Mit Landjäger und eigenen Prinzipien zum Rekord

Der Krumbacher ­Josef Albert Steurer lief heute vor 14 Jahren mit 2:20:59 Stunden die Vorarlberger Marathon-Bestzeit.

„Lauf, lauf, du schaffst es – ich höre meinen Betreuer Christoph Oberhauser heute noch laut schreien, als er mich auf dem letzten Kilometer auf Inline-Skates angefeuert hat“, erinnert sich Josef Albert Steurer zurück. Exakt vor 14 Jahren, am 28. September 1997, lief der Krumbacher in Berlin zu einem neuem VLV-Marathon-Rekord. Bei magischen 2:20:59 Stunden blieb die Uhr für den damals 39-Jährigen nach 42,195 Kilometern stehen: Rang 33 und Platz drei in der Klasse M 35 sowie neuer VLV-Rekord und an diesem Tag die zweitbeste Zeit in der ÖLV-Bestenliste des Jahres. Jubelnd fielen sich Steurer, sein Bruder Peter und seine Vereinskollegen vom Tri Team Bregenzerwald in die Arme. Sie hatten ihn mit Getränken und Essen verpflegt, legten den Weg in einem eigenen Marathon per U-Bahn zurück. Den letzten Kilometer ist die Ländle-Truppe mit Steurer gemeinsam gerannt – oder gefahren wie Oberhauser. Mit Glück hatte Steurer, der nachmeldete, noch einen der letzten Startplätze bekommen. Am Vortag des Marathons lief das Team die Strecke ab, um geeignete Verpflegungspunkte zu suchen. „Am Abend taten mir die Beine ziemlich weh, aber ich vertraute auf meine Vorbereitung“, beschrieb Steurer. Die war naturellgemäß speziell.

MitLandjäger in die Berge

„Zwei Wochen vor dem VLV-Rekordlauf in Berlin lief ich eine Woche lang von sieben Uhr morgens bis zehn Uhr nachts über die Berge, von Hochkrumbach ins Hahntennjoch und zurück. Ich aß nur einen Landjäger am Tag. Dadurch nahm ich fünf Kilogramm ab und merkte von Tag zu Tag, dass ich stärker wurde. Beim Marathon wog ich 65 Kilogramm bei einer Körpergröße von 178 cm.“ Steurer war damals schon Zollbeamter und Mitglied des österreichischen Zollkaders im Skilanglauf. Irgendwann hatte er gemerkt, dass ihm das Laufen ganz leichtfiel. „Es ist für mich eine Art Meditation. Eine Therapie für Körper, Geist und Seele. Ich war stets mein eigener Trainer. Spaß musste es machen“, erklärt Steurer. „Mein Trainingspensum war eine Stunde am Morgen und eine Stunde am Abend“, staunt der Krum­bacher über die heute enormen Trainingsumfänge. „Ich habe mich viel mit der Technik beschäftigt, denn mein Ziel war es immer, so ökonomisch wie möglich zu laufen. Ich wollte wenig Energie verbrauchen, blieb immer im Windschatten, lief in einer Gruppe oder suchte den kürzesten Weg“, erklärt der heute 53-Jährige. „Ich hatte im Training meine eigenen Prinzipien, machte Stretching, autogenes Training und Gymnastik.“ Er vertraute auf die „Fünf Tibeter“ – hier werden durch fünf Bewegungsabläufe die sieben Energiezentren im Körper aktiviert. Steurer blickt auf mindestens zehn Marathons unter 2:30 Stunden zurück. „Sein Kampfgeist war unbeschreiblich. Er war ganz auf seine Aufgabe fokussiert, konnte sich unglaublich quälen und vom Anfang bis zum Ende konstant laufen“, erzählt Bruder Peter. „Selbst wenn ich total blau war, zog ich voll durch. Das war wohl einer der Erfolgsfaktoren“, meint der zweifache Familienvater. Seinen letzten Marathon beendete er 2008 in Bregenz. Mit 50 Jahren lief Steurer 2:38:31 Stunden, wurde Landesmeister und Österreichischer Meister in der M-50-Klasse. „Noch einmal unter 2:30 zu laufen würde mich reizen“, gibt er zu.

Jeden Mittwoch ist Lauftreff

Die aktuelle Vorarlberger Jahresbestzeit im Marathon hält Thomas Summer (SG Götzis/Forever Power Team). Der Hohenemser lief in Wien eine Zeit von 2:31:05 Stunden. „Je länger der Rekord hält, umso mehr bedeutet er mir. Aus Spaß am schnellen Laufen habe ich das damals geschafft. Vielleicht fehlt den heutigen Läufern das Urvertrauen in sich selbst“, meint Steurer. Noch heute ist für ihn Laufen Glück. „Ich bin sehr dankbar, dass ich das alles erleben durfte und darf“, meint der Ländle-Rekordhalter. Heute organisiert er jeden Mittwoch Lauftreffs mit seinem Verein „Im Wald läuft’s“. Wir laufen ohne Druck, nur für die Seele“, lädt er Interessierte ein, seine Laufphilosophie kennenzulernen.

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