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Merkel beharrt: "Wir schaffen das - es gibt keinen Aufnahmestopp"

Merkel bei Anne Will: Es gibt keinen Aufnahmestopp.
Merkel bei Anne Will: Es gibt keinen Aufnahmestopp. ©EPA
Die Kanzlerin gibt sich in der Flüchtlingskrise unbeirrt. Deutschland soll Migranten weiter freundlich aufnehmen. Aber CSU-Chef Seehofer droht eher unfreundlich. Und auch der Koalitionspartner SPD vermisst eine Strategie. Die Union sei "bipolar".
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Seehofer droht mit "Notwehr Bayerns"

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beharrt trotz wachsenden Widerstandes auch in den eigenen Reihen auf ihrer großzügigen Flüchtlingspolitik. “Deutschland ist ein Land, dass die Flüchtlinge freundlich empfängt”, sagte sie in der ARD-Talkshow “Anne Will” am Mittwochabend. Die Kanzlerin verbreitete wie schon seit Beginn der Flüchtlingskrise Zuversicht: “Wir schaffen das, da bin ich ganz fest davon überzeugt.” Auf Spekulationen darüber, dass sie am Freitag den Friedensnobelpreis bekommen könnte, reagierte Merkel eher genervt. “Die Diskussion bedrückt mich fast.” Sie sei derzeit mit ganz anderen Dingen beschäftigt.

Seehofer droht mit “Notwehr” Bayerns

In den eigenen Reihen und beim Koalitionspartner SPD wurde unterdessen zunehmend Kritik an Merkels Kurs laut. CSU-Chef Horst Seehofer drohte gar mit “Notwehr”, sollte die Bundesregierung keine Schritte zur Begrenzung der Flüchtlingszahlen unternehmen. Zuletzt war beispielsweise erwogen worden, Flüchtlinge einfach per Zug in andere Bundesländer weiterzuschicken.

Video: Angela Merkel bei Anne Will

Die SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi warf der Kanzlerin vor, keine ausreichende Antwort auf die Herausforderungen der Krise zu haben. “Angela Merkel steht nicht dafür, dass sie ausgereifte Gesellschaftskonzepte auf den Tisch legt, sondern dafür, kurzfristig zu agieren und auf Sicht zu fahren”, sagte Fahimi der Deutschen Presse-Agentur. Mit Blick auf die CSU-Position und die Willkommensgeste der Kanzlerin meinte die SPD-Politikerin, die Union erzeuge gerade “eine politische Bipolarität, wie sie extremer kaum sein könnte”. Die Union sei zerrissen.

EU-Staaten diskutieren Maßnahmen zur Abschiebung

Die EU-Staaten, von denen viele die Aufnahme einer großen Zahl von Flüchtlingen ablehnen, wollen am Donnerstag Maßnahmen diskutieren, wie abgelehnte Asylbewerber schneller wieder in ihre Heimat zurückgeschickt werden können. “Die EU und ihre Mitglieder müssen mehr tun in Bezug auf die Rückführung”, heißt es in einem Beschlussentwurf für ein Treffen der EU-Innenminister am Donnerstag in Luxemburg. “Höhere Rückkehrquoten sollten zur Abschreckung für die irreguläre Migration dienen.”

Merkel und Hollande: Keine nationale Abschottung

Am Mittwoch hatte Merkel zusammen mit Frankreichs Präsidenten François Hollande vor nationaler Abschottung in der Flüchtlingspolitik gewarnt. “Wir dürfen in der Flüchtlingskrise nicht der Versuchung erliegen, in nationalstaatliches Handeln zurückzufallen”, sagte sie im Europaparlament in Straßburg. Hollande warb an ihrer Seite für eine weitere Vertiefung der Europäischen Union und mahnte, andernfalls drohe “das Ende Europas”.

Auftritt bei Anne Will: Es gibt keine einfachen Lösungen

Merkel nutzte ihren ersten Auftritt in einer TV-Talkshow seit langem dazu, bei den Bürgern um Verständnis zu werben. Die CDU-Chefin sagte, sie werde nichts versprechen, was sie nicht halten könne. Es gebe keine einfachen Lösungen und es sei nun mal nicht möglich, die Grenze zu schließen. “Es gibt den Aufnahmestopp nicht.”

Auch an der CDU-Basis stößt Merkels Kurs zunehmend auf Kritik. 34 CDU-Funktionäre aus acht Bundesländern forderten in einem Schreiben an die Parteivorsitzende klare Maßnahmen gegen den Flüchtlingsandrang. “Die gegenwärtig praktizierte “Politik der offenen Grenzen” entspricht weder dem europäischen oder deutschen Recht noch steht sie im Einklang mit dem Programm der CDU”, heißt es in dem Brief, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt und über den zuerst “Spiegel Online” berichtete.

In Erfurt demonstrierten am Mittwochabend erneut mehrere Tausend Menschen bei einer Kundgebung der rechtskonservativen AfD gegen die Asylpolitik. Die Polizei sprach von 8000 – das wären so viele wie noch nie. Vor einer Woche waren es rund 5000. Die Partei ruft seit einem Monat immer für Mittwoch zu Demonstrationen gegen die Asylpolitik der Bundes- und Landesregierung auf.

Merkel bei Anne Will: 8 Zitate

1. “Man kann mit Willen sehr, sehr viel schaffen.”
(Bundeskanzlerin Angela Merkel, CDU, am Mittwochabend in der ARD-Talkshow “Anne Will” auf die Frage, ob die Deutschen die Flüchtlingskrise bewältigen können.)

2. “Wie soll das funktionieren? Sie können die Grenze nicht schließen. (…) Es gibt den Aufnahmestopp nicht.”
(Merkel auf die Frage, ob es einen Aufnahmestopp für Flüchtlinge geben müsse.)

3. “Es hat keinen Sinn, etwas zu versprechen, was ich nicht halten kann.”
(Die Kanzlerin auf die Frage, wie lange die Flüchtlingskrise andauern könnte.)

4. “Nerven, das ist keine Kategorie.”
(Merkel auf die Frage, ob sie die Kritik des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer, CSU, nervt.)

5. “Ja, ich habe einen Plan.”
(Merkel zur Kritik Seehofers, in Berlin gebe es keinen Plan zur Lösung der Flüchtlingskrise.)

6. “Bei Selfies ist die Distanz etwas weniger als bei normalen Fotos. Das hat ein Selfie so an sich.”
(Merkel zur Kritik an dem Selfie mit einem Asylbewerber in einem Flüchtlingsheim.)

7. “Die Diskussion bedrückt mich fast. Sie können mir glauben, dass ich beschäftigt bin.”
(Merkel zu Spekulationen, sie könne am Freitag den Friedensnobelpreis erhalten.)

8. “Glauben Sie, dass Flüchtlinge ihr Land verlassen wegen eines Selfies mit der Kanzlerin.”
(Merkel zur Diskussion, ob erst ihre Selfies mit Flüchtlingen viele Menschen dazu gebracht hätten, nach Deutschland zu kommen.)

(DPA)

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