Mexiko: Wahlergebnis verzögert sich

Nach dem Kopf-an-Kopf-Rennen bei der Präsidentenwahl in Mexiko soll eine Nachzählung die Entscheidung bringen. Laut Wahlbehörde werden die Stimmzettel nochmal ausgezählt.

Mit einem endgültigen Ergebnis wird erst am Wochenende gerechnet. Nach Auszählung von gut 83 Prozent der Wahlzettel lag der konservative Präsidentschaftskandidat Felipe Calderon mit 36,98 Prozent hauchdünn vor dem gemäßigten Linken Andres Manuel Lopez Obrador mit 35,81 Prozent. Beide Kandidaten beanspruchten den Sieg für sich. Amtsinhaber Vicente Fox, der nicht erneut kandidieren durfte, rief zu Geduld auf.

Die Entscheidung sei „unumkehrbar“, sagte Lopez Obrador (52) vor tausenden Anhängern seiner Partei der Demokratischen Revolution (PRD), auf dem Zocalo, dem zentralen Platz von Mexiko-Stadt. Er habe rund 500.000 Stimmen Vorsprung vor dem Kandidaten der Partei der Nationalen Aktion (PAN), Calderon. Der 43-jährige Calderon reklamierte ebenfalls den Sieg für sich: „Wir haben vom ersten Auszählungsergebnis an vorne gelegen“, sagte der Kandidat am Sitz seiner Partei im Süden der Hauptstadt.

Der Vorsitzende der Wahlbehörde IFE, Luis Carlos Ugalde, kündigte eine händische Auszählung in allen 300 Bezirken an. Die Prozedur war erwartet worden, weil der Stimmenunterschied zwischen den beiden Bestplatzierten weniger als einen Prozentpunkt betrug. An dritter Stelle landete Roberto Madrazo von der Partei der Institutionalisierten Revolution (PRI), die Mexiko mehr als 70 Jahre lang autoritär regiert hatte. Auch er räumte seine Niederlage noch nicht ein.

Fox, die USA und die katholische Kirche bemühten sich in der unklaren Situation, die Gemüter zu beruhigen. Die US-Regierung freue sich auf die Zusammenarbeit mit jedem, der zum Sieger erklärt werde, sagte der US-Botschafter in Mexiko, Tony Garza.

Bei den Parlamentswahlen, die am Sonntag ebenfalls stattfanden, lag Hochrechnungen zufolge Calderons PAN mit rund 35 Prozent vor der PRD mit 31 Prozent. Die PRI kam auf 28 Prozent der Stimmen. Auch bei den Gouverneurswahlen in den drei Bundesstaaten Jalisco, Morelos und Guanajuato lag die PAN vorne.

Neuer Bürgermeister des rund 20 Millionen Einwohner zählenden Mexiko-Stadt und somit Nachfolger von Lopez Obrador wird der linksgerichtete Politiker Marcelo Ebrard (PRD). Der 46-Jährige erhielt bei der Wahl am Sonntag mehr als 50 Prozent der Stimmen und setzte sich damit klar gegen seine Mitbewerber Demetrio Sodi von der PAN und Beatriz Paredes (PRI) durch. „Wir müssen die wirtschaftlichen und sozialen Ungerechtigkeiten verringern“, forderte Ebrard. Neben der Armutsbekämpfung sieht der Politiker seine Aufgabe darin, die Stadt sicherer zu machen.

Rund 71 Millionen Mexikaner waren am Sonntag zur Wahl eines neuen Präsidenten aufgerufen. Die Wahlbeteiligung lag bei über sechzig Prozent. Der neue Präsident tritt sein Amt am 1. Dezember an. Fox’ Wahlsieg vor sechs Jahren war als Ende der Einparteienherrschaft der PRI gefeiert worden. Der Konservative konnte jedoch die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllen. Ein Grund dafür war die fehlende Mehrheit seiner PAN im Parlament.

Lopez Obrador trat mit dem Slogan „Die Armen zuerst“ an. Calderon stellte seinen Rivalen im Wahlkampf in eine Reihe mit dem USA-feindlichen venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez. Im Gegensatz zu Chavaz zeigte sich Lopez Obrador bisher wenig an Außenpolitik interessiert. Calderon steht als langjähriger Abgeordneter und früherer Energieminister (2003-2005) für einen wirtschaftsliberalen Kurs und für Kontinuität in der Außenpolitik.

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