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Mit Kehrkugel und Bürste in luftiger Höhe

Der Schornsteinfeger war jahrhundertelang gern gesehen, weil er Unglück in Form von gefürchteten Feuersbrünsten verhinderte. Er sorgte für einen sauberen Schornstein, brachte damit Glück für das ganze Haus und seine Bewohner.

„So denken viele auch noch heute“, erzählt Nadja Streitler, „da kann es schon vorkommen, dass einer meine verrußte Kleidung als Glücksbringer anfassen will.“ Die 21-Jährige fegt nunmehr seit fünf Jahren als Kaminkehrerin über und unter den Dächern von Dornbirn. Angefangen hatte alles mit einer Schnupperlehre in der Kosmetikbranche. „Fußpflege und Haare waxen. Das war wirklich gar nichts für mich.“ Auch Einblicke in den Metallbau und Sport-Einzelhandel waren nicht gerade Traumjobs. Bis sie auf ein Inserat ihres bezirkszugehörigen Kaminkehrers aufmerksam wurde, der Lehrlinge suchte. „Nach ein paar Tagen Schnuppern war klar: „Das ist es.“

Kehren kann doch jeder

Ihre Freunde waren anfangs noch skeptisch ob der ungewöhnlichen Berufswahl. Doch die gebürtige Dornbirnerin räumte schnell mit gängigen Klischees, „Ruß kehren kann doch jeder“, auf. Moderne Heizungen und alternative Energieformen haben das Tätigkeitsfeld des Rauchfangkehrers verändert. So ist Fachwissen schon bei der Planung von neuen Heizungsanlagen und Kenntnisse in Bau-, Heizungs- sowie Brandschutztechniken gefragt. „Ohne technisches Verständnis und gute Noten in der Schule geht in diesem Beruf gar nichts“, sagt auch Nadjas Chef Walter Sutterlüti.

Technisches Fachwissen

Seit ihrem Lehrabschluss vor zwei Jahren ist Gesellin Nadja in Dornbirn für rund 500 Kunden pro Jahr verantwortlich. Zum täglichen Job gehören Abgasmessungen, Minimierung von Staubemissionen, Überprüfen und Reinigen von Öl- oder Gasheizungen und Kachelöfen dazu. Da moderne Heizanlagen weniger Dreck durch die Schornsteine blasen, wird auch weniger gekehrt. Was aber nicht heißt, dass Stoßbürste, Tschimperling – ein kleiner Kehrbesen – und die bis zu fünf Kilo schwere Kehrkugel überflüssig geworden sind. Was Kaminkehrerin Nadja an ihrem Job am besten gefällt? „Man ist viel an der frischen Luft, kommt mit allerlei Leuten in Kontakt und kann sich den Tag selber einteilen. Und: Man ist sein eigener Chef. Das ist ein gutes Gefühl.“

ZUR PERSON

Nadja Streitler
Beruf: Kaminkehrerin
Alter: 21 Jahre
Wohnort: Dornbirn
Ausbildung: dreijährige Lehre als Kaminkehrerin, seit zwei Jahren als Gesellin unterwegs
Hobbys: Snowboarden, Fußball

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