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Mit Goldenem Bären ausgezeichnet

Jasmila Zbanic - AP Archiv
Jasmila Zbanic - AP Archiv
Jasmila Zbanic erhielt vergangenen Samstag auf der Berlinale für ihren Debüt-Spielfilm „Grbavica“ den Goldenen Bären.

Nach ihrer Rückkehr nach Bosnien sprach die 1974 in Sarajevo geborene Drehbuchautorin und Regisseurin im APA-Interview über ihren Film, ihr Verhältnis zu ihrer Heimat und ihr Engagement für vergewaltigte Frauen. Am 2. März kommt Zbanic gemeinsam mit ihrer Hauptdarstellerin Mirjana Karanovic und Produzentin Barbara Albert (coop99) anlässlich der Eröffnung des Filmfestivals „FrauenWelten“ nach Wien.

APA: Mit Ihrem ersten Film „Grbavica“ haben Sie gleich den Goldenen Bären gewonnen. Haben Sie das erwartet?

Zbanic: Die größte Auszeichnung war die wundervolle Reaktion des Publikums. Dass die Leute zehn Minuten lang stehend applaudieren, all die emotionalen Reaktionen, das war es wirklich, was mich am meisten bewegt hat. Ich möchte frei arbeiten. Je mehr Menschen diesen Film sehen, desto leichter wird es in Zukunft.

APA: In Ihrer Dankesrede sagten Sie, Sie glauben zu träumen. Ein paar Tage später: Welche Gefühle hat der Goldene Bär ausgelöst?

Zbanic: Ich kann es immer noch nicht glauben. Aber die Reaktion der Menschen in meinem Umfeld war derart stark, dass ich diesen Moment der medialen Aufmerksamkeit nützen möchte, um etwas zu bewegen. In unserem Land muss sich etwas verändern. Es gibt in Bosnien noch immer kein eigenes Gesetz für vergewaltigte Frauen. Sie werden immer noch als zivile Kriegsopfer behandelt, es gibt keine Spezialkategorie für sie. Daher müssen sie in langwierigen Verhandlungen beweisen, dass sie vergewaltigt wurden, was einerseits nicht leicht ist, weil ihnen ja zum Beispiel keine Gliedmaßen fehlen, auf der anderen Seite wollen viele von ihnen nicht darüber sprechen. Diese Frauen leben oft von nur 15 Euro im Monat. Das will ich ändern.

APA: Haben Sie die Befürchtung, dass Ihr Film mehr auf Grund der politischen Relevanz gewonnen hat und die künstlerische Dimension in den Hintergrund gerückt ist?

Zbanic: „Grbavica“ ist ein sehr guter Film, der die Herzen der Menschen berührt hat. Das Publikum kümmert sich nicht, ob es ein politischer Film ist oder nicht. Ich bin der Meinung, dass da andere Filme viel politischer sind als meiner.

APA: In Sarajevo wurde gejubelt. Ihr Schauspieler Ermin Bravo hat gesagt, dass der Goldene Bär zeigt, dass Bosnien mehr Geld in Film-Produktionen stecken sollte.

Zbanic: Seit die bosnischen Kriegssatire „No Man’s Land“ von Danis Tanovic 2002 einen Oscar gewonnen hat, gibt es in Bosnien einen Filmfonds. Allerdings schüttet der pro Jahr schätzungsweise eine Million Euro aus, was nicht gerade viel ist. Doch es gibt die Tendenz, dass immer mehr bosnische Filme gedreht werden. Zehn Filme pro Jahr sind schon viel, etwa die Hälfte davon hat irgendwelche Preise gewonnen. Das zeugt von Qualität. Ich bin der Meinung: Je mehr Geld es gibt, desto mehr gute Filme werden entstehen.

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