrem Pkw mit einer doppelläufigen Schrotflinte erschossen. Die Frau wurde in den Hals getroffen und starb innerhalb kurzer Zeit.

Anschließend fuhr der Mann zu seinem Bauernhaus zurück, wo er sich mit einem zweiten Gewehr bewaffnet verschanzte und mit Selbstmord drohte. In stundenlangen Verhandlungen versuchte die Polizei, den damals 63-Jährigen zur Aufgabe zu bewegen. Als Cobra-Beamte in den Innenhof eindrangen, erschoss der Mann einen Diensthund. Zur Eigensicherung gaben die Beamte Schüsse ab, die den Mann in den Oberkörper trafen. Erst dann konnte er überwältigt werden und ist seitdem an den Rollstuhl gefesselt.

Zu Prozessbeginn gestern gab er an, seine Frau “bis zur letzten Sekunde” gern gehabt und die Trennung nicht verkraftet zu haben. Die Staatsanwältin berichtete hingegen von jahrelangen Streitigkeiten. Die Frau sei geschlagen und bedroht worden, bis sie 2005 einen Schlussstrich zog und sich eine Wohnung suchte. Eine Scheidung scheiterte in der Folge an finanzieller Uneinigkeit.

Tochter: “Mutter hat sich ein Grab gekauft”

Die Töchter des Angeklagten haben in ihren Zeugenaussagen eine Kindheit “voller Angst” geschildert. Der älteste Sohn bezeichnete den Erziehungsstil hingegen als “eher autoritär” von beiden Elternteilen. Rund zwei Wochen vor der Bluttat soll die Mutter ihrer ältesten Tochter gesagt haben, dass sie eine Scheidung “nicht überleben” werde. Sie habe sich auch ein eigenes Grab gekauft, so die 32-Jährige.

Am schlimmsten hätte es immer den jüngsten Bruder – der am Dienstag nicht vor Gericht erschien – erwischt: Sei er beispielsweise zu spät nach Hause gekommen, hätte der Vater schon in der Scheune auf ihn gewartet und ihn mit der Mistgabel oder dem Ochsenziemer geschlagen. Der 65-Jährige soll seine Kinder erniedrigt haben, sie “sind nix und werden nix”. “Hauen und schimpfen” gab es oft, sagte die 29-jährige Tochter.

Die Mutter soll der Ältesten u.a. ihre Vermutung mitgeteilt haben, dass ihr Mann ein Verhältnis mit der Schwägerin habe. Er hätte einen “extremen Trieb” gehabt, sagte die jüngere Tochter. Der Vater wäre auch “krankhaft eifersüchtig” gewesen, “es hat schon gereicht, wenn wer sie angeschaut hat”.

Das spätere Opfer war Ende 2005 aus dem gemeinsamen Haus ausgezogen. Auslöser waren körperliche Übergriffe. So habe der Vater seine Frau an den Haaren durch das Haus gezogen. Sie hätte es so lange bei ihm ausgehalten, weil er immer zu ihr gemeint habe: “Wenn du geht, gehst du nicht weit”, wiederholten die Töchter eine Aussage ihres Vaters.

Der Scheidungsanwalt des Opfers sagte aus, dass die 57-Jährige es immer vermieden habe, alleine zu Scheidungsverhandlungen zu gehen. Der Anwalt musste sie abholen und nach Hause bringen. Auch habe sie ihm gegenüber erwähnt, dass sie die Scheidung “nicht erleben oder überleben” werde, so der Anwalt. Die Angst vor dem Tod sei “immer im Raum gestanden”.

In einem Schreiben der Mutter, das eine der Töchter heute vorlegte, hieß es: “An meine Kinder, mein letzter Wunsch, habe böse Vorahnungen”. Und weiter: Im Fall einer Pflegebedürftigkeit wolle sie nicht von ihrem Mann betreut werden. In dem Schreiben wurde auch ihre Bitte hinsichtlich der Grabes deponiert.

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