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Michael Köhlmeier im 3sat-Porträt

Schwarzach - Im Herbst 2009 machte sich 3sat-Redakteurin und "CLUB 2"-Moderatorin Renata Schmidtkunz auf zu einer Reise in die Welt des Vorarlberger Schriftstellers und Erzählers Michael Köhlmeier.

Im Laufe dieser sehr persönlichen Begegnung zeichnet sie in der ORF/3sat-Produktion “Meine Geschichten erzähle ich mir selbst” am Samstag, dem 8. Mai 2010, um 21.00 Uhr in 3sat ein vielseitiges und humorvolles Bild des in Hohenems in Vorarlberg lebenden Künstlers und seiner Frau, der Schriftstellerin Monika Helfer.

Der Mann ist ein Fabulierer: der Vorarlberger Schriftsteller Michael Köhlmeier: “Jede Geschichte hat etwas Märchenhaftes”, sagt er. Wenn Köhlmeier schreibt und dabei erzählt, geht es ihm nicht um die Darstellung von Wirklichkeit, sondern um das Erzählen einer Wahrheit, die jenseits des realen Lebens liegt und trotzdem unmittelbar damit zu tun hat. Auf die Frage, was ein Künstler sei, hat er eine einfache Antwort: in erster Linie einer, der sein Handwerk beherrscht. Mit dieser Fähigkeit erschafft Köhlmeier seine eigene Wirklichkeit – seine Romanfiguren bekommen, so sagt er, ein Eigenleben und diktieren ihm die Geschichten.

Michael Köhlmeier wollte immer nur Schriftsteller werden. Für seinen Vater, Alois “Wise” Köhlmeier, Mitbegründer der “Neuen Vorarlberger Tageszeitung”, war ein Buch “das Allerheiligste”, wie Köhlmeier sagt. Den Berufswunsch des Sohnes hat er mit Kräften unterstützt: “Es gab für ihn nichts Schöneres, als dass sein Sohn Schriftsteller wird.” Von der Großmutter und ihrer “magischen Weltsicht” lernt er das Geschichtenerzählen.

Die Mutter stammt aus Coburg/Deutschland. Nach einer Fehlgeburt müssen Michael und seine Schwester Birgit zwei Jahre bei der Schwester der Mutter in Coburg leben. Eine kindliche Kränkung, die Köhlmeier lange nicht verkraften kann. Ebenso wenig wie die vier Jahre, die er im Kapuzinerinternat in Feldkirch verbringen muss. “Das Schreiben war an diesem Ort, an dem einem alles weggenommen wurde, der einzige Trost.” Mit zwölf Jahren schreibt Köhlmeier dort seine erste Kurzgeschichte über Untersee-Abenteuer. Seine unglückliche Schulzeit beschreibt er 1989 in dem Roman “Die Musterschüler”. Mit “Bleib über Nacht” (1993) arbeitet er die unglückliche Ehe der Eltern auf. Zum Studium zieht es ihn nach Marburg. Er schreibt sich für Germanistik und Politikwissenschaften ein – und entgeht so dem Wehrdienst im österreichischen Bundesheer. Um Mathematik und Philosophie zu studieren, wechselt er nach Gießen. Acht Jahre lebt er in Deutschland, dann siegt das Heimweh.

Seine ersten journalistischen Erfahrungen sammelt Köhlmeier als freier Mitarbeiter im ORF-Landesstudio Vorarlberg. In diese Zeit fällt auch der Beginn seiner Zusammenarbeit mit Reinhold Bilgeri. Als das Duo “Ray & Mick” blödeln sich die zwei durch Fernsehshows und kreieren miteinander die “geheime” Landeshymne Vorarlbergs “Oho Vorarlberg“. Heute will Köhlmeier an diese Zeit nicht gern erinnert werden.

1981 heiratet er seine große Liebe: die Vorarlberger Schriftstellerin Monika Helfer. Sie bringt zwei Kinder, Oliver und Udine, mit in die Ehe. Zwei gemeinsame Kinder, Paula und Lorenz, folgen. Der erste literarische große Erfolg stellt sich mit dem Roman “Der Peverl Toni und seine abenteuerliche Reise durch meinen Kopf” 1982 ein. Dafür bekommt er 1983 den “Rauriser Literaturpreis”. Doch nur mit Literatur kann Köhlmeier, der bereits 1974 den “Rauriser Förderungspreis für Literatur” erhält, keine sechsköpfige Familie ernähren. Monika Helfer erinnert sich: “Der Michael musste so viele verschiedene Dinge machen, bis hin zu Artikeln über orthopädische Hilfsmittel. Er hat alles gemacht, damit Geld reinkam.”

1995 gelingt ihm der große – auch finanzielle – Durchbruch mit der Neuerzählung der “Sagen des klassischen Altertums”. Köhlmeier dazu: “Das Komische ist, dass ich bezüglich der Sagen immer missverstanden wurde. Ich habe diese Sagen nämlich eigentlich nur nebenbei erzählt. Hauptsächlich habe ich meine Bücher geschrieben.” 2003 stirbt Tochter Paula bei einem Spaziergang auf dem Schlossberg von Hohenems. Auch sie war – wie ihre Eltern – eine begabte Schriftstellerin und Erzählerin. Ihr Roman “Maramba” wurde 2005 posthum veröffentlicht. Köhlmeier verarbeitet den Verlust der Tochter 2008 in dem Roman “Idylle mit ertrinkendem Hund”. Ein Jahr zuvor hat er ein – wie die Kritiker jubelten – “Jahrhundertwerk” vorgelegt: den Roman “Abendland”. Im Herbst 2010 wird im Hanser Verlag sein jüngstes Werk erscheinen: “Madalyn”, die Geschichte einer ersten großen Liebe.

Michael Köhlmeier ist ein vielseitig begabter Künstler, der auch mit großer Leidenschaft musiziert. 2008 erscheint die CD “12 Lieder nach Motiven von Hank Williams”, auf der Köhlmeier die Songs der amerikanischen Country-Legende Hank Williams nicht nur einfach ins Deutsche übersetzt, sondern sie neu dichtet: Liebesgeschichten, Eifersuchtsgeschichten, Tanzlieder, Gebete.

Köhlmeier sieht die Aufgabe des Schriftstellers nicht darin, die Lesenden zu einem besseren Leben zu führen. Zumindest nicht durch seine Literatur. Das, sagt er, sei – wenn überhaupt – die Aufgabe des Bürgers Köhlmeier. Seit 2008 ist er einer von sechs Gastgebern in der ORF-Diskussionssendung “CLUB 2”. Über seine Funktion als Fernsehmoderator sagt er: “Ich sehe mich als aufgeklärten Bürger, der das Privileg hat, in der Öffentlichkeit einen politischen Diskurs führen zu können. Das ist auch eine Verpflichtung.” Michael Köhlmeier erzählt sich seine Geschichten in erster Linie selbst. Warum? “Um mir selbst ein Koordinatensystem zu geben. Ich habe erfahren, dass ich mir das nur selbst geben kann.”

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