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Mit viel Können und Charme

Bregenz (fj) - Man wird nie erfahren, wie viele Besucher eigens der chinesischen Dirigentin wegen zum zweiten Orchesterkonzert der Wiener Symphoniker am Montag gekommen waren.

Sicher aber ist, dass Xian Zhang das Publikum im vollbesetzten Festspielhaus auf Anhieb zu begeistern wusste. Mit Können und mit Charme. Und dass unser Festspielorchester nach vier Probetagen bedingungslos auf das Kommando der Frau am Pult hörte.

Anspruchsvoll

Das war auch notwendig angesichts eines höchst anspruchsvollen Programms, das es unter dem Motto „Die Macht des Tanzes“ gemeinsam zu bewältigen galt. Die 35-jährige Dirigentin zeigte sich dieser Aufgabe von einem eigens erhöhten Pult aus durchaus gewachsen. Ihre größte Stärke liegt zweifellos in der ungemein klaren Schlagtechnik.

Die kann sie bereits bei den „Chairman Dances“ aus der Oper „Nixon in China“ (1986) einsetzen, wenn es darum geht, der aus Floskeln der Minimal Music und Foxtrott-Elementen gebauten schillernden Parodie die notwendige Präzision und Leichtigkeit zu geben. Zu einer Entdeckung wird das spätromantisch an der Grenze zur Tonalität angesiedelte zweite Violinkonzert (1954) von Ernst Krenek. Dieser Komponist konnte auch Musik schreiben, die spontan den Weg zum Publikum findet, wie der Beifall beweist.

Der österreichische Geiger Ernst Kovacic, der Krenek noch kannte, bewältigt mit sichtlicher Freude die Tücken des Werkes, kostet die traumhaften melodischen Schönheiten, die Themenvielfalt genüsslich aus. Und das Orchester ist auf optimale Klangbalance programmiert.

Hochpräzision

Vollends in ihrem Element ist Xian Zhang dann in Strawinskys „Le Sacre du printemps“ (1913), einem Markstein der Musik des 20. Jahrhunderts. Sie macht die Symphoniker zu einem Hochpräzisions-Instrument, das mit kleinen Ausnahmen auch perfekt funktioniert.

Wächst über sich selbst hinaus, entfesselt Urkräfte und wird selbst zum Energiezentrum des in größter Besetzung angetretenen Orchesters. Schade, dass bei so viel Perfektion das Emotionale deutlich zu kurz kommt. Strawinskys „Sacre“ ist ein Werk voll Rhythmus und Mystik, das keine Schwächen verzeiht. Aber da gibt es nichts zu verzeihen:

Die Dirigentin hat das Werk faszinierend „drauf“, die Symphoniker spielen sich schier die Seele aus dem Leib, mit Blech in archaischer Würde, gleißenden Holzbläsern, kraftvollen Pauken, wunderbaren Streichern.

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