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Montafonpark: Wütende Anrainer machen mobil

Montafonpark: Bürgermeister Herbert Bitschnau sieht sich mit Kritik der Anrainer, wie von Dr. Alexandra Steininger, konfrontiert.
Montafonpark: Bürgermeister Herbert Bitschnau sieht sich mit Kritik der Anrainer, wie von Dr. Alexandra Steininger, konfrontiert. ©Paulitsch, handout/Vonier, Stemer-Kaufmann
In Tschagguns sollen rund 30 Wohneinheiten entstehen und die alte Tennishalle in eine moderne Mehrzweck-Sporthalle umgewandelt werden. Das Verkehrskonzept stößt betroffenen Anrainern sauer auf.

Seit Jahren liegen die Tennisplätze im Furtner-Areal brach und werden nicht mehr genutzt. Nun soll das Gelände umgewidmet werden. Einerseits sollen rund 30 Wohneinheiten entstehen, andererseits soll die bestehende und in die Jahre gekommene Tennishalle erweitert, umgebaut und auch gewerblich genutzt werden. Finanziell belastet der "Montafonpark" das ohnehin durch Corona gebeutelte Gemeindebudget nicht, die Kosten übernimmt mit Michael Furtner der Besitzer des Areals. Außerdem werde laut Bürgermeister Herbert Bitschnau auf leistbaren Wohnraum Wert gelegt, rund ein Drittel der Wohnungen würden vertraglich abgesichert mit diesem Attribut versehen. Das war auch eine Bedingung des Landes für die Umwidmung des Geländes. Besonders erfreulich sei auch die Offenheit des Privatiers, der zusammen mit den ansässigen Vereinen und der Skihauptschule an dem Konzept für die gemeinsam nutzbare Mehrzweckhalle feilt. Auch Veranstaltungen für bis zu 200 Personen sollen im neuen "Montafonpark" Raum finden.

Die in die Jahre gekommene Tennishalle soll renoviert und einer modernen Mehrzweckhalle weichen, ein Projekt, das den Standort Tschagguns enorm aufwerten würde. ©handout/Vonier

"Zusätzliches Verkehrsaufkommen wirkt belastend auf Anrainer"

Grundsätzlich ein begrüßenswertes Projekt, wäre da nicht die zusätzliche Verkehrsbelastung, die vor allem bei den Anrainern für Unmut sorgt. Eine davon ist Gemeindeärztin und Mitglied der Gemeindevertretung Dr. Alexandra Steininger, die gegenüber VOL.AT Kritik an dem ihrer Ansicht nach zu schnell und wenig transparent kommunizierten Planungen äußert: "Das Verkehrsaufkommen durch diese Bebauung wird sowohl für die Bewohner des Gardengaweges als auch des Schmelzhüttenweges sehr belastend und gefährlich. Bei entsprechender Reduktion der Geschwindigkeiten und dem Erhalt von Wohnstraßen und einer Einbahnregelung, stehe ich dem Wohnprojekt positiv gegenüber. Nicht jedoch der Verkehrsregelung zur Sportstätte. Es scheint mir nicht tragbar, den Umbau der beiden Straßen den Gemeindebürgern zur Last zu legen. Die Umwidmung des Grundstückes bringt eine enorme Wertsteigerung und somit Wertschöpfung mit sich. Ein Teil der Straßensanierung sollte dem Grundeigentümer, der ja die Gewinne für das Wohnprojekt abschöpfen kann, zur Last gelegt werden."

Dr. Alexandra Steininger steht dem Projekt skeptisch gegenüber, vor allem in Sachen Verkehrsbelastung.

"Für uns Anrainer ein unzumutbarer Albtraum"

Weiters befürchtet die besorgte Anrainerin durch die Nutzung der Sportstätte den Verlust des Privilegs einer "Wohnstraße": "Herr Furtner hat seinen Plan vorgestellt, diese Sportstätte 365 Tage für Menschen von 2 bis 99 Jahren zwischen 6 und 22 Uhr zu bespielen, verständlich aus der Sicht der maximalen Gewinnabschöpfung. Für uns Anrainer ein unzumutbarer Albtraum! Die Idee, den Schmelzhüttenweg zu verbreitern, für Gegenverkehr mit befahrbarem Gehsteig mit deutlich verstärktem Verkehrsaufkommen, bedeutet für die Anrainer eine fragwürdige Verkehrssicherheit. Die bisherige Charakterisierung einer Wohnstraße wäre nicht mehr gegeben. Der enge Gardengaweg wäre genauso überlastet und bezüglich Sicherheit fragwürdig. Die Aussage von Herrn Christian Vonier, dass dann am Schmelzhüttenweg nicht mehr Verkehr wäre als in der Zelfenstraße finden die Anrainer nicht beruhigend, denn dieses Gebiet ist nicht für den Verkehr einer Dorfdurchzugsstraße angelegt und die Straße wäre auch deutlich schmäler. Sportveranstaltungen mit 200 Besuchern, vor allem an Wochenenden, würde zusätzlich zu enormer Lärm- und Abgasbelastung führen. Nicht zu vergessen die Bauzeit, die bestimmt keine kurze sein würde – sie müsste auch genau festgelegt werden – bedeutet für alle Anrainer extreme Staub-, Schmutz-, Abgas- und Lärmbelastung sowie eine besondere Verkehrsbehinderung."

Ein weiterer Punkt, den die Gemeindeärztin bemängelt, sei eine im Raum stehende Nutzung der Lokalität als Skihalle, für Trainingszwecke und Videoanalysen durch die Skihauptschule. "Absurd", kontert Bürgermeister Bitschnau, "vielleicht handelt es ich ja um einen verspäteten Aprilscherz. Bei der Nutzung durch die Skihauptschule gibt es Überlegungen für Förderbänder, auf denen dann trainiert wird. Ich glaube kaum, dass wir im Montafon eine Skihalle im herkömmlichen Sinne gebrauchen könnten", wiegelt der Gemeindevorstand ab.

"Stimmen der betroffenen Anrainer
werden selbstverständlich gehört"

"Natürlich freut sich kein Anrainer über zusätzlichen Verkehr, ich bin übrigens selber einer davon. Trotzdem kann ich die Kritik der Gemeinde-Opposition schwer nachvollziehen. Der Nutzen für die Allgemeinheit dieses noch dazu von einem Privatier finanzierten Projekts, das eine enorme Aufwertung für die Gemeinde Tschagguns darstellt, überwiegt den Schaden bei Weitem. Außerdem wurde in einer Vorbegutachtung durch die Verkehrsingenieure Besch und Partner der angestrebten Lösung ein positives Zeugnis ausgestellt", informiert Bürgermeister Bitschnau. Hier die Stellungnahme aus dem Flächenwidmungsplan im Wortlaut:

Stellungnahme Verkehr (Verkehrsingenieure Besch und
Partner KG, 2019):
Auf Basis der beabsichtigten Planungen ergeben sich zwei mögliche Erschließungsszenarien: Zufahrt zur Wohnbebauung (Gst 1920/3) über den Gardengaweg, Zufahrt zum Montafon Park (Gst 1927/1) über den Schmelzhüttenweg und Wegfahrt für beide Grundstücke über den Schmelzhüttenweg. Die Errichtung einer Straßenverbindung zwischen Gardengaweg und Schmelzhüttenweg ist hierfür notwendig. Das zweite Szenario sieht ein Einbahnsystem mit Zufahrt über den Gardengaweg und eine Wegfahrt über den Schmelzhüttenweg vor. Vom Verfasser wird Szenario 1 vorgeschlagen, da somit die Erschließungswege für Anrainer*innen in den beiden Straßen nicht durch Umwege negativ beeinflusst werden. Bei beiden Varianten sind für Großveranstaltungen mit erhöhtem Verkehrsaufkommen externe Parkplätze zur Verfügung zu stellen und je nach Entfernung ein Shuttle-Service anzubieten.

Szenario 1 für die Erschließung (Quelle: Studie Tennisareal DI Georg Rauch).

Auch den Vorwurf fehlender Transparenz oder Mitsprache dementiert der Gemeindechef: "Niemand hätte etwas davon, dass Projekt voreilig zu realisieren. Deswegen werden die Stimmen und Stellungnahmen der betroffenen Anrainer natürlich gehört, bevor es dann am 17. Mai im Rahmen der Gemeindevertretung weiter geht." Auf VOL.AT-Anfrage haben außerdem die Projektverantwortlichen und das ausführende Büro Lang Vonier Architekten ZT GmbH eine umfangreiche Präsentation des Projekts, das den Standort enorm aufwerten würde, für kommende Woche angekündigt.

(VOL.AT)

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