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Mittendrin im Atlantik

©Lothar Steimle
Die 18 Färöer-Inseln sind mehr als nur ein Zwischenstopp vor Island.
Bilder

Nicht selten wird es Unzeit sein, wenn die „MS Norröna“ in Tórshavn einläuft. Abenddämmrig oder morgengrau verhangen, die Straßen nass, das Städtchen ausgefegt und neblig, doch der Wind reißt Hoffnung in die Wolken. Eine Nacht an Bord und ein, zwei Tage – je nach Saison und Fahrplan – haben die Reisenden seit Dänemark schon hinter sich; für die meisten wird es Richtung Island weitergehen.

Fremdes Stück Europa
Jetzt heißt es erstmal Sachen packen und das Auto aus dem Schiffsbauch steuern, hinaus in ein fremdes Stück Europa: auf die Inselwelt der Färöer! Jahrelang waren viele Widerwillige darunter, „zwangsausgesetzt“ auf diesen Inseln, während das Fährschiff Abstecher nach Norwegen oder zu den Shetlands machte, um dort noch ein paar Island-Fahrer einzusammeln. Mittlerweile kann man wählen: direkt von Hanstholm in Dänemark nach Island oder nach wie vor den Klassiker mit Zwischenstopp, drei Tage und drei Nächte auf den Färöern. „Das wird dann auch reichen!“ denken sich die meisten bei einem Blick in den Atlas. Färöer, auf Deutsch die „Schafsinseln“, ein Klacks im Nordatlantik, sieben Grad West und 62 Nord, etwa auf halber Strecke zwischen Norwegen und Island. 46.000 Menschen leben auf den 17 Inseln (dazu kommt eine unbewohnte), rund jeder Dritte in der kleinen Inselhauptstadt, die sich in etwa wie „Tåursch-haun“ ausspricht.

Selbstständige Dänen
Die Färinger sind Dänen und doch selbstständig, leben von Fischfang, Schafzucht, dem Tourismus und der Hoffnung auf den großen Ölfund vor der Küste. Sie sprechen eine Sprache, die mit dem Isländischen verwandt ist, drucken Kronen, für die man sich in Dänemark nichts kaufen kann, und Briefmarken, die bei Sammlern recht beliebt sind. Und einmal haben sie im Fußball gegen Österreich 1:0 gewonnen, der Goalie trug eine inzwischen legendäre weiße Zipfelmütze – seither kennt man die Färöer auch auf dem Kontinent …

Doch eigentlich ist ihr Nationalsport Rudern. Einer ihrer Besten, Ove Joensen, hat es 1986 von seiner kleinen Heimatinsel Nólsoy sogar bis nach Dänemark geschafft – in 41 Tagen! Dafür haben ihm die 249 anderen Nólsoyaner ein Denkmal gesetzt und feiern jährlich im August ein Fest, das selbst die Hauptstädter in Scharen anlockt. Eine halbe Stunde braucht die kleine Fähre bis zur autofreien Insel. Einen Vogelfelsen gibt es dort mit Papageientauchern, ein Dörflein, ein Leuchtfeuer, ein paar Wanderwege und viel Einsamkeit. Doch das allein macht einen Tag von dreien – besser erstmal eine Runde durch Tórshavn.

Ältestes Parlament Europas
Das Parlament steht auf einer Halbinsel im Hafenbecken, heißt Logting und ist mit über tausend Jahren Tradition das älteste Europas. Ansonsten wirkt Tórshavn eher ansatzweise städtisch: ein paar Meter Ladenzeile, eine Kirche, die sie „Dom“ nennen, ein Park mit Kunstmuseum, weiter oben noch das Haus des Nordens und ein Einkaufszentrum. Rund um den Hafen findet man die heimeligsten Ecken: alte Holzhäuser, falunrot oder schwarz geteert, die Dächer zum Teil grasbewachsen, drumrum ein liebevolles Gärtchen – wenn ein Baum drin wächst, ist das der ganze Stolz des Hausherrn. Draußen in der freien Landschaft, der Udmark, sucht man dererlei vergebens: Der raue Wind des Nordatlantiks und 80.000 Schafe geben jungen Bäumen keine Überlebens-Chance.
Der schönste Weg, von Tórs-havn aufzubrechen, führt auf der alten Inselstraße über einen Kamm mit Panorama auf die kleinste Hauptstadt Skandinaviens. Ein Sträßchen zum Spazierenfahren und Genießen, der „Fernverkehr“ fließt im Tunnel unterm Berg durch. Man fährt Fjorde aus, an Meerengen entlang, erklimmt kleine Pässe oder dringt auf Stichstraßen in stille Täler ein, wahlweise zum Welt-Ende, zur malerischen Bucht, oder, vorbei am wilden Wasserfall, zum Zimmer auf dem Bauernhof.

Viele Brücken und Tunnels

Zahlreiche Brücken und Tunnels überwinden Meerengen und Höhenzüge und haben das Inselhüpfen auf den Färöern zu einem Kinderspiel gemacht. Auch die Nordinseln mit ihrem Hauptort Klaksvik und der Flughafen auf Vagar, der bis 2002 nur per Fähre zu erreichen war, sind mittlerweile unterirdisch angebunden. Alle Inselchen wird man nicht sehen, alle Klippen in drei Tagen nicht erklettern können. Am besten also, man verliert sich irgendwo, genießt den Augenblick, die klare Luft und das Licht des Nordens.
Ruhiger und geborgener fühlen sich die Dörfchen an. Ein bisschen fällt man hier und da als Fremder auf, kommt leicht ins Plaudern mit den Färingern über Gott, die Welt, das Wetter – und das kleine Bäumchen, das stolz und allem trotzend vor dem einen Haus im Garten steht …

Färöer gehören zum Königreich Dänemark
Die Färöer sind, wie Grönland, eine „gleichberechtigte Nation“ innerhalb des Königreichs Dänemark, bereits seit 1948 weitgehend autonom und haben mit dem Løgting eines der ältesten Parlamente der Welt. Zwei Abgeordnete werden ins dänische Folketing entsandt, zwei Delegierte sind im Nordischen Rat vertreten. Die Färöer sind nicht Mitglied der Europäischen Union.

819
Meter hoch ist das höchste Kap Europas, das im Norden der Insel Kunoy liegt: Der Kunoyarnakkur fällt steil zum Atlantik ab. Die besten Aussichten aufs Meer gibt es zwischen Eidi und Funningur, wo eine Passstraße zum 882 Meter hohen Slættaratindur führt, dem höchsten Berg der Färöer Inseln.

Österreich ist der liebste Fußballgegner
Seit dem historischen 1:0 über Österreich 1990 von Torkil Nielsen sind die Färöer unter den europäischen Fußballfans bekannt. Der damalige Nationaltorhüter Jens Martin Knudsen ist bekannt für seine weiße Wollmütze. Am 11. Oktober 2008 spielten die Färöer bei der Qualifikation zur Fußball-WM 2010 gegen Österreich erneut 1:1 und erneuerten so das „Trauma“.

Gut ausgebautes Straßennetz
456 Kilometer Straßennetz sind auf den Färöer-Inseln befahrbar, gut ausgebaut und asphaltiert. 15.000 Autos, ein paar Linienbusse und ein paar Touristen tummeln sich darauf.

650 Einwohner im Dörfchen Eidi
Mit seinen 650 Einwohnern gehört das Dörfchen Eidi auf der Insel Eysturoy schon zu den größeren Ansiedlungen auf den Färöern. Die Berge im Hintergrund gehören zur Hauptinsel Streymoy.

Reiseinfos

Anreise: Direktflüge Atlantic Airways ab Kopenhagen, Billund (DK), London, Aberdeen und Oslo sowie Reykjavik (Internet www.atlantic.fo; www.flyfaroe.com).
Ganzjährige Fährverbindung mit Smyril Line ab Dänemark (Hanstholm oder Esbjerg) ein- oder zweimal wöchentlich. Das Schiff fährt weiter nach Seydisfjördur/ Island. (Smyril Line Deutschland, Sell-Speicher Wall 55, 24103 Kiel, Tel. +49 431 200-886, Fax: -8870; E-mail: info@smyrilline.de, Internet www.smyril-line.de).
Unterwegs auf den Inseln: Sehr gutes, voll asphaltiertes Straßennetz, viele Inseln sind mit Brücken und Tunneln verbunden. Linienbusse steuern auch kleinere Orte an (Infos über Bus- und Fährverkehr im Internet unter www.ssl.fo).
Beste Reisezeit: Am wenigsten Niederschlag im Frühsommer; es kann Juni werden, bis die Inseln nach einem langen Winter grün werden. Kleinere Museen haben nur von Juni bis August geöffnet, auch viele Vogelarten (Papageientaucher) sind nur im Sommer zu sehen. Herbst und Winter sturm- und niederschlagsreich.
Wahl: In der Ausgabe November/Dezember 2007 des National Geographic Traveler wurde eine von 500 Experten erstellte Liste der besten Reiseziele der Welt in der Kategorie „Inseln“ veröffentlicht: Die Färöer rangieren auf Platz 1, gefolgt von den Azoren und Lofoten.
Weitere Infos: Färöisches Fremdenverkehrsamt (Ferdarád Froya), P.O.Box 118, FO-110 Tórshavn, Färöer-Inseln (Dänemark), Tel.: +298 355-800; Fax: -801, E-mail: tourist@tourist.com, Internet www.faroeislands.com; www.tourist.fo; www.visit-faroeislands.com (Fremdenverkehrsamt: Unterkünfte, Veranstaltungen).

 

VN-L. Steimle

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