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Mordfall Moshammer vor Gericht

Es war einer der spektakulärsten Mordfälle in Deutschland seit Jahren: Am Morgen des 14. Jänner entdeckte sein Chauffeur die Leiche von Rudolph Moshammer.

Der exzentrische Modemacher lag mit einem Kabel erdrosselt am Gang seines Hauses im Münchner Nobel-Vorort Grünwald. Ab Mittwoch muss sich nun der mutmaßliche Mörder vor dem Landgericht München I verantworten.

Der aus dem Irak stammende Herish A. gestand bereits, den homosexuellen Moshammer zuerst sexuell bedient und dann nach einem Streit ums Geld getötet zu haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Mord aus Heimtücke und Habgier vor.

Moshammer hatte sich seinen Mörder selbst ins Haus geholt: Mit seinem Rolls Royce war der 64-Jährige am späten Abend des 13. Jänner im Bereich des Hauptbahnhofs auf die Suche nach einem Liebesdiener gegangen. Wie die Polizei im Nachhinein feststellte, machte der allgemein als homosexuell angesehene, aber nie geoutete Moshammer mehrmals die Woche solche Touren. Dabei lud er sich ohne jede Vorsicht immer wieder Männer ein, die er anschließend mit zu sich nach Hause nahm. Oft stammten sie aus dem Asylbewerberbereich – so wie der jetzt Angeklagte.

Mit dem Versprechen von 2.000 Euro Liebeslohn will Herish A. von Moshammer gelockt worden sein. Der nach eigener Darstellung spielsüchtige Koch gab bei seinem Geständnis an, sich von dieser Summe aus Geldnot überzeugen lassen zu haben. In Moshammers Haus sei es dann zum verabredeten Sex gekommen. Die angeblich versprochenen 2.000 Euro habe Moshammer aber verweigert, sagte A. der Polizei. Daraufhin ging es ganz schnell: Von hinten erdrosselte A. laut Anklage sein Opfer. „Herr Moshammer hatte keine Chance“, sagte Ermittlungsleiter Harald Pickert. Weil der Angeklagte anschließend auch noch Taschen und Wohnung seines Opfers nach Geld durchsuchte, wird ihm außer Mord auch Raub mit Todesfolge vorgeworfen.

Für Pickert und seine Leute war die Aufklärung des Mordfalls Moshammer ein großer Erfolg. Nicht mal 48 Stunden nach der Tat konnte die Polizei A. fassen. Dieser hatte sich nach dem Mord kahl rasiert, weil ihn mögliche Zeugen nicht identifizieren können sollten. Überführt wurde der anerkannte Asylbewerber aber durch eine DNA-Probe: Bei einem eingestellten Ermittlungsverfahren wegen Vergewaltigung einer Frau hatte A. die Probe freiwillig abgegeben und war damit in der Datenbank der bayerischen Polizei. Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) nutzte den Erfolg deshalb, um eine Ausweitung der Möglichkeiten für DNA-Proben zu fordern.

Auch der Millionen schwere Nachlass Moshammers sorgte nach dem Mord immer wieder für Schlagzeilen. Chauffeur Andreas K. bekam das „Sorgerecht“ für Schoßhündchen „Daisy“, eine Wohnung und eine Leibrente. Großzügig sorgte Moshammer in seinem Nachlass auch für die Obdachlosen, für die er schon zu Lebzeiten hohe Beträge spendete. Allein eine Versteigerung von Schmuck im September brachte fast 300.000 Euro ein, die für Obdachlose arbeitende Organisationen erhalten sollen.

Ansonsten droht der einstige Paradiesvogel aber in Vergessenheit zu geraten: In München erinnert an ihn nur noch das Mausoleum, in dem „Mosi“ neben seiner abgöttisch geliebten Mutter Else ruht. Aus ihrem gemeinsam gegründeten Geschäft in der noblen Maximilianstraße sind längst alle Krawatten und Anzüge geräumt; mittlerweile gibt es dort Schweizer Nobel-Uhren.

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