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Mit "Vorarlberg Lines" auf Kurs

Noch pinseln sie sich in ihren Blaumännern am Rumpf der "Austria" entlang. Noch wickelt Kapitän Hans Wüstner neue Drähte in die Steuerung der "Stadt Bregenz".

Aber wenig später steht er wie aus dem Ei gepellt am kleinen Kai des Bregenzer Hafens und blinzelt ins Morgenlicht. Mit stolz geschwellter Brust, auf der „Vorarlberg Lines“ geschrieben steht. „Ist doch gut so“, sagt er, und der ehemalige Betriebsrat der ÖBB-Schifffahrt setzt sein privatwirtschaftlichstes Gesicht auf.

Auch für Notfälle gerüstet

Im Zwischendecksalon der „Austria“ stehen die Stühle noch verkehrt auf den Tischen. Aber das Bett haben sie schon gemacht, im Steuerhaus.

Ein Bett? Für kurze Nächte nach langen Ausflugsfahrten? „Nein“, so hart ist der Dienst auch wieder nicht. Aber Passagiere, die seekrank werden, dürfen hier das Schaukeln und Rollen im Liegen ertragen. „Und im Notfall rufen wir natürlich auch die Rettung.“

Von der Stube aus

Seit 1984 fährt Wüstner zur See. Ein Kindheitstraum? Mit Spätzündung. Beim Bundesheer hatte er ein Zimmer mit Seeblick. Sah hinunter auf die spiegelglatte Fläche und dachte an seinen Bruder, der auf einem der Fahrgastschiffe Dienst tat. Wenn sich das Leben zwischen Stahlhelm und Sturmgewehr erschöpft, wächst die Sehnsucht ins Uferlose. 1984 heuerte Wüstner an. Als Matrose. Dann Kassier, Steuermann und Kapitän.

Gelernt hat er bei Werner Speckle. Der ist Bodenseebären noch ein Begriff. Überhaupt hat Wüstner etwas vom alten Schlag mitbekommen. Er ist der Letzte, der 27 Monate lang in Wien zum Lokführer ausgebildet wurde. Weil Bodenseekapitäne den Winter über ja früher in den Führerstand traten.

Aber das ist vorbei. Heute macht Wüstner ab Ende Oktober erst einmal Urlaub und tritt dann im März wieder an. „Im Sommer fallen genügend Überstunden an.“ Bei „vier bis fünf Tagen am Stück“ und „zwölf Stunden pro Tag“.

Und überhaupt: Was ist das schon, wenn man den See als Arbeitsplatz und bald zwei neue Schiffe hat? Und ab 2007 einen neuen Hafen. Dann werden die Bodenseedampfer nach vorn verlegt und der Hafen wird endlich, „was er für eine Stadt sein sollte“. Zentrum. Flaniermeile. Und vor lauter Begeisterung greift er zum Beispiel Hamburg, was man freilich als Fernziel werten sollte.

ZUR PERSON

Hans Wüstner

  • Beruf: Kapitän
  • Geboren: 10. September 1963
  • Familie: verheiratet, zwei Kinder
  • Ausbildung: Elektrotechnik, Lokführer- und Kapitänsausbildung
  • Laufbahn: 1984 Matrose, zwei Jahre Kassier, dann Steuermann.
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