Mit Kiki, Kind und Kegel

Die erste "VN"-VKW-Kraftwerkswanderung war ein spannendes Erlebnis für alle.
Mit Kiki, Kind und Kegel

Der kleine Jakob zeigte noch wenig Stehvermögen. Aber der Bub ist ja auch erst knapp ein Jahr alt. Schon auf gutem Weg befindet sich dafür die von den VKW vor etwa eineinhalb Jahren gegründete Ökostrom-Gesellschaft. Rund 300 Haushalte sind bereits Ökostrombezieher. Auch Hubert Feldkircher gehört zu den Kunden. Jetzt wollte er „der Sache genauer auf den Grund gehen” und war, wie viele andere Interessierte, gestern im Walgau unterwegs zum Strom.

Begeisterte Familien

Im Zuge der „VN”-VKW-Aktion „Energie für unser Leben” wurden zwischen Schlins und Thüringen verschiedene Klein- und Großkraftwerke besichtigt, wobei Organisator Klaus Bitsche großen Wert auf Familienfreundlichkeit legte. Was ihm offenbar gelang. „Die Wanderung hat uns angesprochen”, bestätigten Monika und Matthias, die Klein-Jakob in den Kiki und Tochter Julia aufs Rad packten und begeistert mitstrampelten. „Eine tolle Aktion”, schwärmte auch die Feldkircher Umweltstadträtin Marlene Thalhammer. Tanja und Michael wiederum nützten das Angebot für einen Ausflug mit Tochter Lisa-Marie. Außerdem wollte der Vater, der beruflich Turbinen baut, die „Möglichkeit nützen, um einmal etwas anderes zu sehen”.

Tiefe Einblicke

An ungewöhnlichen Einblicken mangelte es der buntgemischten Gruppe, die sich trotz ungemütlichem Wetter schon am Vormittag mit Kiki, Kind und Kegel von Frastanz aus auf die knapp zwanzig Kilometer lange Strecke machte, wahrlich nicht. Außerdem erwies sich Klaus Bitsche als versierter Führer. Derzeit gibt es etwa 120 Kleinkraftwerke. Davon speisen 84 den erzeugten Strom „zu vernünftigen Tarifen”, wie er versicherte, ins VKW-Netz ein. Ökostrom ist um 0,70 Cent teurer als herkömmlicher Strom. Das ergibt bei einem durchschnittlichen Haushalt 50 bis 56 Euro Mehrkosten im Jahr. Dennoch kann sich Klaus Bitsche über mangelnde Nachfrage nicht beklagen. „Immer mehr Leute wollen wissen, woher ihr Strom kommt, außer aus der Steckdose.”

Insgesamt hätte er 60 Mio. Kilowattstunden anzubieten. Vorderhand verkauft er pro Jahr etwa 13 Mio. Kilowattstunden. Neben Privathaushalten zählen die Gemeinden Wolfurt, Mäder, Bregenz und Lustenau zu den größten Abnehmern. Gespräche gibt es außerdem mit dem Land. Klaus Bitsche liebäugelt aber auch Kunden mit Kunden aus dem Tourismusbereich. „Ökostrom könnte bei der Bewerbung einer Region durchaus als Qualitätsmerkmal gelten”, meint der Marketing-Experte.

Die Teilnehmer der ersten Kraftwerkswanderung machten sich darüber weniger Gedanken. Sie staunten lieber über das Innenleben, das die kleinen Kraftwerke boten. Im bald seit 100 Jahren bestehenden E-Werk Metzler in Schlins beispielsweise werden pro Sekunde vier Kubikmeter Wasser zu Strom verarbeitet. Früher wurde sogar das ehemalige Krankenhaus Gaisbühel beliefert. Heute gehen rund 500.000 Kilowattstunden pro Jahr ins Netz der Ökostrom GmbH.

Ein paar Kilometer weiter oben steht das Kleinkraftwerk von Josef Waltle, das er dereinst der Firma Lorünser abgekauft hat.

Altes und Neues

Er freut sich vor allem über das unbefristete Wasserrecht. Das ist nämlich nicht mehr selbstverständlich. Waltle hat die 1850 errichtete Anlage so revitalisiert, dass Altes und Neues harmonisch nebeneinander läuft, sodass Besucher auch noch einen Blick auf die Technik von anno dazumal erhaschen. Anziehungspunkt ist das liebevoll instandgesetzte Schwungrad, das Turbine und Generator noch immer wie geschmiert verbindet. Von den 580.000 Kilowattstunden wird ein kleiner Gewerbepark versorgt, der große Rest als Ökostrom verkauft.

Etwas kleiner gibt es Johann Amann aus Thüringen mit 55.000 Kilowattstunden pro Jahr. „Aber alles zusammen bedeutet eine gute Entwicklung für Vorarlberg”, zeigte sich Marlene Thalhammer hoffnungsfroh. Und weil Engel reisten, gab es zur Grillparty am Schluss auch noch reichlich Sonnenschein.

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