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Mit dem Polster eiskalt zuschlagen

Zwei Frauen bearbeiten einander mit Polstern, ducken ab, blocken Schläge, springen vor und zurück: Die Zeit ist reif für die erste Polsterschlacht WM.
Polsterschlacht WM in USA

Der Dunst von abgestandenem Schweiß liegt in der Luft. Das Holz ist alt und dunkel, der Parkettboden hat schon bessere Tage gesehen. In das Kellerlokal dringt wenig Licht und wenig Frischluft. Regungslos hängen die Punchingbälle von der Decke herunter und warten vergeblich auf die Rockys aus Wien-Favoriten. Nur aus der hintersten Ecke des Boxclubs dröhnen dumpfe Geräusche und lautes Gekeuche. Hartes Sparring zweier Boxer im Ring?

Polsterschlacht kann auch hart sein

Mitnichten. Hier gibt es eine Polsterschlacht. Wobei das auch hart ist: Zwei Frauen bearbeiten einander mit Polstern, ducken ab, blocken Schläge, springen vor und zurück, fintieren, um die Lücke in der Deckung der Gegnerin zu finden. Und schlagen dann mit dem Polster eiskalt zu. Auf den Kopf oder auf den Rumpf, denn das gibt Punkte. Wenn es ein Wettkampf wäre. Aber hier wird trainiert, für die Pillowfight-Weltmeisterschaft, die in nicht einmal zwei Wochen in New York startet. Pillowfight ist der englische Begriff für die hierzulande weit gebräuchlichere Polsterschlacht. Und die Weltmeisterschaft soll mit österreichischer Beteiligung, nämlich der “Punching Polsters”, stattfinden.

Training für Polsterschlacht

Zweimal die Woche treffen einander die Mitglieder des reinen Frauenteams zur Polsterschlacht in den ehrwürdigen Räumlichkeiten der Boxunion Favoriten in der Quellenstraße, die seit 1935 dort residiert. Nicht dass der Keller nicht zwischendurch renoviert worden wäre, Geschichte hat er in jedem Fall. Wobei die “Punching Polsters” ein ziemlich junges Kapitel davon sind: Sie wurden erst im Vorjahr gegründet.

Seit 2010 ist auch Maylin Kretzschmar Mitglied der “Punching Polsters”: “Ich habe Nele (Nele Meier, Anm.) getroffen, und das war dann ein sehr lustiger Abend”, schildert sie mit verschmitztem Lächeln den ersten Kontakt zur Polsterschlacht -Gang. Nele habe ihr dann vom Pillowfight erzählt: “Das klingt schon so absurd, das muss ich probieren”, war Kretzschmars Zugang.

Polsterschlacht als Ausgleich

Für Gudrun Grondinger, an sich Yoga-Anhängerin, ist die Polsterschlachtgenau der richtige Ausgleich: Aggressionsabbau, Abfließen lassen der Energie nach außen hin. Warum dann Pillowfight und nicht Boxen? “Ich tu mir schwer, jemandem so richtig in die Fresse zu hauen. Und Frauen überhaupt, einen Mann könnte ich leichter schlagen.”

Die Sache sieht durchaus anders als das kindliche Raufen mit den Eltern oder Freunden aus, bei dem man am Sonntag mit Polstern aufeinander eindrischt. Eben eine Polsterschlacht. “Trefferfläche sind der Kopf und der Torso, aber der Rücken zählt nicht”, erklärt Nele Meier. Für korrekte Treffer bekommt man von zwei Kampfrichtern Punkte. Gekämpft wird nur eins gegen eins, bei Gleichstand entscheidet der Kampfstil.

Schläge bei der Polsterschlacht

Erlaubt sind sowohl ein- als auch zweihändig ausgeführte Schläge bei der Polsterschlacht. Letztere sind allerdings nur zu empfehlen, wenn man die Widersacherin ziemlich in der Defensive hat. Dreht man der Gegnerin den Rücken zu, bringt das Punkteabzüge. Beim dritten Mal wird man aus dem Kampf genommen. Ein Pillowfight dauert zwei Runden zu jeweils zwei Minuten mit einer Minute Pause.

“Die brauchen wir auch dringend”, sagt Kretzschmar. Wer die Frauen in Aktion sieht, glaubt dies auch. In atemberaubenden Tempo wird ausgeteilt, geblockt und eingesteckt. Wie beim Boxen ist die Beinarbeit genauso wichtig wie schnelle und starke Hände. Nach zwei Minuten sind die Polsterkämpferinnen komplett ausgepumpt.

Image der Polsterschlacht

Warum nur Frauen am Pillowfight teilnehmen? “Ich glaube, Männer tun das als lächerlich ab”, so Kretzschmar. Das habe sicher etwas mit dem Image der Polsterschlacht zu tun: In Kanada beispielsweise gebe es öffentliche Pillowfights, aber dort würden die Kämpferinnen eher knapp bekleidet vor johlenden Zuschauern auftreten. Das habe eher einen sexistischen Anstrich.

In nicht einmal zwei Wochen steigt jener Event, bei dem die “Punching Polsters” alias “The Austrian National Pillowfight League” hoffen, den ersten jemals vergebenen Titel nach Österreich zu holen. In New York treten Teams aus bisher vier Nationen, neben den heimischen Kämpferinnen Gegnerinnen aus den USA, Japan und Schweden, an. Kretzschmar rechnet sich gute Chancen aus: “Wir sind technisch sehr stark.” Damit die Reise auch wirklich gesichert ist, wären Sponsoren sehr willkommen. (APA)

Video: Polsterschlacht WM in den USA

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